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Seemannsmission: 550-mal Weihnachtsfreude an Bord

Lübeck: Archiv - 01.12.2020, 13.56 Uhr: Die ehrenamtlichen und hauptamtlichen Mitarbeiter der Deutschen Seemannsmission in Lübeck haben 550 Weihnachtspäckchen für Seeleute gepackt. In der Adventszeit und Heiligabend verteilen sie die Geschenke auf den Schiffen im Lübecker Hafen. Besonders in diesem Jahr ist die Freude der Seeleute groß. Angesichts der Corona-Pandemie sind es schwierige Zeiten für sie.

Morgens um 10 Uhr am Seelandkai. Das RoRo-Schiff "Genca" der finnischen Reederei Transfennica hat hier festgemacht. 205 Meter Länge, 22 Mann Besatzung. Aus den Niederlanden, Estland, Russland und von den Philippinen. Es ist Kaffeepause. Ein Teil der Crew hat sich im Laderaum versammelt. Kapitän Jan Hoeck ist auch dabei. Sie winken, als sie Stationsleiterin Bärbel Reichelt von der Deutschen Seemannsmission in Lübeck entdecken - die Weihnachtsgeschenke in einer Kiste. 22 Stück. Für jeden Seemann eins. Sorgsam verpackt. Ein Lächeln huscht über die Gesichter der Crew. Jan Hoek fasst es in Worte: "Es ist so wichtig, dass ihr kommt. Dass ihr uns einen Dank schenkt in so schwierigen Zeiten."

Bild ergänzt TextStationsleiterin Bärbel Reichelt bringt dem Kapitän der "Largona" Weihnachtsfreude

Die Corona-Pandemie und die mit ihr verbundenen Einschränkungen haben auch die Crew der "Genca" hart getroffen – so wie alle Seeleute. Wochenlang durften sie nicht von Bord, um ihre Seele zu erfrischen. Crewwechsel waren nicht möglich und sind manchmal noch immer schwierig. Viele Seeleute mussten am Ende ihres monatelangen Vertrages einfach weiterarbeiten - müde und voller Sehnsucht nach den Lieben. So auch Christian. Ein Jahr lang war er an Bord der "Genca". Ein Jahr lang harte Arbeit, zehn Stunden am Tag, jeden Tag, nur am Sonntag ein bisschen weniger. Normalerweise geht sein Vertrag über acht Monate. Als er dann endlich nach Hause auf die Philippinen konnte, blieb er nur einen Monat statt drei. "Ich brauche das Geld", sagt Christian. "In meiner Heimat ist der Familienzusammenhalt sehr wichtig. Ich unterstütze meine Eltern und meinen Bruder mit seiner Familie. Außerdem wollen wir wollen ein Haus bauen."

Im Hintergrund seiner Sätze schwingt die Sorge mit, vielleicht nicht mehr an Bord zu kommen, so wie es einigen seiner Kollegen ging. Fredzon und Justin waren zu Beginn des Lockdowns auf den Philippinen. Von dort kamen sie nicht weg. Mussten zu Hause bleiben. Ohne Einkommen. Fredzon sechs Monate. Justin acht Monate. "Das war wirklich hart", sagen sie. "Aber du kannst es nicht ändern. Du musst positiv denken." Über Gefühle wird an Bord nicht viel geredet. Aber Kapitän Jan Hoek weiß um die Belastungen: "Mehr noch als sonst auch versuche ich, eine gute, freundliche Atmospähre zu schaffen. Ich nehme jeden einzelnen beiseite, wenn ich sehe, dass es ihm nicht gut geht."

"Es ist wichtig, dass wir die Seeleute an Bord der Schiffe nicht vergessen", betont Theologin Bärbel Reichelt. "Wir alle haben mit ihnen zu tun, auch wenn wir sie nicht sehen. Jeder Tee, jeder Kaffee, jede Banane, fast jedes Kleidungsstück ist nicht nur durch die Hände der Produzenten sondern auch durch die Hände der Seeleute gegangen. Ebenso brauchen wir als Exportnation dringend ihre Arbeit."

An ihrer Situation können die Seeleute an Bord der "Genca" selbst wenig ändern, aber Weihnachten werden sie es sich schön machen. Die Philippinos werden auf dem Wetterdeck in einem alten Ölfass ihr traditionelles Spanferkel grillen. In der festlich geschmückten Schiffsmesse ist ein köstliches Büfett aufgebaut. Da werden sie dann alle zusammen sitzen. Der Kapitän hält eine Rede. Die Geschenke liegen unter dem Weihnachtsbaum. Eins nach dem anderen werden sie auspacken – "damit es möglichst lange dauert", schmunzelt Hoek.

Freude bei Kapitän Jan Hoek (hinten, 3 von links) und der Crew der

Freude bei Kapitän Jan Hoek (hinten, 3 von links) und der Crew der "Genca": Ein Geschenk der Seemannsmission nach dem anderen werden sie Weihnachten auspacken. Fotos: DSM HL


Text-Nummer: 142014   Autor: DSM HL   vom 01.12.2020 um 13.56 Uhr

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