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Lübecker Kita-Eltern am Ende ihrer Kräfte

Lübeck: Archiv - 07.05.2020, 09.31 Uhr: Nach mehr als zwei Monaten der Kitaschließung teilte das Land Schleswig-Holstein am 6. Mai 2020 die stufenweise Öffnung der Kitas mit. Diese Pläne bietet Eltern jedoch keine ernstgemeinte Entlastung und keine konkrete Perspektive, kritisiert die Lübecker Kreis- und Stadtelternvertretung (KEV/SEV) – die Kita- Eltern sind am Ende ihrer Kraft.

"Wir fordern in Anbetracht der Corona-Umstände für Eltern die Wahlfreiheit zwischen einer bedingungslosen Notbetreuung und einem bedingungslosen Einkommensersatz, wenn Eltern ihre Kinder selber betreuen. Zudem fordern wir kreative Lösungen von der Lübecker Verwaltung und Politik für alle Kinder, die eine Kita-Betreuung in den kommenden Monaten benötigen. Können Kitas erforderliche Hygienekonzepte nicht umsetzen, zeigt uns Dänemark, dass Kinderbetreuung in Krisenzeiten auch an der frischen Luft auf öffentlichen Spielplätzen, in Parks oder anderen öffentlichen Gebäuden geleistet werden kann", so Mascha Benecke-Benbouabdellah, KEV-Delegierte im Jugendhilfeausschuss Lübeck und 2. Vorsitzende der SEV.

Benecke-Benbouabdellah führt weiter aus, dass Eltern seit Wochen die finanziellen, beruflichen und auch seelischen Belastungen der Krise nahezu allein stemmen müssten. Das Verständnis für diese Situation, Geduld und Kraft der Eltern sei am Ende. Auch das jetzt von der Landesregierung vorgestellte Modell der erweiterten Notbetreuung in den Kitas ändere daran wenig. Denn trotz weiterer Notbetreuungsplätze würden die meisten Lübecker Kinder bis mindestens zu den Sommerferien ihre Kita nicht wiedersehen (wenn nicht sogar bis zum Herbst), weil die angekündigte Ausweitung der Notbetreuung in Lübeck oft an der Realität scheitere. So könnten aus baulichen Gründen nicht alle Kitas das Hygienekonzept für neue Notbetreuungsplätze umsetzen oder aber es fehle an dem notwendigen Raum.

"Die von der Politik zugelassene Zusammenschlüsse von Eltern zur gegenseitigen Entlastung in der Kinderbetreuung sind genauso unzureichend, wie die Ausweitungspläne für die Notbetreuung und verlagert das Problem fehlender Kinderbetreuung einfach in den Privatbereich. Eltern aber können auf Dauer keine ausgebildeten pädagogischen Fachkräfte ersetzen", so Juleka Schulte-Ostermann, 1. Vorsitzende der SEV und zugleich Erziehungswissenschaftlerin.

Nicole Lindenberg, 1. Vorsitzende der KEV ergänzt: "Gänzlich vergessen wurden bisher die Eltern von IKindern und die I-Kinder selber. Es braucht umgehend Lösungen zur Sicherstellung der notwendigen Therapien und Förderung. Auch die Notbetreuung muss so konzipiert werden, dass alle Kinder betreut werden können – selbst, wenn sie, wie oft bei I-Kindern der Fall, einer Risikogruppe angehören."

Das Fazit der drei KEV/SEV-Vorsitzenden zur familienpolitischen Coronapolitik ist düster: "Es zeigt sich aktuell immer wieder aufs Neue, dass Familien, Eltern und Kinder keine Lobby in der Politik haben. Die angekündigte Ausweitung der Notbetreuung ist nur eine oberflächliche Maßnahme, die die Situation für die Mehrheit der Familien noch nicht einmal ansatzweise verbessert. Stattdessen wird die Abwärtsspirale für die Mehrzahl der Lübecker Kinder, insbesondere auch der Kinder aus mehrsprachigen Elternhäusern, der I-Kinder, der Kinder aus bildungsfernen Familien mit den von der Landesregierung jetzt vorgelegten Plänen noch mehr beschleunigt. Die Mehrzahl der Lübecker Kinder werden dauerhaft von der außerschulischen Bildung der Kitas, den dortigen sozialen Kontakten ausgeschlossen, somit bildungstechnisch abgehängt und sozial isoliert. Wir fordern daher von der Lübecker Verwaltung und Kommunalpolitik die zeitnahe Entwicklung kreativer Lösungen im Rahmen der zu kurz gedachten Landesvorgaben, um die andernfalls für Lübecker Kinder fatalen Entwicklungen noch abzuwenden" so Benecke-Benbouabdellah, Lindenberg und Schulte-Ostermann abschließend.

Mascha Benecke-Benbouabdellah ist KEV-Delegierte im Jugendhilfeausschuss Lübeck und zweite Vorsitzende der SEV. Foto: KEV

Mascha Benecke-Benbouabdellah ist KEV-Delegierte im Jugendhilfeausschuss Lübeck und zweite Vorsitzende der SEV. Foto: KEV


Text-Nummer: 138020   Autor: KEV   vom 07.05.2020 um 09.31 Uhr

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