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Wenig Auswahl für mehr Tierwohl beim Fleischkauf

Schleswig-Holstein: Archiv - 16.12.2020, 09.22 Uhr: Die Verbraucherzentralen setzen sich für ein staatliches Tierwohlkennzeichen und eine Anhebung der rechtlichen Mindeststandards in der Haltung von Nutztieren ein. Supermärkte und Discounter bieten kaum Fleisch mit höheren Standards der Tierhaltung an. Das Haltungsform-Label des Handels ist als Tierwohllabel wenig wirksam.

Wer im Handel nach einem Festtagsbraten aus einer Tierhaltung mit verbessertem Tierschutz sucht, findet ihn kaum. Eineinhalb Jahre nach Einführung des Haltungsform-Labels ist das Angebot an Fleisch mit höheren Haltungsstandards in Supermärkten und Discountern noch immer klein. Das zeigt erneut ein bundesweiter Marktcheck der Verbraucherzentralen. Seit April 2019 kennzeichnen acht Handelsunternehmen ihre Fleischprodukte einheitlich mit dem Label Haltungsform. Dieses vierstufige, freiwillige Label zeigt, wie die Tiere gehalten wurden.

In zwei Marktchecks haben die Verbraucherzentralen das Angebot von Discountern und Supermärkten in den verschiedenen Haltungsformen ermittelt – kurz nach Einführung des Labels und im Herbst 2020. Dabei haben sich die Verbraucherschützer die Labels von mehr als 1.700 Fleischprodukten aus rund 30 Einzelhandelsgeschäften angesehen. Der Vergleich zum Vorjahr zeigt: Hier gab es kaum eine Entwicklung. Wie im Vorjahr stammte mehr als die Hälfte der Fleischprodukte aus der Haltungsform 1, gut ein Drittel aus Haltungsform 2. Haltungsform 3 machte mit drei Prozent einen verschwindend geringen Anteil aus. Mit 10 Prozent etwas häufiger war Haltungsform 4 zu finden. Das ist überwiegend Fleisch in Bio-Qualität.

Viele Verbraucher wollen Genuss mit gutem Gewissen verbinden und legen Wert auf eine gute Tierhaltung. Im Marktcheck der Verbraucherzentralen entfielen jedoch 87 Prozent des Fleischangebotes in Supermärkten und Discountern auf die Haltungsformen 1 und 2. "Das entspricht dem gesetzlichen Mindeststandard oder liegt wenig darüber. Von höherem Tierschutzniveau kann dabei keine Rede sein", sagt Selvihan Benda, Ernährungsexpertin der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein. "Das schränkt die Auswahl beim Einkauf erheblich ein." Bei Haltungsstufe 2 waren 88 Prozent Geflügel- und 12 Prozent Schweinefleisch. Im Vorjahr machte Schweinefleisch in dieser Stufe lediglich drei Prozent aus. Haltungsform 3 war nur in einem Drittel der Geschäfte zu finden.

"Damit Verbraucherinnen und Verbraucher mehr Fleisch aus besserer Haltung kaufen können, müssten Schweine-, Rind- und Geflügelfleisch auch in der Haltungsform 3 und 4 gut verfügbar sein. Davon sind die Handelsketten weit entfernt", erklärt Selvihan Benda. Wenn Händler mehr Orientierung bieten wollen, müssten sie die Haltungsform auch an Bedientheken und auf Wurstwaren kenntlich machen und besser über die Kriterien des Labels informieren.

Die Haltungsform des Handels kann nicht flächendeckend für mehr Tierwohl in den Ställen sorgen und ist deshalb nur eine Übergangslösung. Eine aussagekräftige staatliche Tierwohlkennzeichnung muss aus Sicht der Verbraucherzentralen schnellstmöglich eingeführt werden. Um das Leben aller Nutztiere zu verbessern, ist zudem ein Umbau der gesamten Nutztierhaltung nötig. Dazu braucht es ein klares Bekenntnis von Bundesregierung und Bundesländern, für die bislang nicht geregelten Nutztierarten gesetzliche Mindeststandards auf Basis aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse zu schaffen. Mehr Informationen zum Marktcheck und zu den Ergebnissen sind zu finden unter www.verbraucherzentrale.sh/haltungsform-fakten

Die Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein kritisieren das geringe Angebot an Fleisch mit höheren Standards der Tierhaltung.

Die Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein kritisieren das geringe Angebot an Fleisch mit höheren Standards der Tierhaltung.


Text-Nummer: 142297   Autor: Verbraucherzentrale SH   vom 16.12.2020 um 09.22 Uhr

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