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Tolomeo: Große Oper unter Pandemie-Bedingungen

Lübeck: Große Oper unter Corona-Bedingungen auf die Bühne zu bringen – das scheint die Quadratur des Kreises oder schlichtweg unmöglich. Dass es funktionieren kann, wenn auch mit einigen Strichen in der Partitur, beweist am Theater Lübeck Meisterregisseur Anthony Pilavachi mit Georg Friedrich Händels Oper "Tolomeo". Bei der "Premiere plus" am gestrigen Sonntag gab es Szenenapplaus und stürmische Zustimmung am Schluss.

Georg Friedrich Händel hat sich im ersten Drittel des 18. Jahrhunderts in London als Opernintendant betätigt. Er konnte Erfolge feiern, musste aber auch Niederlagen verkraften. Ständig fehlte Geld, auch wenn es für seine Spielstätte, das Königliche Theater am Haymarket im Herzen des Westends gelegentlich Unterstützung vom Hof gab.

Händel verzichtet in der Oper "Tolomeo" auf große Bühnenspektakel, was der Inszenierung jetzt entgegenkam. Da donnert zwar ein schweres Gewitter. Aber die fünf Personen sind quasi in ein Zimmer gesperrt. Im Bühnenbild von Tatjana Ivschina ist die Spielfläche ein See. Die Akteure waten und planschen ständig im Wasser. Wie Inseln stehen für die Darsteller Tische im Meer.

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Dass dazwischen jeweils sechs Meter Abstand sind, nimmt man zur Kenntnis. Die Distanzen verschwinden jedoch im engagierten Spiel. Dem Regisseur gelingt es, selbst ein auf Abstand gesungenes Liebesduett oder einen Tanz so darzustellen, dass man die Abstände vergisst. Zur Handlung gibt das Programmheft genügend Informationen. Die deutschen Übertitel helfen ebenfalls.

Der Originaltitel, nämlich "Tolomeo, König von Ägypten" zeigt, wohin die Reise geht. Allerdings sitzt Tolomeo nicht mehr auf dem Pharaonenthron am Nil, sondern auf Zypern. Flucht? Verbannung? Wer weiß. In Ägypten übt Kleopatra (nicht die von Cäsar oder Antonius) die Macht aus. Ihren Sohn Tolomeo hat sie vertrieben. Sie bevorzugt dessen jüngeren Bruder Alessandro als offiziellen Pharao.

Das Publikum findet die Brüder auf Zypern, dazu Tolomeos Braut Seleuce. Hinzu kommen Araspe, der König von Zypern und Elisa, dessen Schwester. Und dann geht es munter hin und her, mit Verkleidungen, Drohungen, Liebesschwüren. So ganz genau weiß man nie, was im Inneren der Figuren geschieht. Das sei jedoch die Situation vieler Menschen in Pandemie-Zeiten, findet Anthony Pilavachi. Halten die Freundschaften? Gilt Treue noch etwas? Ist jeder seine eigene Insel?

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Das Wichtigste einer Oper ist die Musik, und was hier geboten wird, löst Begeisterung aus. GMD Stefan Vladar gelingt es, die auf Abstand spielenden Musiker im Graben zum funkensprühenden Barockorchester zu verschmelzen. Die Sängerinnen und Sänger tragen das ihre zum Erfolg bei.

Bei den Damen hat Andrea Stadel die größten Anteile an Spiel und Gesang. Die vielen Arien, die Händel für die Rolle der Elisa geschrieben hat, nutzt sie prächtig. Die zweite Dame im Quintett auf der Bühne ist bei Evmorfia Metaxaki in guten Händen. Bei ihrer ersten Arie hat sie bereits 45 Minuten auf der Bühne gestanden, was den Einstieg erschwert. Trotzdem saß jeder Ton.

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Gleich zwei Countertenöre sind zu erleben. Meili Li singt die Titelpartie, kraftvoll, immer mit Wohlklang. Auch die bange Todessehnsucht im Schlussbild nimmt man ihm ab. Seinen Bruder Alessandro, von Händel als Altpartie gedacht, singt Aleksandar Timotic ausdrucksstark, wie es die Rolle verlangt. Bleibt Johan Hyunbong Choi, der als König von Zypern seinen Bass in Wutausbrüchen hervorragend einsetzen kann.

Zurzeit können unter den gegebenen Umständen nur etwa 200 Plätze im Großen Haus besetzt werden. Am Sonntagabend mussten etliche Interessenten an der Abendkasse den Satz hören: Wir sind leider ausverkauft. Man sollte sich also rechtzeitig um Karten bemühen. Die nächsten Aufführungen von "Tolomeo" sind am 29. Oktober und am 21. November.

Zurzeit können unter den gegebenen Umständen nur etwa 200 Plätze im Großen Haus besetzt werden. Fotos: Olaf Malzahn

Zurzeit können unter den gegebenen Umständen nur etwa 200 Plätze im Großen Haus besetzt werden. Fotos: Olaf Malzahn


Text-Nummer: 141039   Autor: TD   vom 12.10.2020 um 09.54 Uhr

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