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Spielvorschau: VfB will gegen Zebras punkten

Lübeck: Mit dem MSV Duisburg gastiert am Samstag (14 Uhr) ein Bundesliga-Urgestein an der mit 1.860 Zuschauern ausverkauften Lohmühle. 28 Jahre in der Eliteklasse, 22 Jahre in der 2. Bundesliga – die Zeiten in der Drittklassigkeit sind für die "Zebras" in den vergangenen Jahrzehnten die absoluten Ausnahmen gewesen. Im Sommer scheiterte der MSV nur knapp am direkten Wiederaufstieg in die Zweitklassigkeit.

"Wo Meiderich liegt, wo Meiderich siegt, ist überall bekannt" – so heißt es im Stadion-Klassiker "Zebra-Twist", der noch heute vor jedem Heimspiel in der MSV-Arena gespielt wird. Doch so richtig wussten die Fußball-Fans in Deutschland erst mit Bundesliga-Gründung 1963, wo denn dieser Meidericher Spielverein – damals noch ohne den Zusatz Duisburg – wirklich beheimatet ist. Zwar schon 1902 gegründet, blieb der Verein im Westen bis zum Zweiten Weltkrieg eher eine "kleine Nummer" im Fußball-Westen. Der Aufschwung begannn 1951 mit dem Aufstieg in die Oberliga West und so richtig mit der Qualifikation für die Bundesliga 1963. Der spätere Weltenbummler Rudi Gutendorf hatte in Duisburg mit einer defensiven Spielweise Erfolg und etablierte sich selbst als "Riegel-Rudi" und Meiderich auf der Bundesliga-Landkarte. Mit Top-Star Helmut Rahn wurde der MSV im ersten Bundesliga-Jahr sensationell Vizemeister.

In den Folgejahren war der MSV in der Bundesliga zwar eher eine graue Maus, erreichte aber 1979 sogar einmal das UEFA-Cup-Habfinale. Doch mit ehrlicher Arbeit wurde im Wedaustadion bis 1982 erfolgreich der Abstieg vermieden. Sogar den Kapitän der deutschen Nationalmannschaft stellte der Verein zeitweise – Bernard Dietz war die MSV-Ikone der 1970er- und 1980er Jahre und führte die DFB-Europameister von 1980 an.

Mit dem erstmaligen Abstieg 1982 begann eine Achterbahnfahrt, die den Verein 1986 erstmals in die drittklassige Oberliga Nordrhein hinunterspülte. Genauso schnell ging es aber wieder aufwärts: 1991 war der MSV wieder erstklassig und verbrachte den Großteil der 1990er-Jahre in der Bundesliga. Die letzte Erstliga-Saison war 2007.08, das vierte DFB-Pokal-Finale 2011 war ein letztes Highlight auf ganz großer Bühne.

In den üblichen Umfragen vor Saisonbeginn galt der Gast als Mitfavorit auf den Aufstieg. Dem MSV Duisburg wurde von den Trainern der Konkurrenz mit am meisten zugetraut – nur auf Zweitliga-Absteiger Dynamo Dresden tippten noch mehr Trainer bei der Frage nach den Aufsteigern am Saisonende. In der vergangenen Saison hatte der MSV, 2019 aus der 2. Bundesliga abgestiegen, die Rückkehr ins Bundesliga-Unterhaus nur knapp verpasst. Vom 14. bis zum 32. Spieltag lagen die "Zebras" ganz vorn, um letztlich in der Schlussphase der Saison noch auf Platz fünf abzurutschen. Um einen Punkt wurde die Relegation, um zwei Zähler der direkte Aufstieg verpasst.

Im Gegensatz zur sonstigen Hire-and-fire-Mentalität im Geschäft hielt der Verein um Sportchef Ivica Grlic an Trainer Torsten Lieberknecht, zehn Jahre lang überwiegend sehr erfolgreich bei Eintracht Braunschweig tätig, seit Oktober 2018 beim MSV im Amt, trotz des verpassten Saisonziels weiterhin fest. Im Kader fand nur ein kleinerer Umbruch statt.

