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HL historisch: Lübeck, Weinhandelsstadt seit 800 Jahren

Lübeck: Archiv - 30.08.2020, 16.13 Uhr: Wein als Handelsgut spielt in Lübeck eine bedeutende Rolle. Seit wann in der Stadt mit mehr oder weniger edlen Tropfen gehandelt wird, ist nicht feststellbar. Es müssen mindestens 800 Jahre sein, denn aus dem Jahr 1220 stammt der erste Beleg für den Weinhandel. In einer Zollrolle steht, dass Fremde, die auf diesem Gebiet tätig werden wollten, eine Abgabe zu zahlen hätten.

Wenn heutzutage bei Weinfesten auf dem Markt Weine aus deutschen Anbaugebieten angeboten werden – in diesem Jahr war das aus bekannten Gründen nicht möglich – lächeln manche Winzer beim Begriff „Lübecker Rotspon“. Sie lächeln, weil Lübeck natürlich kein Weinanbaugebiet vorzuweisen hat. Manche Kenner sagen, deshalb stünde die Bezeichnung „Lübecker Rotspon“ meistens in Anführungszeichen.

Über Jahrhunderte hinweg war der Weinhandel eine Sache, der die Lübecker Obrigkeit volle Aufmerksamkeit widmete. Ausgewiesene Fachleute wie die eigens hierfür bestimmten „Weinherren“ belegen es. Der Ratsweinkeller war zunächst keine Gaststätte, sondern hauptsächlich Lagerraum. Ein Kellerhauptmann überwachte die Qualität, ein Weinkollegium hatte Kontrollfunktionen.

Zunächst waren es wohl Rheinweine, die in Lübeck gehandelt wurden. Auch den Malvasier findet man als Bezeichnung für einen spanischen Süßwein. „Linde“ und „Rose“ waren früh Weinstuben. Zur Gaststätte umgebaut aber wurde der Ratsweinkeller erst 1875.

Seit dem 17. Jahrhundert handelten Lübecker Kaufleute mit Rotwein. Diese Weine stammten aus der Gegend von Bordeaux in Frankreich, wurden als junge Weine in Fässern nach Lübeck gebracht, in feuchten Kellern in Travenähe zur Reifung gelagert und später auf Flaschen abgezogen. Abnehmer des Lübecker Rotweins waren vor allem die Ostseeländer, bis hin nach Nowgorod.

Woher der Name Rotspon stammt beziehungsweise was er bedeutet, ist nicht genau geklärt. Es gibt zwei Deutungen. Eine Erklärung meint, dass dem Inhalt der Fässer zur besseren Reifung Holzspäne beigegeben wurden, die den Geschmack beeinflussten. Die andere Deutung weist darauf hin, dass Spon oder Span die Bezeichnung für das Holzfass war.

Wie dem auch sei; Lübecker Rotspon kann man heute in sehr unterschiedlicher Qualität finden. In den Supermärkten stehen preisgünstige Sorten. Bei Verkostungen in den großen Weinhandelshäusern werden edle Abfüllungen vorgestellt, die durchaus ihren Preis haben.

Anno 1812, in der Franzosenzeit, mussten alle Lagerbestände des Ratskeller verkauft werden. Lübeck galt als Teil des französischen Kaiserreiches, und Frankreich unter Napoleon gestattete es Kommunen nicht, selbständig Weinhandel zu treiben. Das änderte sich nach der Wiederherstellung der Unabhängigkeit Lübecks schnell.

Ein Unbekannter – oder vielleicht war es der Stadtpoet Lübecks – reimte: „Ein Glas vom edlen Saft der Reben / macht hell und fröhlich unser Leben. / Jedoch der Wein aus Lübecks Keller / macht es noch ganz bedeutend heller!“

Eine der Traditionen rund um den Rotspon: Jedes Jahr bringt der Martensmann - hier mit Stadtpräsidentin Gabriele Schopenhauer - ein Fass nach Schwerin. Foto: JW/Archiv

Eine der Traditionen rund um den Rotspon: Jedes Jahr bringt der Martensmann - hier mit Stadtpräsidentin Gabriele Schopenhauer - ein Fass nach Schwerin. Foto: JW/Archiv


Text-Nummer: 140150   Autor: TD   vom 30.08.2020 um 16.13 Uhr

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