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Sana Kliniken Lübeck: Ethikkomitee als interdisziplinäres Expertengremium

Lübeck: Bereits seit 2007 berät an den Sana Kliniken Lübeck ein Ethikkomitee als interdisziplinäres Expertengremium Patienten, Angehörige und Mitarbeiter in allen medizin-ethischen Fragestellungen.

Herr S. (82 Jahre alt) leidet seit mehreren Jahren an Demenz und wird in einem Pflegeheim versorgt. Sehr geschwächt und nicht mehr mobil kam er mit einer Lungenentzündung in die Sana Kliniken Lübeck. Durch die Therapie heilte die Lungenentzündung aus, aber der Gesamtzustand des Patienten verbesserte sich nicht. Das Einnehmen der Mahlzeiten, was schon im Pflegeheim schwerfiel, verschlechterte sich im Krankenhaus zunehmend. Die Ehefrau des Patienten war im Rahmen einer Vorsorgevollmacht befugt, für den Patienten zu entscheiden. Sie wünschte sich eine Ernährungssonde durch die Bauchdecke in den Magen (sog. PEG), da sie sonst ein Verhungern befürchtete. Die Tochter von Herrn S. hatte ebenfalls eine Vorsorgevollmacht für ihren Vater. Sie lehnte die Ernährungssonde aber ab, weil ihr Vater in einer bereits 15 Jahre alten Patientenverfügung festgelegt hatte, dass innerhalb eines möglichen Sterbeprozesses keine künstliche Ernährung durchgeführt werden sollte. Herr S. selbst war nicht imstande eine Entscheidung für oder gegen eine PEG zu treffen. Welche Entscheidung ist nun richtig und vor allem im Sinne des Patienten?

Diese häufige und für Angehörige und behandelnde Ärzte sowie Pfleger gleichermaßen schwierige ethische Fragestellung ist eine von vielen, denen das Klinische Ethikkomitee an den Sana Kliniken Lübeck begegnet. Speziell geschulte Mitglieder verschiedener Berufsgruppen des Krankenhauses sowie ein externer juristischer Berater und eine Seelsorgerin bieten für diese Fälle die Möglichkeit einer ethischen Fallbesprechung an. "Für uns an den Sana Kliniken Lübeck ist es wichtig, dass wir in unserem Krankenhaus die vier medizinethischen Prinzipien Wohltun, Nichtschaden, Respektierung der Autonomie und Gerechtigkeit umsetzen und fördern. Das Empfinden und Wahrnehmen von ethischen Problemen darf und sollte aus- und angesprochen werden können", erläutert Dr. Merwe Carstens, Chefärztin der Klinik für Hämatologie, internistische Onkologie und Palliativmedizin, warum das Angebot für ethische Fallbesprechungen oder Konsile an den Sana Kliniken Lübeck sehr niederschwellig ist.

"Alle Patienten und Angehörigen können sich ebenso wie Mitarbeiter an uns wenden und wir überlegen dann gemeinsam, ob schon durch ein Beratungsgespräch und Fragen eine Lösung herbeigeführt werden kann oder ob wir es mit dem Ethikkomitee in einer Fallbesprechung anschauen", so Dr. Carstens, die Vorsitzende des Klinischen Ethikkomitees ist, weiter. Auch anonyme Meldungen seien jederzeit möglich. Auch im Falle des 82-jährigen Herrn S. konnte eine ethische Fallbesprechung helfen, an der neben den Mitgliedern des klinischen Ethikkomitees die Kinder des Patienten, seine Ehefrau, der langjährige Hausarzt, eine Bekannte der Ehefrau, die als Pflegekraft in dem Seniorenheim arbeitete, in dem der Patient lebte, teilnahmen. Im gemeinsamen Konsens entschieden die Beteiligten, dass die Anlage einer PEG nicht im Sinne des sich nicht im Sterbeprozess befindlichen Patienten sei – die Patientenverfügung war hier demnach nicht zutreffend - und vereinbarten andere Schritte zu dessen weiterer Begleitung. Insbesondere die Ehefrau des Herrn S. fühlte sich sehr entlastet. Hätte sie von der Möglichkeit einer ethischen Fallbesprechung gewusst, hätte sie sie früher genutzt, sich nicht so lange grämen müssen und hilflos gefühlt.

"Ethische Fragestellungen nehmen in der Medizin immer mehr zu und betreffen längst nicht nur die Bereiche der Intensiv- und Palliativmedizin. Vielmehr erreichen das Klinische Ethikkomitee Anfragen aus allen anderen medizinischen Bereichen", berichtet PD Dr. med. Bahr, ärztlicher Direktor und ebenfalls Mitglied im Klinischen Ethikkomitee. Insbesondere während des Corona-Lockdowns sei es auch vermehrt aus den Kreisen der eigenen Kollegen zu ethischen Fragestellungen und Belastungen – nicht nur im Zusammenhang der dienstlichen sondern auch häufig der privaten Situationen gekommen. Zügig wurde hier durch das Klinische Ethikkomitee das regelmäßige Angebot einer Beratung mittels Telefonsprechstunde und auch persönlichem Gesprächsangebot durch die internen Psychologinnen und die Krankenhausseelsorge organisiert, um hier für Linderung der psychischen Nöte der Corona-Situation zu sorgen.

"Wir verstehen uns bereits seit 2007 als starker ethischer Partner für die Lübecker und unterstützen mit all unserem Wissen bei Entscheidungen, die die Patienten nicht mehr selber treffen können. Sehr froh sind wir auch darüber, dass das so wichtige Thema Ethik im gesamten Sana-Konzern fest verankert ist", sind sich Dr. Carstens und PD Dr. Bahr einig.

Veranstaltungshinweis: Im Rahmen der diesjährigen Hospiz- und Palliativwoche können sich Interessierte über die Arbeit des Klinischen Ethikkomitees an den Sana Kliniken Lübeck Informieren. Experten des Teams stehen im Rahmen einer Telefonhotline am 10. Oktober 2020 von 13 bis 15 Uhr für alle Fragen rund um Ethik zur Verfügung. Details sind auf folgender Homepage zu finden: www.palliativwoche.de/programm2020

Von links: Liane Beyer (stv. Vorsitzende), PD Dr. Dr. Matthias J. Bahr (Ärztlicher Direktor) und Dr. Merwe Carstens (Vorsitzende) – hier stellvertretend für das gesamte Ethik-Komitee - beraten allen medizin-ethischen Fragestellungen. Bild: Sana K. L.

Von links: Liane Beyer (stv. Vorsitzende), PD Dr. Dr. Matthias J. Bahr (Ärztlicher Direktor) und Dr. Merwe Carstens (Vorsitzende) – hier stellvertretend für das gesamte Ethik-Komitee - beraten allen medizin-ethischen Fragestellungen. Bild: Sana K. L.


Text-Nummer: 140915   Autor: Sana Kliniken/Red.   vom 05.10.2020 um 09.29 Uhr

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