Diese Seite verwendet Cookies für die Funktionalität und für anonymisierte Statistiken.
Stimmen Sie auch der Verwendung von Cookies durch Drittanbieter auf dieser Website für die Schaltung von personalsierter Werbung zu? Weitere Informationen
Sie können Ihre Zustimmung jederzeit auf der Seite Impressum / Datenschutz widerrufen.
Dort finden Sie auch weitere Informationen zu Cookies.

Gedanken zum Johannistag

Lübeck: Archiv - 20.06.2020, 10.53 Uhr: Pastorin i.R. Ellen Naß erinnert in ihren Gedanken zum Wochenende an einen Feiertag, der kaum noch beachtet wird. Am 23. Juni ist in diesem Jahr "Johannistag", der an "Johannes den Täufer" erinnert.

Nächste Woche feiern wir den Johannistag. Wobei „Feiern“ vielleicht nicht ganz der richtige Ausdruck ist, denn er ist bei uns fast in Vergessenheit geraten. Johannisbeeren, Johanniskraut kennen wir noch, aber das Mittsommerfest der Schweden wird hier in Norddeutschland wesentlich bekannter. Das ist genau der Johannistag.

Der Tag ist nach Johannes dem Täufer benannt. In der Bibel wird berichtet, dass seine Mutter, Elisabeth, im 6. Monat schwanger ist, als der Engel Maria verkündigt, dass sie einen Sohn, Jesus, bekommen wird. Die beiden Frauen sollen sogar verwandt sein, Cousinen, wobei es ja auch entferntere Cousinen gibt.

Weil wir Jesu Geburt am 24. Dezember feiern, wurde folgerichtig der Geburtstag von Johannes auf den 24.6. gelegt, ein halbes Jahr vorher. Damit wurden 2 der großen Ereignisse des Jahres – Winter- und Sommersonnenwende – mit christlichen Festen vereint.

Dabei passt Johannes der Täufer für mein Empfinden nicht in diese schöne und fröhliche Sommerzeit. Sein Schicksal ist eher dunkel und traurig.

Er wurde als Erwachsener Prophet, lebte in der Wüste und ernährte sich von Heuschrecken und Honig. Vielleicht klingt das schlimmer, als es war – Honig war praktisch das einzig bekannte Süßungsmittel, und Heuschrecken sollen lecker sein und viel Protein enthalten, aber es galt wohl eher als enthaltsam. Er trug ein einfaches Gewand.

Seine Botschaft war ernüchternd. Er wusste, er war nicht der große Messias, der sollte noch kommen, aber er sollte die Menschen darauf vorbereiten. Er hielt ihnen ihre Vergehen vor, sagte ihnen, dass sie alle Sünder seien. Das ist eigentlich keine sehr erfreuliche Botschaft. Es fällt uns schwer, zuzugeben, dass wir falsche Dinge getan haben. Außer wenn es um die falsche Ernährung und zu wenig Sport geht, finden wir uns heutzutage fast völlig in Ordnung. Jedenfalls nach außen hin, innen sieht es oft ganz anders aus. Nur zugeben tun wir es nicht, dabei ist gerade dieses Verhalten wenig hilfreich.

Denn sich einzugestehen, dass man Fehler gemacht hat, bedeutet ja auch, dass man das ändern kann. Wenn ich alles – angeblich – richtig gemacht habe, habe ich keine Chance, mich zu verändern, Dinge zu verbessern. Johannes bot den Menschen die Möglichkeit, neu anzufangen. Als Zeichen dafür taufte er sie, wusch sozusagen das Alte ab und gab die Chance auf Neues. Aus dieser Tradition taufen wir heute noch Menschen.

Sein Ende war schrecklich. Er hatte die nach den damaligen Gesetzen ungesetzliche Ehe von Königin und König kritisiert, das war damals auch schon gefährlich. Er wurde enthauptet. Aber er blieb sich selbst treu, und er erfuhr vor seinem Tod auch noch, dass in Jesus alle seine Hoffnungen, Erwartungen und Prophezeiungen wahr geworden waren.

Eigentlich ist es schade, dass wir nicht das Johannisfest feiern, und das nicht nur, weil in den hellen Nächten Feuer, Gemeinschaft, Freude bestimmt etwas Schönes wären. Gut wäre es auch, weil wir uns an Johannes den Täufer erinnern würde. Dann wüssten wir, dass Umkehr, Buße, eine Chance auf Neuanfang ist.

Und wir können von ihm lernen, dass man sich selbst treu bleiben soll, auch in Verfolgung und Leid. Er hat sich nicht verbiegen lassen, und wenn es ihn auch sein Leben gekostet hat, so denken wir heute noch an ihn 2000 Jahre später.

Nächste Woche beginnt der Sommer, wir feiern Mittsommer und das Johannisfest. Es ist eine Erinnerung daran, dass wir uns treu bleiben sollen – und uns doch ändern können, wenn wir Fehler gemacht haben.

Ellen Naß erinnert an den Johannistag.

Ellen Naß erinnert an den Johannistag.


Text-Nummer: 138846   Autor: red.   vom 20.06.2020 um 10.53 Uhr

Text teilen: auf facebook +++ auf Twitter +++ über WhatsApp

Text ausdrucken. +++  Text ohne Bilder ausdrucken.