Weh tat der Verlust von Offensiv-Talent Lukas Daschner, den es zum Zweitligisten FC St. Pauli zog. Der Abgang spülte aber immerhin noch 350.000 Euro Ablöse in die chronisch leere Vereinskasse. Auch Yassin Ben Balla (Eintracht Braunschweig) zog es in die 2. Bundesliga. Für Stürmer Petar Sliskovic zahlte Drittliga-Aufsteiger Türkgücü München zudem noch eine sechsstellige Ablöse. Abgegeben wurden zudem die Innenverteidiger Lukas Boeder (Halle) und Matthias Rahn (Cottbus) sowie Defensiv-Allrounder Tim Albutat (Uerdingen).

Unter den Neuzugängen ragen mit Rechtsverteidiger Maximilian Sauer (SpVgg Greuther Fürth, zuvor Eintracht Braunschweig) und Innenverteidiger Dominik Schmidt (Holstein Kiel) zwei etablierte Zweitliga-Akteure heraus, die sich erwartungsgemäß auch sofort einen Stammplatz sicherten. Mit Sechser Wilson Kamavuaka, der vor seiner Zeit beim polnischen Erstligisten Tychy in Darmstadt, Nürnberg und Regensburg spielte, Stürmer Orhan Ademi (Eintracht Braunschweig), Verteidiger Dominic Volkmer (Carl Zeiss Jena, zuvor Jahn Regensburg) und Mittelfeldspieler Mirnes Pepic (Hansa Rostock, zuvor Erzgebirge Aue) bringen auch weitere Neue Zweitliga-Erfahrung mit. Weiterhin im Team des MSV steht mit Vincent Vermeij einer der treffsichersten Drittliga-Stürmer der vergangenen Saison. Der 1,96 Meter große Mittelstürmer, der bis 2019 für Heracles Almelo spielte, erzielte in der abgelaufenen Spielzeit 14 Tore für den MSV. Der ehemalige niederländische U21-Nationalspieler blieb trotz Anfragen anderer Vereine an der Wedau.

Verzichten müssen die Duisburger allerdings auf ihren vielleicht prominentesten Spieler. Der aus der MSV-Jugend hervorgegangene Kapitän Moritz Stoppelkamp, der rund 300 Spiele in der 1. und 2. Bundesliga bestritt (Paderborn, Hannover, 1860, Karlsruhe), fällt nach einer Infektion mit dem Pfeifferschen Drüsenfieber noch längere Zeit aus. In Lübeck fehlen wird ebenfalls Ahmet Engin, der sich am vergangenen Wochenende einen Muskelfaserriss zuzog.

Der Saisonstart der Duisburger verlief enttäuschend. Zum Auftakt bei Hansa Rostock brachte Außenstürmer Lukas Scepanik den MSV zwar in Führung. Doch nach der Pause schlug der FC Hansa zurück und gewann die Partie noch mit 3:1. Und auch der Heimauftakt am vergangenen Samstag gelang dem Team vom Niederrhein nicht wie erhofft. Gegen den FSV Zwickau, von den meisten Experten eher als Abstiegskandidat eingestuft, gab es vor 3.462 Zuschauern in der MSV-Arena nur einen Punkt. Der eingewechselte Leroy-Jacques Mickels sicherte diesen Zähler mit seinem Tor zum 1:1 erst eine Viertelstunde vor Schluss. Damit stehen die blau-weißen "Zebras" in der Tabelle als 15. aktuell noch um ein Tor schlechter da als der VfB (14.) und aufgrund der höheren Erwartungshaltung hier in Lübeck bereits unter Druck.

Insgesamt gab es in der Historie zwölf Vergleiche zwischen dem VfB und dem MSV (sechs Punkt-, vier Pokal- und zwei Freundschaftsspiele), wobei die Bilanz die Duisburger schon zu einem VfB-Angstgegner macht. Bislang gab es nur einen Sieg (2:1 in der Zweitliga-Saison 1995/96), aber schon neun Niederlagen, wobei neben der im Pokal 2010 (0:2) nur die in den beiden freundschaftlichen Vergleichen (1947 und 2017 jeweils 0:3) höher als mit einem Tor Differenz ausfiel und die weiteren drei Pokal-Niederlagen erst nach Verlängerung oder Elfmeterschießen zustande kamen. Positiv für den VfB: Daheim haben die Grün-Weißen keines der bislang drei Punktspiele auf der Lohmühle verloren.

Mit dem MSV Duisburg kommt ein Bundesliga-Urgestein an die Lohmühle.

Mit dem MSV Duisburg kommt ein Bundesliga-Urgestein an die Lohmühle.


Text-Nummer: 140871   Autor: VfB lübeck/Red.   vom 02.10.2020 um 10.59 Uhr

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