Diese Seite verwendet Cookies für die Funktionalität und für anonymisierte Statistiken.
Stimmen Sie auch der Verwendung von Cookies durch Drittanbieter auf dieser Website für die Schaltung von personalsierter Werbung zu? Weitere Informationen
Sie können Ihre Zustimmung jederzeit auf der Seite Impressum / Datenschutz widerrufen.
Dort finden Sie auch weitere Informationen zu Cookies.

Suchet und ihr werdet finden

Lübeck: Archiv - 04.07.2020, 08.54 Uhr: Pastorin i.R. Ellen Naß widmet ihre Gedanken zum Wochenende der Frage, wie man den Mut findet, an Träumen festzuhalten. "Bittet, so wird euch gegeben, suchet, so werdet ihr finden, klopfet an, so wird euch aufgetan", zitiert sie aus der Bibel.

Anfang der 70ger war ich im Urlaub mit dem Auto in Norddänemark. Mir fiel ein Prospekt in die Hände, in dem als Sehenswürdigkeit „Ochsenweg" aufgelistet war. Nicht nur dort in Dänemark, sondern auch in Schleswig- Holstein. Auf dem Weg nach Hause haben meine Freundin und ich überall angehalten und diesen Weg gesucht – vergeblich.

Nun kann man leben, ohne den Ochsenweg gesehen zu haben. Trotzdem habe ich mich immer wieder daran erinnert und gesucht, wenn ich gerade in der Gegend war.

Aber der Ochsenweg war nicht das einzige in meinem Leben, das ich gesucht habe. Wir suchen immer wieder viele Dinge, die wirklich wichtig sind. Wir wünschen uns zum Beispiel Glück, ein hohes Alter, eine liebevolle Beziehung , einen erfüllenden Beruf, vielleicht wünschen wir uns Berühmtheit, Erfolg, Anerkennung, nette und liebevolle Kinder.

Nach solchen und ähnlichen Dingen sehnen wir uns alle. Manchmal wird unser Wunsch erfüllt, wir treffen den/ die richtige/n PartnerIn, finden den besten Beruf. Manchmal fällt es uns zu, manchmal müssen wir hart dafür arbeiten. In einigen Fällen kann man manchmal den Eindruck haben, als würde man es nie schaffen, für immer im falschen Beruf feststecken, kinderlos bleiben, unglücklich sein.

Hoffnung kann uns ein Wort Jesu geben. „Bittet, so wird euch gegeben, suchet, so werdet ihr finden, klopfet an, so wird euch aufgetan", so hat er es einmal gesagt. Das scheint zum Durchhalten anzuregen, zum Kämpfen, um doch noch zu bekommen, was man sich wünscht. Es scheint eine Durchhalteparole zu sein, wenn Dinge nicht so laufen, wie wir es gerne hätten.

Ganz so ist es aber nicht. Diese unpersönliche Formulierung wurde von frommen Juden – und Jesus war ein frommer Jude – benutzt, um Gottes Handeln zu umschreiben. Es gibt uns also nicht irgendjemand, sondern Gott, nicht irgendwer öffnet uns den Weg, wir finden nicht irgendetwas, das wir uns unbedingt wünschen oder auch nicht, oder werden von irgendwem gefunden, sondern von Gott.

Wenn Gott uns findet, uns Wege öffnet, uns beschenkt, dann ist es allerdings nicht unbedingt das, was wir uns wünschen. Es kann ganz etwas anderes sein, etwas, an das wir nie gedacht haben und womit wir zuerst nicht unbedingt glücklich und zufrieden sind.

Aber so ein Wunsch, das Wissen, dass Gott uns helfen wird, uns finden wird, kann Energien freisetzen, Kraft geben.

Ansgar, der Apostel des Nordens und 1. Erzbischof von Hamburg und Bremen, hatte als junger Mann die Überzeugung gewonnen, er werde als Märtyrer sterben. Diese Überzeugung hat ihn angetrieben, er hat Schleswig-Holstein, Dänemark und Schweden bereist und missioniert, Frieden gestiftet, vermittelt.

Gestorben ist er letztendlich erst im Alter, an einer Krankheit und nicht als Märtyrer. Trotzdem hat sein Wunsch, seine Gewissheit, vielen Menschen Segen gebracht.

Für mich war dieses Beispiel Mut machend, an Träumen, an Berufungen festzuhalten, auch wenn das Leben anders verläuft. Es hat mir gezeigt, dass es sogar gut sein kann, wenn Dinge anders verlaufen, als ich es unbedingt wollte.

Dann kann es kommen wie mit dem Ochsenweg. Vor 2 Wochen trafen wir uns mit den Geschwistern unseres Hundes in der Nähe Schleswigs zum Spaziergang. Plötzlich war er da: der Ochsenweg, nach fast 50 Jahren, einfach so, ohne dass ich suchen musste.

Es war ein wunderschönes Erlebnis.

Ellen Naß veröffentlicht die Gedanken zum Wochenende im Wechsel mit Heinz Rußmann.

Ellen Naß veröffentlicht die Gedanken zum Wochenende im Wechsel mit Heinz Rußmann.


Text-Nummer: 139149   Autor: red.   vom 04.07.2020 um 08.54 Uhr

Text teilen: auf facebook +++ auf Twitter +++ über WhatsApp

Text ausdrucken. +++  Text ohne Bilder ausdrucken.