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500.000 Euro für 42 Sekunden?

Lübeck - St. Jürgen: Archiv - 05.07.2020, 20.07 Uhr: Die langen Schließzeiten und Rückstaus am Bahnübergang in der Ratzeburger Allee sind ein bekanntes Ärgernis. Eine Untersuchung hat jetzt ergeben: Die Verlegung eines Signals könnte die Wartezeit für die Autofahrer um 42 Sekunden auf 126 Sekunden verringern. Das kostet allerdings eine halbe Million Euro.

Ganz neu ist das Thema nicht: Im Juni 2008 hatte der Bauausschuss die Verwaltung gebeten, die Verlegung des Signals zu prüfen. Das Thema verschwand wieder von der Tagesordnung. Nachdem die Bürgerschaft der Verwaltung im März 2018 einen erneuten Prüfauftrag erteilt hatte, wird jetzt nach mehr als zwei Jahren ein Bericht vorgelegt, der Möglichkeiten zur Optimierung der Schließzeiten aufzeigt. Die Vorzugsvariante der Verwaltung ist dabei eine Veränderung an der Signalanlage der Bahn.

Dafür gibt es Kritik. Dieser Lösungsansatz ist für die Lübecker CDU jedoch weder zeitgemäß noch sachgerecht. Bernhard Simon, der den Lübecker Süden für die CDU in der Bürgerschaft vertritt: "Schon heute sind die tatsächlichen Wartezeiten während und nach einer Schrankenschließung deutlich länger als die genannten rechnerischen Werte, insbesondere wenn man von Süden kommend in Richtung Stadt möchte. Dies ist unter anderem bedingt durch einmündenden Verkehr, der mittels Kontaktampeln auf die Ratzeburger Allee einfließt und die Auflösung vorhandener Rückstaus hinauszögert. Dieser Aspekt ist aber in der Vorlage gar nicht betrachtet worden. Auch die Erreichbarkeit des UKSH wäre für Notfalltransporte nicht hinreichend verbessert – wenn es um Menschenleben geht, darf es überhaupt keine Wartezeiten geben."

Die Deutsche Bahn, die für die Stadt Lübeck die technischen Alternativen herausgearbeitet hat, betrachtet Verbesserungen bei einer niveaugleichen Schranken-Lösung in einem Bericht "nur als Interimslösung". Weiter heißt es seitens der Deutschen Bahn: "Die sehr hohe Anzahl von Straßenverkehrsteilnehmern sollte die Kreuzungsbeteiligten veranlassen, das Straßenverkehrsaufkommen langfristig zu reduzieren oder eine niveaufreie Lösung anzustreben."

Bei der gegebenen städtebaulichen Entwicklung im Lübecker Süden, insbesondere der Verlagerung der Erschließung des UKSH in Richtung Ratzeburger Allee, erscheint eine Reduzierung des Verkehrs gegenüber dem Aufkommen von 2018 unrealistisch, meint Simon. "Auch eingetretene und künftige Veränderungen auf der Bahnseite sprechen dafür, einen kreuzungsfreien Bahnübergang in Form einer Unter- oder Überführung jetzt mit Nachdruck anzustreben." Ein Vorteil: Dass neue Eisenbahnkreuzungsgesetz befreit die Stadt von Kosten bei Veränderungen am Bahnübergang. Die Kosten werden vom Bund zu 50 Prozent, der Bahn zu 33,3 Prozent und dem Land zu 16,7 Prozent getragen.

"Es gibt deutliche Signale von Bund und Land, die Kosten für einen kreuzungsfreien Bahnübergang an der Ratzeburger Allee zu übernehmen. Wir fordern die Verwaltung auf, sich eindeutig für einen solchen Übergang zu erklären und in diesem Sinne mit Nachdruck auf die Bahn als Planungsverantwortlichen zuzugehen. Als erster Schritt ist eine frühzeitige Öffentlichkeitsbeteiligung für die Maßnahmen auf Lübecker Gebiet noch für 2020 unerlässlich, damit endlich die erforderliche Transparenz in Bezug auf die Planungen geschaffen wird", so Bernhard Simon abschließend.

Lohnt eine Investition von einer halben Million Euro, um die theoretische Wartezeit um 42 Sekunden zu reduzieren? Foto: Stefan Strehlau

Lohnt eine Investition von einer halben Million Euro, um die theoretische Wartezeit um 42 Sekunden zu reduzieren? Foto: Stefan Strehlau


Text-Nummer: 139176   Autor: VG/CDU   vom 05.07.2020 um 20.07 Uhr

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