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ADFC: Verkehrswende rückwärts

Lübeck: Als "Verkehrswende rückwärts" bezeichnet der ADFC den Bau einer Lärmschutzwand auf dem Radweg der Wakenitzbrücke (wir berichteten am Mittwoch). Die Maßnahme sein beim "Runden Tisch Fahrradverkehr" mit der Stadtverwaltung nicht abgesprochen worden.

Wir veröffentlichen die Mitteilung des ADFC leicht gekürzt im Wortlaut:

(")Nein, es war kein Scherz der besonderen Art anlässlich des Beginns der Karnevalszeit am 11.11. Ein Pressebericht mit Beweisfotos informiert darüber, dass auf der Nordseite der Wakenitzbrücke eine Lärmschutzmauer errichtet werden soll – und zwar mitten auf dem gerade grunderneuerten, noch unbenutzten Radweg. Abschließend wird die Stadtsprecherin mit der Anmerkung zitiert, die künftige Regelung des Geh- und Radverkehrs könne erst nach Fertigstellung der Mauer geprüft und entschieden werden. Besser lässt sich die Planlosigkeit des Verfahrens nicht beschreiben; schon aus dem Pressefoto lässt sich aber unschwer ablesen, dass die anrechenbare Breite des verbleibenden Radweges weniger als einen Meter betragen würde. Das wiederum liegt weit unterhalb der zulässigen Mindestbreiten. In westlicher Fahrtrichtung stehen danach zwar vier Fahrstreifen (zwei geradeaus, zwei Abbieger) für den Kfz-Verkehr zur Verfügung, aber kein Radweg. Aus Sicht des ADFC ist dies indiskutabel, und damit setzt sich die lange Reihe von Fehlplanungen zulasten des Radverkehrs bei Brückenbauten nahtlos fort.

Der Runde Tisch Radverkehr wurde in Lübeck eigens eingerichtet, um die Planung neuer Anlagen und wesentlicher Eingriffe in bestehende Anlagen für den Radverkehr vor der Genehmigung durch Bauausschuss oder Bürgerschaft zu überprüfen. Auf der letzten Sitzung des Runden Tisches am 15. September waren Vertreter der Abteilung Brückenbau anwesend und erwähnten dort diese Maßnahme mit keinem Wort, erklärten aber gleichzeitig die Planungen der Bahnhofsbrücke als nicht mehr änderbar.

Natürlich ist es gut zu verstehen, dass die Bewohner des neuen Viertels um die Wasserkunst vor dem Autolärm geschützt werden wollen. Eine deutliche Behinderung des Rad- und Fußgängerverkehrs auf der Wakenitzbrücke löst das Lärmproblem aber nicht, sondern erzeugt zusätzlichen Lärm für alle anderen Bewohnerinnen und Bewohner der Stadt. Sie steigert das Unfallrisiko für Fußgänger und Radfahrer, verursacht zusätzliche Kosten für den Einzelnen und die Allgemeinheit, erhöht das Staurisiko, verschlechtert die Gesundheit derjenigen, die notgedrungen aufs Auto umsteigen, und steht in krassem Widerspruch zu den selbst auferlegten Klimaverpflichtungen der Stadt.

Eine Verkehrswende hin zum Umweltverbund aus öffentlichem und nicht motorisiertem Verkehr ist zwingende Voraussetzung für eine erfolgreiche Begrenzung des Klimawandels. Weitere Verschlechterungen der ohnehin vernachlässigten Fahrradinfrastruktur sind deshalb verantwortungslos und nicht zu akzeptieren. Bauausschuss, Bausenatorin, und Bürgerschaft sind aufgefordert, auch bei Maßnahmen an vorhandenen Straßen und Wegen zumindest die Anwendung der geltenden technischen Leitlinien für Radverkehrsanlagen durchzusetzen. Nur wenn ihnen dies gelingt, kann ihnen Zukunftsfähigkeit attestiert werden.(")

Der Bau der Lärmschutzwand auf dem Radweg wurde mit dem Runden Tisch Radverkehr in Lübeck nicht abgesprochen. Foto: STE

Der Bau der Lärmschutzwand auf dem Radweg wurde mit dem Runden Tisch Radverkehr in Lübeck nicht abgesprochen. Foto: STE


Text-Nummer: 141670   Autor: ADFC/red.   vom 12.11.2020 um 13.30 Uhr

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