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Synagoge: Jetzt werden auch die Sakralmöbel eingebaut

Lübeck - Innenstadt: Archiv - 11.08.2020, 14.48 Uhr: Nach rund sechs Jahren ist die Sanierung Carlebach-Synagoge in Lübeck fast abgeschlossen. Aufgrund der Corona-Pandemie musste der Einbau der Sakralmöbel im März 2020 leider bis auf weiteres verschoben werden, da die israelischen Handwerker nicht einreisen konnten. Dies wird nun nachgeholt.

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Unter der fachkundigen Anleitung des Ingenieurs aus dem Kibbuz Lavi per Live-Stream werden die Sakralmöbel von englischen Tischlern eingebaut. Noch in dieser Woche beenden die drei Tischler aus England den Einbau des Thoraschrein, der Bima, ein Tisch mit Podest, der zum Verlesen der Thorarolle dient, des Rednerpults Lecter sowie der Gebetsbänke mit Ablage. Bautechnisch ist die Sanierung dann abgeschlossen. Konzeptionell wird die Gesamtmaßnahme mit der für das nächste Jahr geplanten Ausstellungseröffnung zur Synagoge und dem jüdischen Leben in Lübeck. Die Kosten der insgesamt rund 8,5 Millionen teuren Umbau- und Sanierungsmaßnahme tragen Bund, Land, Stadt sowie drei Stiftungen.

„Ein langer Weg mit einem wunderbaren Ergebnis. Mit dem Einbau der Sakralmöbel wird die Sanierung der Lübecker Synagoge vollendet. Ich danke allen Beteiligten, die zum Gelingen dieses bedeutenden Projektes beigetragen haben.“ sagte Bürgermeister Jan Lindenau anlässlich der letzten Bautätigkeiten.

Die Mitglieder der jüdischen Gemeinde in Lübeck, insbesondere die ältere Generation, sind sehr froh, dass die Zeiten der Gottesdienste im Keller vorbei sind: „Endlich können wir die Gottesdienste in der renovierten, mit wunderschönen sakralen Möbeln ausgestatteten Gebetshalle durchführen. Wir sind dem Architekturbüro SBS unter der Leitung des Architekten Thomas Schröder-Berkentien sehr dankbar für seine aktive Mitwirkung und Unterstützung bei der Realisierung der Sakraleinrichtung nach dem historischen Vorbild.“

„Die Jüdische Gemeinde in Lübeck feiert nach 1880 und 1945 eine erneute Eröffnung ihrer schönen Synagoge. Es stimmt mich froh und glücklich, nun, und nach 10 Jahren gemeinsamen Wirkens, den Abschluss dieses baulich und gesellschaftlich hochanspruchsvollen Projektes mit feiern zu können“, betont Thomas Schröder-Berkentien, Architekt BDA.

Das Gebäude und der Denkmalschutz

Das Gebäude der Synagoge von 1880 steht auf historischem Grund. Während der Bauzeit stießen die Archäologen auf Reste von Vorgängerbauten. Besonders und einmalig ist die Synagoge deshalb, weil sie trotz der Nazi-Aktionen von 1938 und Folgejahren noch in wesentlichen Teilen vorhanden ist. Die heute im schlichten Äußeren dastehende Lübecker Synagoge ist eine der wenigen in Deutschland, die die Zeit des Nationalsozialismus überstanden hat und die einzige in Schleswig-Holstein vollständig erhaltene. Die Synagoge wurde 1991 als Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung in das Denkmalbuch der Hansestadt Lübeck eingetragen, wegen seines geschichtlichen Wertes als religionsgeschichtliches Zeugnis und der stadtgeschichtlichen Bedeutung in Bezug auf die besonderen politischen Ereignisse des Jahres 1938. Inzwischen ist die Synagoge vom Bund als Nationales Denkmal anerkannt worden.

Des Weiteren steht das Ergebnis des Umbaus von 1939/41 (in Verantwortung des damaligen Baudirektors Piper) nicht nur für den baulichen Zustand, sondern auch für die leidvolle Entwicklung und Existenzgeschichte ihrer Nutzer, nämlich der Lübecker Juden. Es ist weiterhin bekannt, dass er zur Umsetzung seiner Pläne die Straßenfassade im Bereich der beiden Seitrisalite um ca. 40 Zentimeter vorsetzte. Beide Mauerwerke sind einschalig, der Verband von 1880 ist als Ziermauerwerk ausgesprochen fugenschlank gesetzt (wie schon die zerstörte Schaufassade). Diese Qualität erreicht das Mauerwerk der 1940-er Jahre nicht mehr; - die jetzige Schaufassade ist mit einem aus dem „Heimatschutzstil“ abzuleitenden Mauerwerksziegel mit Wasserstrich aufgeführt worden.

Die Decken-Konstruktionen bestehen insgesamt aus Holz-Balkendecken. Nur die Konstruktionsebene im 1. Obergeschoss im Mittelteil des Kopf-Baus ist künftig (wie bis 1940) aus konstruktiven Gründen als Stahlbetonkonstruktion ausgeführt. Die „Gewölbe-Konstruktion“ des Gebetsraumes ist eine geputzte Holzkonstruktion, die seitlich auf dem Außen-Mauerwerk aufliegt bzw. von den gusseisernen Bindern des Hauptdaches mitgetragen werden. Fußboden des Gebetsraumes wird als Massiv-Boden ausgeführt und wieder eine Holz-Oberfläche erhalten.

Ein besonderer denkmalpflegerischer Aspekt besteht im Umgang mit der anfangs als verloren geglaubten Ausmalung des Gebetssaals von 1880: die als nahezu vollständig wiedergefundene Malerei an Wänden, Gewölben und Frauen-Empore wird wiederhergestellt und dem Raum künftig seine Feierlichkeit zurückgeben.

Bürgermeister Jan Lindenau informierte sich am Dienstag vor Ort über die abschließenden Arbeiten. Fotos: Hansestadt Lübeck

Bürgermeister Jan Lindenau informierte sich am Dienstag vor Ort über die abschließenden Arbeiten. Fotos: Hansestadt Lübeck


Text-Nummer: 139794   Autor: Presseamt Lübeck   vom 11.08.2020 um 14.48 Uhr

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