Diese Seite verwendet Cookies für die Funktionalität und für anonymisierte Statistiken.
Stimmen Sie auch der Verwendung von Cookies durch Drittanbieter auf dieser Website für die Schaltung von personalsierter Werbung zu? Weitere Informationen
Sie können Ihre Zustimmung jederzeit auf der Seite Impressum / Datenschutz widerrufen.
Dort finden Sie auch weitere Informationen zu Cookies.

Gründer der Nordischen Filmtage Lübeck gestorben

Lübeck: Archiv - 31.03.2020, 15.05 Uhr: Im Alter von 92 Jahren ist am vergangenen Mittwoch, 25. März, der Gründer der Nordischen Filmtage Lübeck, Rolf Hiller, gestorben. Das teilten die Nordischen Filmtage am Dienstag auf ihrer Homepage mit. Er wird im engsten Familienkreis beigesetzt. Größere Trauerfeiern sind zur Zeit nicht gestattet.

Rolf Hiller rief 1956 die Nordischen Filmtage quasi als Nebenprodukt ins Leben. Damals trafen sich Vertreter der skandinavischen Länder in Lübeck zu einem Wirtschaftskongress. Das Forum sollte und wollte die Zusammenarbeit zwischen den nordischen Ländern verbessern und koordinieren.

Hiller, seit 1950 Vorsitzender des Lübecker Filmclubs, war am Rahmenprogramm beteiligt. Er lud im Namen des Filmclubs zu einer Reihe skandinavischer Filme ein, deren Aufführung auf großes Interesse stieß. Wegen der positiven Resonanz machten Hiller und seine Freunde im folgenden Jahr weiter. Sie wollten unter anderem zeigen, dass Filme aus Schweden oder Dänemark nicht nur Sexszenen zeigten oder den zweiten Weltkrieg als Klamauk darstellten.

Rolf Hiller brachte zum Beispiel früh Filme von Ingmar Bergman nach Deutschland. Bergman wurde zum Aushängeschild des skandinavischen Kinos überhaupt. Auch sein Sohn Daniel Bergman kam später als Filmemacher zu den Nordischen Filmtagen nach Lübeck.

Hiller, der Apotheken-Inhaber aus Travemünde, leitete in den ersten Jahren die Vorbereitung des Filmfestes quasi im Alleingang. In einer Urlaubswoche besuchte er die skandinavischen Hauptstädte, um eine Auswahl zu treffen. Nach fast eineinhalb Jahrzehnten waren Vorbereitung und Leitung nicht mehr ehrenamtlich zu schaffen. So übernahm 1970 die Hansestadt Lübeck die Verantwortung und fungiert seither als Veranstalter.

Über die Jahre hin sind die Nordischen Filmtage immer umfangreicher und professioneller geworden. Bernd Plagemann, Andrea Kunsemüller und schließlich Linde Fröhlich arbeiteten als künstlerische Leiter. Rolf Hiller besuchte auch nach der Übergabe der Verantwortung „sein“ Filmfest regelmäßig.

Im Jahr 2018 saß er bei der Filmnacht mit der Verleihung der Preise noch als Ehrengast in der ersten Reihe des Theaters. Seine Frau Irene hatte ihm eingeschärft, nicht aufzustehen, weil er dazu und zum Gehen einen Stock brauchte. Moderator Yared Dibaba holte ihn mit dem Mikrofon vor dem Mund dann doch auf die Beine. Für 2019 hatte Hiller aus Gesundheitsgründen eine Teilnahme abgesagt. Am Nachmittag der Filmpreisnacht entschied er sich anders. Seine Frau fuhr ihn abends im Rollstuhl ins Theater.

Hiller blieb ein Filmfan, auch wenn ihm nicht jeder seichte Beitrag gefiel. Kritik äußerte der Grandseigneur des Lübecker Filmfestes dennoch nicht öffentlich, allenfalls als Anmerkung im Gespräch mit Mitgliedern des Teams in privater Runde. Seinen Freunden wird er im November bei den 62. Nordischen Filmtagen fehlen.

Rolf Hiller starb im Alter von 92 Jahren. Foto: TD/Archiv

Rolf Hiller starb im Alter von 92 Jahren. Foto: TD/Archiv


Text-Nummer: 137332   Autor: TD   vom 31.03.2020 um 15.05 Uhr

Text teilen: auf facebook +++ auf Twitter +++ über WhatsApp

Text ausdrucken. +++  Text ohne Bilder ausdrucken.