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HL historisch: Vor 50 Jahren kam die Domorgel aus Dänemark

Lübeck: Lübeck als Zentrum der Orgelmusik in Norddeutschland ist weithin ein Begriff. Lange Zeit war nach dem Krieg die Lübecker Orgelbaufirma Emanuel Kemper und Sohn führend. Die Dom-Gemeinde, ihre Kirchenmusiker und der Kirchenvorstand, mussten vor einem halben Jahrhundert viel Kritik einstecken, als sie einer Firma im Ausland den Auftrag zum Bau der neuen großen Orgel erteilten.

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Die Firma Kemper hatte 1951 schon eine kleinere Orgel mit 21 Stimmen für die Dom-Gemeinde gebaut. Nachdem der neu gestaltete Innenraum des Domes nach der Verwüstung in der Bombennacht 1942 der Vollendung entgegenging, wurde natürlich über eine neue große Orgel diskutiert. Kirchenmusiker und Kirchenvorstand entschieden sich für ein Angebot der dänischen Orgelbaufirma Marcussen & Sohn in Aabenraa.

Die Firma Marcussen, gleich hinter der deutsch-dänischen Grenze in Apenrade, hat international einen ausgezeichneten Ruf. Deshalb wagte der Domvorstand den Ausreißer aus der gewohnten Lübecker Orgellandschaft. Heute ist das selbstverständlich, denn inzwischen haben viele renommierte Orgelbauer aus nah und fern Instrumente für die Lübecker Kirchen geliefert. Damals glich dies fast einem Skandal.

Als die neue umstrittene Orgel im modernen Gehäuse vor 50 Jahren, vom 30. August 1970 an, im Dom zu hören war, verstummte nach und nach die Kritik. Die Sachverständigen fanden keine Gründe, die Klangschönheit der dänischen Orgel infrage zu stellen. Domorganist und Hochschulrektor Professor Uwe Röhl schwärmte noch Jahre später: „Jedes Register eignet sich als Solostimme!"

Die Domorgel ist, was die Zahl der Pfeifen und der Register, der klingenden Stimmen angeht, längst nicht die größte Orgel in Lübeck. Sie verfügt über 47 Register. Die große Marienorgel und die „Große" in St. Jakobi haben mehr Register und mehr Orgelpfeifen. Aber wie hieß es vor Jahrzehnten im Kirchentagskabarett? „Es kommt nicht darauf an, wer die größten Pfeifen hat! Klingen müssen sie!" Und die Pfeifen im Dom klingen auch nach 50 Jahren wunderschön.

Die Firma Marcussen & Sohn aus Dänemark ist noch mit einem zweiten modernen Orgelwerk in Lübeck zu erleben. 1994 wurde die Orgel im Konzertsaal der Musikhochschule eingeweiht, ebenfalls ein Instrument aus Apenrade.

Im Lübecker Dom soll es bereits im 13. Jahrhundert eine Orgel gegeben haben. Die erste ausdrücklich erwähnte „große Orgel" wurde zwischen 1396 und 1399 gebaut. Sie und ihre Nachfolgerinnen hatten ihren Platz an der Westwand, also zwischen den Türmen des Domes. Die neue Marcussen-Orgel wurde vor 50 Jahren räumlich versetzt, an die Nordwand, unmittelbar neben der sich versammelnden Gemeinde. Dadurch wurde der Raum zwischen den Türmen frei und zeigt jetzt das besonders in der Abendsonne aufstrahlende dreiteilige Fenster des Karlsruher Künstlers Lothar Quinte. Der Raum davor dient bei großen Konzerten als Bühne für Chor und Orchester. Seit einigen Jahren wird über den Nachbau der früheren berühmten Arp Schnitger-Orgel diskutiert. Bis dieser Traum Realität wird, dürfte es noch ein langer Weg sein.

Vor 50 Jahren löste die neue Orgel einen Skandal aus. Fotos: JW

Vor 50 Jahren löste die neue Orgel einen Skandal aus. Fotos: JW


Text-Nummer: 140422   Autor: TD   vom 13.09.2020 um 15.32 Uhr

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Kommentare zu diesem Text:

Thomas Völker

schrieb am 14.09.2020 um 10.02 Uhr:
Das ist immer noch ein Skandal. Als ob wir keine Orgeln bauen könnten.