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VHS ist jetzt Anlaufstelle für funktionale Analphabeten

Lübeck: Archiv - 04.09.2020, 14.50 Uhr: Am Freitag ist an der Volkshochschule Lübeck das landesgeförderte "Grundbildungszentrum" eröffnet worden. Das Ziel ist, Erwachsene in der gesamten Region dabei zu unterstützen, Kompetenzen im Lesen, Schreiben, Rechnen, sowie im Umgang mit digitalen Medien nachzuholen. Auch auf nachholende Schulabschlussprüfungen kann man sich dort vorbereiten.

„Die Grundbildungszentren sorgen dafür, dass Menschen den Anschluss nicht verlieren“, sagte Dr. Oliver Grundei, Staatssekretär für Wissenschaft und Kultur. Es ginge vor allem darum, Menschen Teilhabemöglichkeiten zu erschließen. „Das Alltagsleben und vor allem die Arbeitswelt sind von Innovationen in schneller Folge und von Digitalisierung geprägt“, führte Grundei aus. Deshalb sei es wichtig, den Umgang damit zu lernen und eine Basis für lebenslanges Lernen zu schaffen.

Für die Jahre 2020 bis 2022 stellt das Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur eine Gesamtsumme von rund 500.000 Euro zur Verfügung, um damit im Land Anlaufstellen zu schaffen, Teilnehmende zu beraten und Angebote durchzuführen. Träger des Gesamtprojekts ist der Landesverband der Volkshochschulen Schleswig-Holsteins.

Bildungssenatorin Katrin Weiher betont, die Grundbildung habe an der VHS Lübeck eine lange Tradition: Bereits 1982 entstanden die ersten Alphabetisierungskurse für Erwachsene. VHS-Leiterin Christiane Wiebe und die Leiterin des neu entstehenden Grundbildungszentrums, Katrin Gellermann, freuen sich über die nun entstehenden neuen Möglichkeiten. So sollen im Lübecker Einzugsbereich neben dem bestehenden Angebot zur Verbesserung der Schreib- und Lesefertigkeiten und Grundlagen im Rechnen zum Beispiel IT-Kurse und Kurse der politischen Grundbildung, Selbstlernzentren, Übergangskurse zu den Schulabschlüssen und ein Ehrenamtlichenprojekt mit Lernvorbildern entstehen.

Die Kurse sind für den Förderzeitraum kostenfrei. Katrin Gellermann führt aus, dass nur 0,7 Prozent der Menschen mit Grundbildungsbedarf von sich aus einen Weg in Kursangebote finden. „Die anderen müssen wir über verschiedenste Wege irgendwo abholen und sie davon überzeugen, dass sich das Überwinden von Ängsten und negativen Erfahrungen in Bezug auf das Lernen lohnt! Und das, egal wie alt man ist!“, merkt sie an.

Nach einer repräsentativen Studie von 2018 zu Lese- und Schreibkompetenzen der Deutsch sprechenden, erwachsenen Bevölkerung gelten bundesweit 6,2 Millionen Erwachsene zwischen 18 und 64 Jahren als gering literalisiert. Umgerechnet für Schleswig-Holstein sind das mehr als 210.000 Menschen.

Die Mehrheit von ihnen kann durchaus Sätze lesen oder schreiben, scheitert jedoch schon an zusammenhängenden – auch kürzeren – Texten. Hinzu kommen zum Beispiel Schwierigkeiten mit Grundrechenarten und Prozentrechnung oder geringes Wissen über den Umgang mit digitalen Medien. Über die Frage nach einem sicheren Arbeitsplatz hinaus ist die Möglichkeit zu gesellschaftlicher Teilhabe eingeschränkt, wenn die Kompetenzen in Deutsch, Mathematik und Englisch sowie weiteren Themen nicht ausreichen. Es geht darum, den Teilnehmenden die Möglichkeit zu geben, selbstbestimmt zu leben.

Karsten Schneider, Direktor des Landesverbandes der Volkshochschulen, Lübeck VHS-Leiterin Christiane Wiebe, die 2. Stellvertretende Stadtpräsidentin Silke Mählenhoff und Staatssekretär Dr. Oliver Grundei. Foto: VHS LV

Karsten Schneider, Direktor des Landesverbandes der Volkshochschulen, Lübeck VHS-Leiterin Christiane Wiebe, die 2. Stellvertretende Stadtpräsidentin Silke Mählenhoff und Staatssekretär Dr. Oliver Grundei. Foto: VHS LV


Text-Nummer: 140248   Autor: Presseamt Lübeck/red.   vom 04.09.2020 um 14.50 Uhr

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