Diese Seite verwendet Cookies für die Funktionalität und für anonymisierte Statistiken.
Stimmen Sie auch der Verwendung von Cookies durch Drittanbieter auf dieser Website für die Schaltung von personalsierter Werbung zu? Weitere Informationen
Sie können Ihre Zustimmung jederzeit auf der Seite Impressum / Datenschutz widerrufen.
Dort finden Sie auch weitere Informationen zu Cookies.
Grüne Lübeck
Grüne Lübeck

Frieden durch Glauben

Lübeck: Pastorin i.R. Ellen Naß geht in ihren Gedanken zum Wochenende der Frage nach, on angesichts der Attentate der vergangenen Tage Religionen verboten werden sollten. Sie verweist darauf, dass es Menschen und nicht Religionen sind, die solche Taten ausführen.

In der letzten Woche ist viel geschehen, so dass man gar nicht weiß, worüber man sich zuerst informieren, zuerst nachdenken soll. Da gab es die Verschärfung der Coronaregeln mit den steigenden Krankheitszahlen und Todesfällen. Es gab die Wahl in den USA, die ja auch für uns wichtig ist, mit dem tagelangen Auszählen der Stimmen und der Ungewissheit, wer denn nun siegt und was danach kommt

Es gab die islamistischen Attentate – auf den Lehrer in Frankreich, auf die Besucher einer Kirche in Nizza, auf Menschen in Wien. Unser aller Mitgefühl gilt den Opfern, es ist nicht zu ermessen, was die Angehörigen der Ermordeten und die Verwundeten zu leiden haben.

Natürlich wird auch diskutiert, ob und wie man solche brutalen Morde verhindern könnte. Ich gehe manchmal auf die Kommentarspalten einiger Onlinezeitungen, dort wurde das heftig diskutiert. Immer wieder vertrat jemand dabei die Meinung: Einfach ALLE Religionen abschaffen und verbieten, sie seien die Wurzel allen Übels.

Das mag logisch klingen. Natürlich haben auch wir Christen Schuld auf uns geladen – es gab viele Religionskriege, die Kreuzzüge, Hexenverbrennung – aber in diesem Fall war es doch eine einzige Religion, deren fanatische Anhänger die Attentate verübt haben. Andere Religionen – die dann ja auch mit verboten werden müssten -, wie das Christentum, der Buddhismus, Hinduismus, Judentum, auch große Teile des Islams, Naturreligionen und andere – haben damit erst einmal überhaupt nichts zu tun.

Außerdem wundern mich solche Äußerungen auch, denn die Versuche der Menschheit, ohne Religion auszukommen, waren auch nicht besser. Die französische Revolution endete in einem Blutbad und mit einem Eroberungskrieg durch ganz Europa, die atheistischen Kommunisten in der Sowjetunion und China waren auch nicht menschenfreundlich, sondern haben Millionen Menschen auf dem Gewissen.

Menschen mit solchen Meinungen möchte ich immer zurufen: „Es ist nicht die Religion, es ist der Mensch!“ Wir Menschen sind einfach so. Wenn wir für Untaten eine Entschuldigung brauchen, dann finden wir eine, egal ob in der Religion, der Weltanschauung oder dem Charakter des Opfers.

Die Bibel ist da sehr realistisch, das ist ein Grund, warum ich sie so schätze. „Das Dichten und Trachten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf“, so sagt Gott schon in den mythischen Zeiten nach der Sintflut. (1. Mose 8,21) „Es ist hier kein Unterschied, sie sind allzumal Sünder“ (Römer 3,23) schreibt Paulus im Neuen Testament. Das ist realistisch, darin findet sich der Grund, warum alle Religionen, Weltanschauungen und Philosophien für Untaten missbraucht werden können und missbraucht werden.

Zum Glück endet das Menschenbild der Bibel nicht mit dieser pessimistischen Aussage. Denn trotzdem gilt: Gott liebt uns, vergibt uns, weil er um unsere Schwachheit weiß – Er gibt uns immer wieder die Möglichkeit, uns zu bemühen, gut zu handeln. Wenn ich um meine eigenen Fehler weiß, dann sehe ich die Fehler anderer weniger kritisch, bin eher bereit zu verzeihen. Nur wenn ich meine schwachen Seiten kenne, kann ich daran arbeiten, sie zu verbessern, zu überkommen. Menschen, die sich für perfekt halten, können und tun das nicht.

So muss man nicht alle Religionen verbieten, sondern deutlich machen, dass wir alle fehlbare Menschen sind, mit Stärken und Schwächen, dass wir einander Freiheit lassen müssen, so zu sein, wie wir sind. Wir müssen aufstehen und verhindern, dass Glauben missbraucht wird als Entschuldigung für unmenschliche – und unchristliche – Taten.

Alles andere führt wirklich ins Unheil. Das Wissen, dass wir alle Gottes geliebte Kinder sind, trotz aller Unterschiede, bringt Frieden. Als Christen sollten wir danach handeln und uns dafür einsetzen.

Ellen Naß veröffentlicht die Gedanken zum Wochenende im Wechsel mit Heinz Rußmann.

Ellen Naß veröffentlicht die Gedanken zum Wochenende im Wechsel mit Heinz Rußmann.


Text-Nummer: 141567   Autor: red.   vom 07.11.2020 um 09.07 Uhr

Text teilen: auf facebook +++ auf Twitter +++ über WhatsApp

Text ausdrucken. +++  Text ohne Bilder ausdrucken.