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Neues Buch: Frauenarbeit im Hochofenwerk Lübeck

Lübeck - Kücknitz: Die Erste Vorsitzende des Vereins für Lübecker Industrie- und Arbeiterkultur e.V. (1986) hat ihre Publikation mit dem Titel „Frauenerwerbsarbeit in der Industrie ausgehend vom Hochofenwerk Lübeck“ in den Räumen des Industriemuseums Geschichtswerkstatt Herrenwyk der Öffentlichkeit vorgestellt.

Darin wird nicht nur die Entwicklung der industriellen Frauenerwerbsarbeit bis in die heutige Zeit im Kontext von gesellschaftlichen, politischen, wirtschaftlichen und technischen Entwicklungen beleuchtet, sondern diese am konkreten Beispiel des Lübecker Hochofenwerkes dargestellt. Ziel war es, so viele Zusammenhänge wie möglich aufzuzeigen und dem Wirken von Frauen in ihren Lebensbereichen ein Gesicht zu geben. Ausführliche Texte und Fotomaterial runden die Präsentation in Hinblick auf Politik, Wirtschaft, Technik, Gesundheit, Soziales, Freizeit und Kultur ab. Seit Bestehen des Vereins für Lübecker Industrie- und Arbeiterkultur e.V. wurden verschiedene Themen rund um die Industriearbeit in und über Lübecks Grenzen hinaus bearbeitet oder auf den Weg gebracht.

Das neu erschienene Buch „Frauenerwerbsarbeit in der Industrie ausgehend vom Hochofenwerk Lübeck“ greift erstmals die Entwicklung der industriellen Frauenerwerbsarbeit am Beispiel des Hochofenwerks auf. Es ist der Bereich der Schwerindustrie, eine fast ausschließlich von Männern dominierte Erwerbsarbeit, in der nur wenige Frauen eine Arbeit fanden und auch heute noch finden. Ausgenommen waren Arbeitsplätze in der Schwerindustrie in den Randbereichen Gesundheitswesen, Hilfen für Familien vor Ort, Kaufhaus und Kantine und später auch in der Büroarbeit.

Es war die Zeit des Kaisertums mit seiner patriarchalisch geprägten starren Gesellschaftsordnung, als das Werk 1905 gegründet wurde. Der Mann hatte das Sagen und die Frau musste gehorchen. Zudem war sie allein zuständig für Haus und Kinder. Das Patriarchat, die Herrschaft der Männer bzw. des Vaters, durchzog alle Bereiche des Lebens. Ab 1912 wurde schon sehr früh aus der bei der Roheisenherstellung anfallende Schlacke die Produktion von Zement aufgenommen. Der Zement wurde anfangs in Stoffsäcke verfüllt, später in geklebten Papiersäcken. Die Stoffsäcke wurden an großen Nähmaschinen genäht. Da die meisten Frauen in den Arbeiterfamilien mit hoher Kinderzahl damals sehr gut stricken und nähen konnten, lag es nahe, für das Nähen der Zementsäcke Frauen einzusetzen. Nach kurzer Zeit wurde das Nähen durch das Kleben von Papiersäcken abgelöst. Einige wenige weitere Tätigkeiten wurden schließlich auch von Frauen ausgeführt. Warum gerade diese Arbeiten Frauen übertragen worden sind, hinterfragt Helga Martens in ihrem Buch ebenso wie die Entwicklung der Frauenerwerbsarbeit nach dem Zweiten Weltkrieg und spart dabei die Arbeit von Frauen während der beiden Kriegszeiten nicht aus.

Das Industriemuseum Geschichtswerkstatt Herrenwyk, das die fast 80 jährige Geschichte des ehemaligen Hochofenwerkes Lübeck im Ortsteil Herrenwyk am unteren Travelauf darstellt, freut sich über die Dokumentation von Helga Martens. Viele Exponate im Museum widmen sich dem Thema Arbeiten im Werk und den Lebensbedingungen der dort tätig gewesenen Menschen und ihrer Familien.

Das Buch ist ab sofort für zehn Euro im Industriemuseum Geschichtswerkstatt Herrenwyk sowie über den Verein für Lübecker Industrie- und Arbeiterkultur erhältlich. Der Deutsche Verband Frau und Kultur e.V., Gruppe Lübeck, hat die Publikation finanziell unterstützt.

Die Publikation thematisiert die Arbeit von Frauen im Hochofenwerk Lübeck. Foto: Museen/Archiv

Die Publikation thematisiert die Arbeit von Frauen im Hochofenwerk Lübeck. Foto: Museen/Archiv


Text-Nummer: 140130   Autor: Museen/red.   vom 29.08.2020 um 15.48 Uhr

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