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Nordische Filmtage: Ohne Not geht niemand zu den Fischen

Lübeck: Zum dritten Mal greift die Retrospektive der Nordischen Filmtage Lübeck das Thema Fischerei auf. „Fishermen's Films“ heißt die Reihe. Die meisten Beiträge sind online zu sehen. Auffallend ist, dass neben deutschen Produktionen Filmemacher aus Island sowie aus den baltischen Staaten besonders aktiv waren.

Als Lübecker hätte man einen Film besonders gern gesehen, einen Film von Regisseur Serap Berrakkarasu mit türkischem und deutschem Titel: „Ekmek Parasi – Geld fürs Brot“. Die Arbeiterinnen der Hawesta-Fischfabrik in Schlutup berichten aus ihrem Leben. Den Film gibt es nicht online.

Ein ähnliches Thema behandelt der Film „Heringe vom laufenden Band“. Hier beschreiben Arbeiterinnen ihren mühsamen, schmutzigen und „anrüchigen“ Job bei der Fischverarbeitung. Das geschah zunächst rein per Hand. Eine Änderung brachte die Erfindung einer Heringsköpf- und Entgrätungsmaschine der Firma Baader in Lübeck. Sie wurde auch in Hamburg eingesetzt. Ein Exemplar der „Baader 33“ ist für den 30-Minuten-Film von Leslie Franke wieder flott gemacht worden.

Ingenieure und der Betriebsleiter erklären die Funktion der Maschine, die insbesondere in den 1950/60er Jahren eingesetzt wurde. Seit den Sechzigern waren am „Fisch-Fließband“ sogenannte Gastarbeiterinnen tätig. Sie schuften im Akkord über Jahrzehnte, um mit dem Verdienst einigermaßen über die Runden zu kommen. Die Folge sind ständige Rückenschmerzen, brennende übermüdete Beine. Gekoppelt ist der Film im online-Streamingdienst mit „Skagerrak“ von Werner Lebert. Er zeigt den harten Alltag der Männer auf dem Cuxhavener Trawler „J. Von Cölln“. Auch hier muss die Besatzung den gefangenen Fisch selber verarbeiten, um ihn auf Eis ein paar Tage haltbar zu machen.

Spielfilmqualitäten hat ein Streifen aus Island. „Ingalo im grünen Meer“ zeigt eine junge Frau, die sich in der rauen Welt des Fischfangs behauptet und später ihre Kollegen zu Protest und Streik anstachelt. Einen kaum bekannten Aspekt zeigt ein weiterer Film aus Island,„Wetterwechsel“. Die Fischer eines Dorfes verkaufen ihre Fangrechte. Das schnelle Geld zahlt sich nicht aus.

Estland steuert gleich drei online erlebbare Filme zur Reihe bei, sehenswert in jedem Falle: „Das raue Meer“, „Riffe unter Wasser“ sowie „Männer aus dem Fischerdorf“. Litauen ist meiner Literaturverfilmung dabei. „Eine Frau und ihre vier Männer“ heißt die Geschichte nach einer Erzählung des dänischen Malers Holger Drachmann (1846-1908), ein nimmer endender Kampf mit der Natur und den Mächten des Schicksals.

Bei einem Interview mit der künstlerischen Leiterin Linde Fröhlich mit Ausschnitten aus der Reihe im NDR-Fernsehen wird ein Ostseefischer, der seinen kleinen Fang vom Boot aus verkauft, mit der Erkenntnis zitiert: „Der größte Fischereihafen Deutschlands ist Frankfurt am Main; dort werden die Fische aus aller Welt eingeflogen.“ Auch ein Gedanke, an den man sich an der Ostseeküste erst einmal gewöhnen muss.

Fische vom laufenden Band. Foto: Kernfilm Nord

Fische vom laufenden Band. Foto: Kernfilm Nord


Text-Nummer: 141577   Autor: TD   vom 07.11.2020 um 12.02 Uhr

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