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Jeder Stuhl eine Insel: Michaelisfest im Dom zu Lübeck

Lübeck: Archiv - 30.09.2020, 10.40 Uhr: Der Festtag des Erzengels Michael hat Tradition im Lübecker Dom. In früheren Jahren wurde ein Abendgottesdienst gefeiert, mit einem altersmäßig sehr gemischten Publikum. Am gestrigen Dienstag gab es eine andere Michaelisfeier, eine Premiere zudem. Das Europäische Hanse-Ensemble unter Leitung von Manfred Cordes gab seine Visitenkarte ab. Die Reformation hat zwar den Heiligen-Himmel stark gelichtet. Sankt Michael ist geblieben.

Schließlich ist der Erzengel der Schutzpatron der Deutschen, siehe die Redensart vom "deutschen Michel". In der katholischen Kirche werden am 29. September gleich drei Engel verehrt. Zu Michael gesellen sich Gabriel, der der Maria die Geburt des Erlösers ankündigte und Raphael, der die Gläubigen auf der Lebensreise begleiten soll.

Das Hanse-Ensemble, das sich im Dom vorstellte, ist eine international zusammengesetzte Gruppe von 22 jungen Musikern. Sie wollten im Juni in einigen Hansestädten an der Ostsee Konzerte geben. Corona machte einen Strich durch die Pläne. So blieben Konzerte in Lübeck, Hamburg und Bremen übrig. Unter Corona-Bedingungen. Jeder Stuhl im Dom war eine Insel. Aus der Gegend des Altars in der Mitte erklang die Musik.

Mittelpunkt des Konzertes war der Text, der zum Michaelisfest gehört, ein Abschnitt aus dem letzten Buch der Bibel. Er erzählt vom Kampf des Engels Michael mit dem Teufel. Der Satan in Gestalt eines Drachens wird auf die Erde geworfen, Michael bleibt Sieger. Die Vertonung, die mit den Worten beginnt: "Es erhob sich ein Streit im Himmel", war dabei gleich dreimal zu hören. Nicht als Wiederholung, sondern von drei Komponisten vertont.

Nach der Begrüßung durch den Schirmherrn der Veranstaltung von Hanse-Museum und Dom-Gemeinde, Bürgermeister Jan Lindenau, erklang eine Art Fanfare, ein ruhiger Schreittanz, bei dem man sich gut vorstellen konnte, wie in alten Zeiten Ratsherrn und Senatoren feierlich Einzug hielten. Danach die erste "Michael-Vertonung" von Thomas Selle, achtstimmig. Matthias Weckmann, der Hamburger, schrieb für 14, der Danziger Christoph Werner gar für 18 Stimmen.

Das ausgezeichnete Vokalensemble mischte sich stimmlich bestens mit dem schwebenden Klang der alten Posaunen oder Zinken. Auch die Streicher mit historischen Instrumenten verbreiteten Wohlklang. Die Orgel war mit barocken Stücken zu hören, als Soloinstrument oder zur Einleitung für die Sänger. Besonders beeindruckend waren immer wieder die ausgezeichneten Sängerinnen und Sänger. Viele der Komponisten des Abends sind in Vergessenheit geraten. Aber so gekonnt wie bei den beiden Konzerten im Dom dargeboten, könnten sie schnell Auferstehung feiern. Natürlich gehört außerordentliches Talent dazu, 18-stimmig rein zu singen und zu musizieren. Das Publikum folgte gebannt und wartete mit dem Applaus bis zum Schluss.

Wer gestern nicht in den Dom gehen konnte, kann einen Mitschnitt des Konzertes und Informationen zum Hanse-Ensemble auf NDR Kultur hören, und zwar am Montag, 19. Oktober um 20 Uhr.

Zum Konzert des Hanse-Ensembles öffneten sich gestern die Pforten des Paradieses, der alten Eingangshalle des Domes. Foto: TD

Zum Konzert des Hanse-Ensembles öffneten sich gestern die Pforten des Paradieses, der alten Eingangshalle des Domes. Foto: TD


Text-Nummer: 140813   Autor: TD   vom 30.09.2020 um 10.40 Uhr

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