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Gott wird helfen

Lübeck: Archiv - 18.07.2020, 10.16 Uhr: Es gibt schwere Schicksalsschläge, die Menschen zur Verzweiflung treiben. Die Pastorin i.R. Ellen Naß berichtet davon in ihren Gedanken zum Wochenende.

In den letzten Wochen habe ich Trauriges erlebt. Es betraf mich nicht persönlich, sondern eine entfernte Verwandten von mir.

Als erstes erreichte mich eine Whatsapp Nachricht, dass ihr Sohn mit 30 Jahren einen Autounfall gehabt hätte. Ich ließ ihr mein Beileid ausrichten und schrieb: Wenn ich irgendetwas tun kann…

Da sie weit entfernt wohnt und Pastor und Notfallseelsorger schon bei ihr gewesen waren, habe ich nicht mit mehr gerechnet. In Zeiten von Corona sind Beerdigungen kleine Angelegenheiten, ohne entfernte Verwandte.

Doch dann bat sie mich, die Beerdigung zu übernehmen. Es stellte sich heraus, dass er psychisch krank gewesen war, in Panik während eines Schubs einen Unfall gehabt hatte. Er und seine Mutter hatten fast 3 Wochen lang Hilfe zu finden versucht, in der Psychiatrie, bei der Polizei. Niemand hat den Ernst der Lage erkannt, sie rannten gegen eine Wand.

Da fehlten auch mir als Pastorin die Worte. Ich kenne viele Bibelstellen, in denen Menschen in Not um Hilfe bitten, Gott um Hilfe anflehen. Aber alles, was ich las, berichtete dann doch von Hilfe, nicht wie hier, wo Hilfe versagt worden war.

Gepredigt habe ich dann letztendlich über Psalm 121. Vielleicht kennen Sie das „Engelterzett", dessen Text stammt aus diesem Psalm. „Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen. Woher kommt mir Hilfe? Meine Hilfe kommt von dem Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.“

Woher kommt mir Hilfe – selbst wenn wir nicht derartig grausame Erlebnisse hatten, haben wir es uns alle schon im Leben gefragt. Situationen, in denen wir Hilfe brauchen, Unterstützung ersehnen, gibt es immer wieder. Manchmal hilft uns dann vielleicht jemand oder auch etwas. Ein anderer Mensch steht uns zur Seite, ein schönes Erlebnis lenkt uns in eine bessere Richtung, etwas geschieht.

Da fällt es dann nicht so schwer, auch Gott zu danken, denn wir haben ja Hilfe bekommen, so wie es im Psalm heißt. Obwohl heute häufig Menschen auch dann Gott nicht danken, sondern es auf Zufall oder die Freundlichkeit anderer zurückführen. Manchmal habe ich den Eindruck – und das gilt auch für mich – dass man es einfach als selbstverständlich, einem zustehend, ansieht, dass es einem gut geht.

Den Menschen, die den 121. Psalm gedichtet und die ihn gebetet haben, ging es bestimmt nicht immer gut. Für uns wäre das, was sie vor weit über 2000 Jahren erlebt haben und als normal empfanden, schier unerträglich. Es gab eine hohe Kindersterblichkeit, viele Mütter und Väter verloren damals ihre Kinder. Ich wäre zum Beispiel mit 12 Jahren gestorben, an einer Blinddarmentzündung. Es gab viel Hunger, keine Impfungen, die schützten.

Trotzdem haben sie gebetet und gesungen: „Meine Hilfe kommt von dem Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.“ Himmel und Erde, die Natur, die Ostsee bei uns erinnern daran, dass Gott größer ist als unser Unglück. Wir können aufrecht gehen, nach oben schauen, weiter auf die Hilfe hoffen, statt uns nach unten ziehen zu lassen.

Gott wird helfen, wenn vielleicht auch nicht so, wie wir es erwarten und wann wir es erwarten. Er hilft, auch wenn alles gegen solche Hoffnung zu sprechen scheint. Auch das ist eine Erfahrung, die wir machen, dass dann von irgendwo Hilfe kommt.

Darüber habe ich dann gepredigt. Es soll sie getröstet haben, jedenfalls etwas. Außerdem denke ich an sie, bete für sie – und habe 1 Woche lang für sie gekocht, damit sie aß.

Ich hoffe, dass jetzt vor Ort viele andere einspringen, Gottes Hilfe weitergeben, damit sie weiterhin Trost bekommt.

Ellen Naß berichtet in ihren Gedanken zum Wochenende vom Umgang mit einem schweren Schicksalsschlag.

Ellen Naß berichtet in ihren Gedanken zum Wochenende vom Umgang mit einem schweren Schicksalsschlag.


Text-Nummer: 139386   Autor: red.   vom 18.07.2020 um 10.16 Uhr

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