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VfB reist zum Geisterspiel nach Münschen

Lübeck: Zum zweiten Mal binnen kurzer Zeit besteigt die VfB Mannschaft am Freitagabend den Lübeck-Air-Flieger nach München. Nach dem 0:1 bei der SpVgg Unterhaching wollen die Burschen von Trainer Rolf Landerl am Samstag um 14 Uhr beim TSV 1860 die ersten Auswärtszähler in der 3. Liga einfahren. Zuschauer sind nicht zugelassen.

Der VfB betritt im Städtischen Stadion an der Grünwalder Straße Neuland. Noch nie in der 101-jährigen Vereinsgeschichte waren der VfB Lübeck in der traditionsreichen Spielstätte im Stadtteil Untergiesing zu Gast – nun gleich zweimal binnen zehn Tagen, denn auch das Gastspiel bei Aufsteiger Türkgücü München am Dienstag, 20. Oktober, um 19 Uhr wird dort stattfinden.

Duelle mit den „Löwen“ sind hingegen nichts Neues. Mit dem TSV 1860 München gab es immerhin schon zwei Vergleiche im DFB-Pokal, die beide auf der Lohmühle stattfanden. Am 27. Januar 1968 gewannen die Münchener als Bundesligist in Lübeck mit 1:0. Am 10. September 2006 siegte der VfB durch ein Tor von Dustin Heun mit 1:0 gegen den Zweitligisten 1860.

Die „Sechzger“ haben eine bewegte Geschichte. Die 1899 gegründete Fußball-Abteilung des Vereins gehörte schon vor dem Zweiten Weltkrieg zu den führenden Kräften im Reich, stand 1931 im Endspiel um die Deutsche Meisterschaft (2:3 gegen Hertha BSC) und wurde 1942 DFB-Pokalsieger (2:0 gegen Schalke 04).

Nach Kriegsende gehörte der Verein durchgehend der Oberliga Süd an, erreichte aber nur einmal auch die Endrunde um die Deutsche Meisterschaft (1948, Aus gegen den 1. FC Kaiserslautern). Unter Trainer Max Merkel qualifizierte sich das Team 1963 als Oberliga-Meister auf den letzten Drücker für die neu gegründete Bundesliga und etablierte sich. Auf den DFB-Pokalsieg 1964 (2:0 gegen Eintracht Frankfurt) folgte das Europapokal-Finale 1965 (0:2 gegen West Ham United) und der Gewinn der Deutschen Meisterschaft 1966. Mit dem Abstieg 1970 begann eine Achterbahnfahrt, die den Verein nach einem Lizenzentzug 1982 für insgesamt elf Jahre in die drittklassige Bayernliga brachten.

Eine Renaissance erlebte 1860 in den 1990er-Jahren unter Präsident Karl-Heinz Wildmoser und Trainer Werner Lorant, als die „Blauen“ den direkten Durchmarsch von der Bayern- in die Bundesliga schafften und zehn Jahre dort blieben (Höhepunkt war Platz 4 im Jahr 2000). Nach dem Abstieg 2004 waren die „Löwen“ jahrelang im Mittelmaß der Zweitklassigkeit zu Hause. Mit dem Einstieg des umstrittenen Investors Hasan Ismaik ging es nicht wie erhofft bergauf. 2017 stieg 1860 ab und wurde wegen der Lizenzverweigerung bis in die Regionalliga durchgereicht. 2018 folgte der Aufstieg in die 3. Liga.

Der Traditionsverein 1860, der in der Vor-Corona-Zeit das Stadion mit seinen offiziell noch rund 15.000 Plätzen auch in der 3. Liga stets ausverkauft hatte, gehört heute zu den ambitionierten Teams in der Liga. Zwar hatten auch die „Löwen“ vor Saisonbeginn zunächst finanzielle Abstriche zu machen. Doch Anfang September verständigten sich der Verein und die Gesellschafter doch noch, die Ausgaben für Spielergehälter um eine Million Euro höher als geplant anzusetzen.

So kamen mit Innenverteidiger Stephan Salger (Arminia Bielefeld), Mittelfeldspieler Richard Neudecker (VV Venlo, früher FC St. Pauli) und Stürmer Marin Pusic vom österreichischen Bundesligisten SV Mattersburg noch kurz vor und kurz nach Saisonbeginn drei hochkarätige Verstärkungen zum Team von Trainer Michael Köllner. Der Coach, zuvor beim 1. FC Nürnberg tätig, hatte 1860 in der Vorsaison nach einem schwachen Start übernommen und noch fast in Richtung der Zweitliga-Aufstiegsplätze geführt, ehe der Anschluss nach der Corona-Pause verloren ging und die Sechziger am Ende Rang acht belegten.

Kapitän und prägende Figur im Team der „Löwen“ ist weiterhin der wuchtige Mittelstürmer Sascha Mölders. Der inzwischen 35-Jährige bestritt über 100 Bundesliga-Spiele für Duisburg und Augsburg, führt die „Löwen“ schon seit Zweitliga-Zeiten an und machte auch den Zwangsabstieg in die Regionalliga Bayern in der Saison 2017/18 mit.

An der Grünwalder Straße sollten am Samstag eigentlich erstmals wieder Zuschauer erlaubt sein. 1.500 der 10.166 Dauerkartenbesitzer des TSV 1860 sollten die Partie im Stadion miterleben. Doch daraus wird nichts. Am Freitag zogen die Behörden der Stadt München die Genehmigung für eine Austragung mit Zuschauern aufgrund steigender Infektionszahlen in München (im Schnitt derzeit viermal höher als in Lübeck) zurück. Die Partie muss somit als Geisterspiel stattfinden. Gäste-Anhänger sind aufgrund der bundesweit gültigen Bestimmungen ohnehin weiterhin nicht zugelassen.

Beim Spiel des VfB Lübeck gegen TSV 1860 sind keine Zuschauer zugelassen.

Beim Spiel des VfB Lübeck gegen TSV 1860 sind keine Zuschauer zugelassen.


Text-Nummer: 141007   Autor: VfB/red.   vom 09.10.2020 um 13.12 Uhr

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