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Gedanken zum Buß- und Bettag

Lübeck: Am Mittwoch ist für evangelische Christen Buß- und Bettag. Pastorin i.R. Ellen Naß erinnert an diesen Feiertag und seine Bedeutung.

Heute ist/ wäre Buß- und Bettag. Außerhalb der evangelischen Kirchen erinnert sich kaum noch jemand an diesen Feiertag, der 1995 zur Finanzierung der Pflegeversicherung abgeschafft wurde, das ist ja auch immerhin schon 25 Jahre her. Heute hat nur Sachsen diesen Feiertag noch. Ich habe meine Examenspredigt im 2. theologischen Examen am Buß- und Bettag gehalten, seitdem war mir dieser Tag sehr ans Herz gewachsen.

Es war ein Feiertag der evangelischen Kirche, der auf Notzeiten zurückgeht. Ursprünglich war es kein fester Termin, sondern wurde - sozusagen bei Bedarf – angesetzt. In diesem Jahr hätten sie in früheren Zeiten wahrscheinlich mehrmals solch einen Tag angesetzt, wegen Corona. Erst am Ende des 19. Jahrhunderts, also vor ca. 150 Jahren, wurde ein fester Tag bestimmt, immer der Mittwoch zwischen Volkstrauertag und Ewigkeitssonntag, also heute.

Es war eigentlich folgerichtig, dass ausgerechnet dieser freie Tag abgeschafft wurde. In Süddeutschland hieß er spöttisch „Putz- und Fegtag“, weil Hausfrauen vor der Adventszeit Zeit hatten, gründlich sauberzumachen, im Norden Schleswig-Holsteins fuhren viele nach Dänemark, um Weihnachtseinkäufe zu machen.

Buße kennen wir hauptsächlich vom Bußgeld, das man bei Verkehrsverstößen zahlen muss, oder von Drohungen: „Das sollst du mir büßen!“ Beides ist nicht sehr angenehm.

Dabei hatte das Wort „Buße“ ursprünglich eine ganz andere Bedeutung. Im Alten Testament ist das Wort für Buße „Umkehr“. „Kehrt um von euren falschen Wegen“ konnte also zweierlei bedeuten: Ihr habt euch verirrt, fragt nach dem Weg und ändert die Richtung, sonst kommt ihr nicht da an, wo ihr hinwollt, oder es kann bedeuten: Tut Buße.

Buße war erst einmal Umkehr. Wir gehen in unserem Leben viele Wege, stehen oft vor der Entscheidung, welchen Weg wir gehen sollen. Wege schließen einander aus, wenn ich eine(n) PartnerIn habe, kann ich meistens keinen 2. haben, wenn ich einen Beruf habe, ist es schwer, noch einen 2. zu haben. Je nachdem, wie und was oder wen ich gewählt habe, gehe ich meinen Lebensweg.

Buße zu tun heißt, immer wieder Bilanz zu ziehen, ob dieser Lebensweg richtig und gut ist, ob das, was ich tue, denke und sage, richtig und gut ist. Dabei kann man oft sehen, dass vielleicht nicht alles, aber doch immer mal wieder etwas, nicht so ist, wie es sein sollte. Vielleicht stecke ich zu viel Energie in den Beruf oder die Freizeit, das Hobby, und vernachlässige meine Familie. Vielleicht habe ich Freunde, die nicht gut für mich und für andere sind. Vielleicht sehe ich Dinge auch schlichtweg falsch, nehme Gefahren für andere und für mich nicht ernst und verleugne sie.

So kann man nachdenken, und wenn man erkennt, dass der Weg falsch ist oder sogar eine Sackgasse, dann kann ich umkehren, einen neuen, einen richtigen Weg suchen. Dann hört vielleicht dieses leise Gefühl der Unzufriedenheit auf, das ich gespürt habe, ich finde wieder den Weg zu mir, den Weg zu Gott. Dann wird das Leben neu, und Gott gibt mir auch die Kraft, so neu anzufangen, Buße zu tun. Deshalb ist es gut, dass Bußtage „nach Bedarf“ aufgehört haben, denn niemand glaubt, dass Corona oder andere Unglücke mit unserer Schuld zu tun haben, obwohl es beim Thema Klimawandel schon sinnvoll wäre, über unser Verhalten und Umkehr nachzudenken.

Buße ist auch nicht einmalig im Jahr, wie es der Buß- und Bettag war, Buße muss man nicht nur in traurigen und trostlosen Zeiten begehen, es hat nichts mit Strafzetteln oder mit Rache zu tun.

Buße zu tun bedeutet, sein Leben, die Wege zu überdenken, möglicherweise neu zu sehen und umzukehren, anders zu handeln, wo es nötig ist. Buße, Umkehr, ermöglicht Leben, ermöglicht neue Wege zu gehen.

Pastorin i.R. Ellen Naß erinnert an die Bedeutung des Buß- und Bettages.

Pastorin i.R. Ellen Naß erinnert an die Bedeutung des Buß- und Bettages.


Text-Nummer: 141755   Autor: red.   vom 18.11.2020 um 09.07 Uhr

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