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Welttag gegen die Misshandlung älterer Menschen

Schleswig-Holstein: Archiv - 15.06.2020, 10.54 Uhr: Anlässlich des Welttages gegen die Misshandlung älterer Menschen am 15. Juni 2020 weist die Pflegeberufekammer SH auf eine gefährliche Folge der Pandemie hin: Gewalt gegen ältere und pflegebedürftige Menschen war auch vor Corona ein Thema, in der jetzigen Situation spitzt sie sich weiter zu. Pflegende wie auch Pflegebedürftige benötigen dringend Unterstützung.

Anschreien, beschimpfen, grob anfassen, vernachlässigen – Gewalt hat viele Gesichter. Und sie kommt häufiger vor als gedacht. "Die Weltgesundheitsorganisation, kurz WHO, geht davon aus, dass etwa jeder sechste Mensch ab 60 Jahren im vergangenen Jahr irgendeine Form von Gewalt in der Gemeinde erlebt hat", sagt Marco Sander, Altenpfleger, Pflegewissenschaftler und Vorstandsmitglied der Pflegeberufekammer Schleswig-Holstein.

Gerade in familialen Pflegebeziehungen komme es häufig zu psychischer Gewalt gegen ältere Menschen. "Die Auslöser liegen oft in der Überforderung der pflegenden Angehörigen", erläutert Sander, der in verschiedenen Gewaltpräventionsprojekten tätig ist. "Viele fühlen sich mit der Pflege alleingelassen." Da die Gewalt im Verborgenen stattfinde, sei eine exakte Angabe zur Häufigkeit von Gewalt in pflegerischen Beziehungen schwierig. "Die Dunkelziffer ist hoch."

In der aktuellen Situation der Corona-Pandemie spitze sich das Problem nochmal zu, wie Rückmeldungen von Experten und aus der Praxis zeigen. Denn viele Unterstützungsangebote seien zum Erliegen gekommen, um ältere, pflegebedürftige Menschen vor einer Infektion zu schützen. "Vielfach wurde mit der ambulanten Pflege pausiert, Angebote der Tagespflege wurden eingeschränkt, osteuropäische Hilfskräfte sind zurück in ihre Heimat gekehrt", sagt Sander. Die Folge: "Pflegende Angehörige wurden mit der Pflege komplett allein gelassen." Eine Rund-um-die Uhr-Betreuung allein durch die Angehörigen führe aber schnell in die Überforderung und könne das Risiko für Gewalt gegen ältere Menschen verstärken. Wichtig sei in dieser Situation, sowohl pflegende Angehörige als auch pflegebedürftige Menschen bestmöglich zu schützen. "Der beste Schutz vor Gewalt ist der Gesundheitsschutz und die psychische Entlastung der Pflegenden", betont Sander.

In Schleswig-Holstein sind die Tagespflegeeinrichtungen für pflegebedürftige Menschen wieder – mit verminderter Gästezahl – seit Beginn der Woche geöffnet. "Das ist ein wichtiger Schritt, um pflegende Angehörige zumindest zeitweise zu entlasten", sagt Kammerpräsidentin Patricia Drube. Wichtig sei in familialen Pflegesituationen, dass die Pflegenden regelmäßig unterstützt werden, sowohl innerhalb der Familie, als auch durch pflegerische Experten.

"Eine individuelle Beratung, zum Beispiel durch Pflegestützpunkte, kann pflegenden Angehörigen Orientierung bieten, welche Angebote ihnen zustehen und wie diese über die Pflegeversicherung finanziert werden", sagt Drube. Die Beratung sei kostenfrei und neutral. Pflegestützpunkte gäbe es inzwischen in fast allen Kreisen und kreisfreien Städten in Schleswig-Holstein.

Betroffene sollten sich zudem in Krisensituation nicht scheuen, Hilfe zu suchen. "Es ist enorm wichtig, über das Thema zu reden. Gewalt darf kein Tabuthema sein", betont Sander. "Wenn ich überlastet bin, muss ich darüber reden können." Dazu gebe es ein Netz an Angeboten, an das sich pflegende Angehörige, aber auch Pflegebedürftige wenden können:

Das PflegeNotTelefon in Schleswig-Holstein ist ein Beratungs-, Krisen- und Beschwerdetelefon, an das sich pflegende Angehörige auch in Zeiten von Corona wenden können: Es kann rund um die Uhr unter der landesweiten Telefonnummer 01802/494847 mit 6 Cent pro Anruf erreicht werden. Muttersprachliche Beratungen sind möglich.

Das Alzheimer-Telefon bietet bundesweit Hilfe durch professionelle Beratung. Unter der Festnetznummer 030/259379514 beantwortet ein multiprofessionelles Team die Fragen von Angehörigen (Montag bis Donnerstag 9-18 Uhr, Freitag 9-15 Uhr).

Der "Weisse Ring" bietet Beratung für Menschen, die von Gewalt betroffen sind. Senioren oder deren Angehörige können sich – auch anonym – unter der Telefonnummer 116 006 an das Opfer-Telefon des Weissen Rings wenden. Das Angebot ist bundesweit verfügbar, kostenfrei und täglich von 7 bis 22 Uhr zu erreichen.

Der Welttag gegen die Misshandlung älterer Menschen wird jährlich am 15. Juni begangen. Ins Leben gerufen wurde der Tag 2006 von den Vereinten Nationen.

Gerade in familialen Pflegebeziehungen komme es häufig zu psychischer Gewalt gegen ältere Menschen.  Symbolbild: JW

Gerade in familialen Pflegebeziehungen komme es häufig zu psychischer Gewalt gegen ältere Menschen. Symbolbild: JW


Text-Nummer: 138723   Autor: Pflegeberufekammer   vom 15.06.2020 um 10.54 Uhr

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