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Großwetterlage: Der Sommer bleibt wechselhaft

Lübeck: Archiv - 07.07.2020, 19.27 Uhr: Alles wartet auf die Schlagzeile 'Jetzt ist der Sommer endlich da', und mit ein wenig Glück könnte diese Schlagzeile eventuell am Wochenende sogar kommen, verspricht unser Wetterfrosch Harald Denckmann. Trotz der eher wechselhaften Gesamtlage könnte sich eine Hochdrucknase zumindest vom kommenden Wochenende an etwa eine Woche lang bei uns festsetzen.

Die Sommerprognosen richten sich ja immer ein wenig nach dem Siebenschläfertag, den wir bereits am 27. Juni feiern konnten. Der war eigentlich noch ganz passabel, nur am Nachmittag kam, nach meiner Erinnerung, ein wenig Regen auf. Nun sollte man zur Beurteilung der Lage nicht nur auf das Geschehen dieses einen Tages achten, sondern auch die erste Juliwoche in seine Überlegungen mit einbeziehen. Und da ist das Geschehen ziemlich eindeutig: wechselhaftes Wetter mit schnell durchziehenden Niederschlagsgebieten und dadurch bedingten Temperaturwechseln zwischen etwa 14°C und 20°C.

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Kommen wir jetzt einmal zum meteorologischen Hintergrund dieses Geschehens. Da spielt das für uns wetterprägende Geschehen von Islandtief und Azorenhoch die entscheidende Rolle. Wenn wir einmal an das Jahr 2018 zurückdenken, werden wir uns erinnern, dass wir von Mai bis fast November durchgehend schöne sonnige Tage hatten. Berechtigterweise sprach man seinerzeit von einem extremen Dürrejahr. Damals hatte sich das Azorenhoch weit nach Nordeuropa hineinentwickelt und dort stabil festgesetzt. Wenn ein solcher Vorstoß erfolgreich ist, können wir in der Tat mit einem Traumsommer rechnen. Damals hieß es natürlich schon, das wird jetzt immer so sein, wegen des Klimawandels. Man vergisst schnell, deshalb sei noch einmal daran erinnert, dass der Sommer 2019 absolut normal für unsere Region verlief, auch was die Niederschlagsmengen anging. Und auch jetzt, im Jahre 2020 ist offensichtlich einmal wieder die Situation eingetreten, dass die von Island nach Osten in Bewegung gesetzten Tiefdruckgebiete unsere Region von West nach Ost überqueren. Nur gelegentlich, wie man der Übersichtskarte entnehmen kann, wird das Azorenhoch einmal eine Lücke finden und einen Vorstoß in unsere Region schaffen. Warum man das so genau sagen kann? Der Polarjet bildet zurzeit eine ziemlich stabile Auskehlung über der Iberischen Halbinsel, so dass die Tiefdruckgebiete nördlich davon, also über unsere Region, hinwegziehen.

Das bedeutet jetzt natürlich kein durchgehend schlechtes Wetter für den Juli, das wird immer missverstanden. Ein weiterer Blick auf die Karte verrät aber, dass so ein Tiefdruckgebiet eine Vorderseite - im Osten - und eine Rückseite - im Westen- hat. Da wir ja stehenbleiben und das Druckgebiet von West nach Ost über uns hinüberzieht, erfahren wir zunächst warme, milde Winde aus dem Westen, die natürlich auch einmal Regengebiete mit sich führen, aber auch wolkigen Himmel mit vielen sonnigen Abschnitten bedeuten. Dann sollten wir alles liegen lassen und an den Strand eilen. Wenn das Gebiet über uns hinwegzieht und wir auf die Rückseite des Tiefs geraten, kommen natürlich Winde aus Nordost. Dann wird es frisch und die Temperaturen fallen auch gerne einmal unter die 15° C Marke. Wenn die Kaltluft die warme Luft anhebt, bilden sich auch gerne einmal Sommergewitter mit heftigen Niederschlägen und Böen an den Fronten.

Ein solches Geschehen ist eigentlich für unsere Region normal und wird von vielen daher auch als 'typisches Schleswig-Holstein-Wetter' bezeichnet. Das verrät auch ein Blick auf die Niederschlagsentwicklung in Lübeck. Peter Faulbrück hat an seiner Wetterstation in Lübeck-Eichholz für das erste Halbjahr 2020 bereits etwa 400 Liter/m² Niederschlagsmenge messen können, das ist fast so viel, wie im gesamten Jahr 2018. Die Rufe im Frühjahr, dass 2020 erneut ein katastrophales Dürrejahr werden wird, waren also verfrüht. "Der Garten braucht unbedingt Regen", hörte man auch vor gar nicht so langer Zeit. Jetzt hat er ihn. Der Gartenfeuchte-Index bei Peter Faulbrücks Station wurde kürzlich auf "sehr feucht" gesetzt.

Und das wird jetzt erst einmal im Juli 2020 so weiter gehen. Die Natur freut sich. Selbst im lange auf Regen wartenden Wald werden die Grundwasserbestände langsam wieder aufgefüllt. Dazu ist es an den Küsten absolut 'corona-konform'. Ein Blick auf die neue Strand-Ampel bei www.strandticker.de zeigt, dass die Situation in den Badeorten absolut im 'grünen Bereich' ist. Wer will kann baden und findet sogar einen Parkplatz, und zwar im ganzen Bereich von Scharbeutz bis Rettin.

Ein Tipp noch. Die Ampel sollte man unbedingt am kommenden Wochenende zu Rate ziehen. Da ist es nämlich gerade einmal sehr wahrscheinlich, dass eine Hochdruck-Nase des Azorenhochs es bis in unsere Region schafft und für schönes Badewetter sorgt. Die Prognosen sind noch nicht ganz stabil, aber es könnte sein, dass dieser Hochdruckeinfluss sogar eine ganze Woche anhält und auch das Wochenende um den 20. Juli mit einschließt. Danach muss man mal sehen. Aus heutiger Sicht löst dann ein weiteres Islandtief den zeitweiligen Hochdruckeinfluss wieder ab. Schwere Gewitter sind nach so einer Periode sehr wahrscheinlich.

Der Wechsel von Regen und Sonne mit wechselhaften Temperaturen weicht am Wochenende vorübergehend schönem Sommerwetter. Foto: JW, Grafik: Harald Denckmann

Der Wechsel von Regen und Sonne mit wechselhaften Temperaturen weicht am Wochenende vorübergehend schönem Sommerwetter. Foto: JW, Grafik: Harald Denckmann


Text-Nummer: 139217   Autor: Harald Denckmann   vom 07.07.2020 um 19.27 Uhr

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