Diese Seite verwendet Cookies für die Funktionalität und für anonymisierte Statistiken.
Stimmen Sie auch der Verwendung von Cookies durch Drittanbieter auf dieser Website für die Schaltung von personalsierter Werbung zu? Weitere Informationen
Sie können Ihre Zustimmung jederzeit auf der Seite Impressum / Datenschutz widerrufen.
Dort finden Sie auch weitere Informationen zu Cookies.

Sexuelle Gewalt gegen Kinder: Kein Täter werden!

Lübeck: Archiv - 17.08.2020, 16.20 Uhr: Das Zentrum für Integrative Psychotherapie des UKSH möchte Therapieangebote bekannter machen und damit den Kinderschutz in Schleswig-Holstein stärken. Justizminister Claussen stellte am Montag im Lübecker Citti-Park Maßnahmen vor, wie Betroffene stärker auf die therapeutischen Angebote aufmerksam werden. 435 Personen in Schleswig-Holstein haben sich bereits freiwillig gemeldet, um nicht Täter zu werden.

Lügde, Bergisch Gladbach, Münster – immer wieder werden neue, erschütternde Fälle von sexuellem Missbrauch von Kindern aufgedeckt. Oft mit mehreren Tausend Tatverdächtigen. Während in der Öffentlichkeit und Politik über härtere Strafen debattiert wird, möchte das Zentrum für Integrative Psychiatrie dem Ansatz der Prävention zu größerer Aufmerksamkeit verhelfen. Dies ist Ziel der Kampagne „Kein Täter werden in Schleswig-Holstein“.

Um über den aktuellen Stand der Projektarbeit zu informieren, stellte Justizminister Claus Christian Claussen gemeinsam mit dem Projektkoordinator des ZIP, Prof. Dr. Christian Huchzermeier, den aktuellen Stand der regionalen Kampagne vor.

Justizminister Claussen: „Die Zielsetzung ist klar: Wir wollen mit unserem gut aufgestellten Präventionsprojekt dazu beitragen, dass es erst gar nicht zu sexuellen Übergriffen auf Kinder kommt. Der beste Schutz vor Kindesmissbrauch ist und bleibt die Prävention. Wir gehen davon aus, dass in Schleswig-Holstein etwa 7.000 Männer mit pädophilen Neigungen leben. Das lässt sich auf Basis der Ergebnisse nationaler und internationaler Befragungen bezogen auf sexuelle Fantasien im Umgang mit Kindern - übertragen auf unser Land - schließen. Es gilt, diesen Menschen eine Anlaufstelle zu bieten und sie dabei zu unterstützen, mit ihren Neigungen zu leben ohne sie auszuleben. Damit helfen wir den Betroffenen. Vor allem aber schützen wir damit unsere Kinder. Das Justizministerium beteiligt sich finanziell an einer zielgerichteten Öffentlichkeitsarbeit. Wir hoffen, dadurch noch mehr Betroffene zu erreichen als bisher und so weitere sexuelle Kindesmissbräuche verhindern zu können. Das wird das Beratungs- und Therapieangebot des ZIP weiter stärken.“

Seit 2018 werden die Behandlungsmaßnahmen nicht mehr vom Land, sondern von der Gesetzlichen Krankenversicherung getragen. Das Land fördert in diesem Jahr aber mit rund 75.000 Euro die nun vorgestellte Kampagne zur Erhöhung des Bekanntheitsgrades des Projektes.

Prof. Huchzermeier: „Das Angebot richtet sich an die Gruppe von Männern, die ihre pädophile Veranlagung selbst als problematisch empfinden und daran leiden. Wir unterstützen diese Männer in der Therapie für den Betroffenen kostenfrei und unter Wahrung der Anonymität dabei, Risikosituationen zu erkennen und verantwortlich mit der pädophilen Neigung umzugehen – mit dem Ziel, sexuelle Übergriffe auf Kinder zu verhindern.“

Hintergrund

Die nun vorgestellte Informationskampagne hat das Ziel, das Projekt zur Verhütung von Kindesmissbrauch in das Blickfeld der Öffentlichkeit zu rücken. So soll der Bekanntheitsgrad des Angebots in der Bevölkerung erhöht und zugleich die Anzahl der Kontaktaufnahmen von Betroffenen gesteigert werden. In diesem Rahmen wurden verschiedene PR-Maßnahmen entwickelt. Den Anfang macht in diesem Jahr eine Plakat-Aktion im Lübecker Citti-Park, die der Minister gemeinsam mit Projektleiter Prof. Huchzermeier vorstellte. Zehn Plakataufsteller zeigen Kindergesichter im Alter zwischen fünf und zwölf, die Augen sind verdeckt durch eine Farbfläche. Darauf sind Name und Alter des Kindes zu lesen. In der Mitte dieser „Kinder“ ist ein rotes Plakat platziert. Auf diesem Plakat wird das Therapieangebot kommuniziert. Diese „Ausstellung“ soll als sogenannte Wanderausstellung das Thema wiederholt in der Öffentlichkeit platzieren.

Zentrales Medium der Kampagne ist die Internetseite, die Menschen mit pädophilen Neigungen Informationen bietet und anonyme Therapiemöglichkeiten eröffnet. Begleitet wird die Kampagne zudem durch die Auslage von Informationsmaterialien in Arztpraxen, Beratungsstellen sowie öffentlichen Einrichtungen, das Schalten von Anzeigen online sowie offline und einen Kinospot. Durch Beiträge in (Fach-)Zeitschriften und Informationsveranstaltungen soll ein landesweites Netzwerk entstehen. Neben diesen klassischen Bestandteilen einer Informationskampagne setzt Prof. Dr. Huchzermeier mit seinem Team weiterhin auf einen Online-Fragebogen, der Betroffenen eine erste Einschätzung über eine mögliche pädophile Präferenz ermöglichen kann. Zudem werden auch die neuen Möglichkeiten der Telemedizin genutzt, um den Zugang zu den therapeutischen Angeboten zu erleichtern – ein Angebot, das sich gerade während der Kontaktbeschränkungen aufgrund der Corona-Krise bewährt hat.

Weitere Infos: www.kein-taeter-werden.sh

Justizminister Claussen (Mitte) stellte mit Prof. Dr. Christian Huchzermeier (r.), Dr. Martin Budde und Dipl. Psych. Julia Pätzel vom ZIP am Montag in Lübeck die Präventionskampagne vor. Foto: UKSH

Justizminister Claussen (Mitte) stellte mit Prof. Dr. Christian Huchzermeier (r.), Dr. Martin Budde und Dipl. Psych. Julia Pätzel vom ZIP am Montag in Lübeck die Präventionskampagne vor. Foto: UKSH


Text-Nummer: 139911   Autor: UKSH/red.   vom 17.08.2020 um 16.20 Uhr

Text teilen: auf facebook +++ auf Twitter +++ über WhatsApp

Text ausdrucken. +++  Text ohne Bilder ausdrucken.