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Gedanken zum Weihnachtsfest 2020

Lübeck: Archiv - 26.12.2020, 11.34 Uhr: Die Gedanken zum Wochenende stammen heute von Pastor i.R. Walter Schmidt, der früher in Travemünde gepredigt hat. Er geht auf die aktuelle Krise ein, die auch positive Auswirkungen haben kann.

In diesem Jahr ist alles anders, weil Corona unser Leben beherrscht. Alles, was uns Menschen wichtig ist, wie menschliche Nähe, soziale Kontakte, ist eingeschränkt. Es ist eine so unsichere Zeit, keiner weiß, wie es weitergeht. Weihnachten in den Familien, in gottesdienstlicher Gemeinschaft fällt aus und die Weihnachtsbotschaft, ihre Verkündigung entfällt sozusagen. Die Politiker haben sehr um Weihnachten gekämpft, dass es irgendwie einigermaßen traditionell stattfinden kann, aber die steigenden Infektionszahlen haben ein starkes Handeln herausgefordert. „Corona nimmt auf Weihnachten keine Rücksicht“ ist ein oft zu hörender Satz. Es gilt aber auch das Gegenteil: „Weihnachten nimmt keine Rücksicht auf Corona“. Denn Weihnachten kommt jedes Jahr, egal, in welchem Zustand wir uns befinden. Darum sollen wir uns nicht betrüben lassen.

Denn das Besondere an Weihnachten ist, dass wir wegführt werden aus dem vordergründigen Denken, aus unseren alltäglichen Problemen, aus dem Irdischen in das Himmlische. Der Himmel ist geöffnet. Ein anderer weiter Horizont tut sich auf und ein neuer Blick auf die Welt, öffnet sich. Etwas Neues, ganz Anderes zeigt sich uns. Wir nennen diese Zeit nicht umsonst eine heilige Zeit. In neutestamentlicher Sprache spricht manvom „kairos“. Das ist der besondere Augenblick, wo Himmel und Erde zusammenkommen. - Die Menschen in der Weihnachtsgeschichte haben diesen Augenblick hautnah erlebt. Sie haben die Herrlichkeit Gottes wirklich gesehen. Die Hirten, die das erlebt haben, haben es nicht nur als eine Einbildung verstanden, sondern sie haben sich aufgemacht, um es nachzuprüfen. Und sie haben gefunden, was ihnen die Engel gesagt haben. Die Botschaft, die sie empfangen, lautet: Fürchtet euch nicht, ihr braucht keine Angst zu haben, freuet euch, die Welt ist gerettet, erlöst, Friede auf Erden und den Menschen sein Wohlgefallen. D.h. wir sind von Gott Geliebte. - Es handelt sich also um ein himmlisches, göttliches Geschehen.

Die Frage ist nur, wie gehen wir mit dieser Botschaft um? Ganz wirkungslos scheint sie mir nicht zu sein. Sie drückt sich ja in einer starken Sehnsucht nach einer heilen, friedlichen Welt aus. Wir versuchen an Weihnachten humaner zu sein, unsere Herzen öffnen sich für andere. Und unsere Hoffnung drückt sich in vielen Bildern und Symbolen aus. Wir zünden Kerzen an, wir schmücken unsere Zimmer, wir schauen auf den Stern. Es gibt Geschenke.

Wenn es aber nur bei der Symbolik bleibt, die ja auch was sehr Liebevolles ist, ändert sich in unserer Welt nicht nicht viel. Spätestens nach Weihnachten läuft alles wie gewohnt. Und die Menschen lieben das Gewohnte mehr als das Neue.

Es geht aber um die Welt, um ihre Zukunft. Wichtig ist, dass die Weihnachtsbotschaft als ein reales Geschehen gesehen wird, als ein wirklicher Einbruch in unsere Welt, der verändernd wirkt. Hoffnung darf nicht ins Leere gehen, sondern sie braucht ein Ziel. Und wir Menschen sind aufgerufen, diesen Weg der Veränderung zu gehen.

Dazu gibt uns das Weihnachtsgeschen die Möglichkeit. Dadurch, dass uns die Rettung in Aussicht gestellt ist, haben wir immer wieder die Chance an ihrem Wohlergehen zu arbeiten. Was wir aber dazu brauchen, ist ein neues Bewusstsein.

Wie aber soll das kommen? Mit der Weihnachtsbotschaft ist der Grundstein gelegt. Darum sollen wir uns ihr gegenüber öffnen und das Angebot des Heils annehmen. Das ist eine große Aufgabe.

Als erstes, das wir begreifen müssen, ist, dass wir in einer Einheit, in einer Ganzheit verbunden sind. Wir sind nicht von Gott Getrennte. Wir sind nicht dazu gemacht, dass wir einfach nur unserem Unglück überlassen sind. - Wir sind auch nicht auf der Welt, damit wir durch eine Schule des Leidens gehen müssen, um endlich in das Himmelreich einzugehen, sondern wir sind auf der Welt, um uns zu erinnern, wer wie wirklich sind. -

Die große Frage, die uns immer wieder beschäftigt, ist die Frage: warum ist das Böse in der Welt? Das Böse ist notwendig, damit wir das Gute erkennen können. Wäre alles nur gut, gebe es Stillstand. Wir pendeln immer zwischen Liebe und Angst hin und her. Zur Zeit stehen wir in großen Ängsten. Wenn wir uns ihnen wirklich stellen und sie als Ängste erkennen, kann der Weg zur Liebe sich wieder öffnen. Liebe bedeutet unter anderem, dass, wir nicht dauernd verurteilen und das Leben nicht immer nur bewerten. Es ist schon Vieles, was wir als Böse verurteilt haben, zum Guten geworden ist. Es gibt vieles, das wir als schrecklich ansehen, aber in der höheren Ebene sieht manches anders aus. Wir dürfen also das Leben ruhig etwas leichter betrachten und liebevoller mit uns selbst und unseren Mitmenschen umgehen. Wir sind nicht so schlecht, wie wir es oft meinen.

Ich glaube, dass die große Wandlung zum Guten inzwischen längst im Gange ist.

Dazu helfen uns auch die großen Krisen. Sie wollen uns nicht strafen, sondern aufwecken, um zu einer besseren Lebensführung zurück zu finden.

Walter Schmidt, Pastor i. R.

Pastor i.R. Walter Schmidt predigte in Travemünde. Foto: Karl Erhard Vögele

Pastor i.R. Walter Schmidt predigte in Travemünde. Foto: Karl Erhard Vögele


Text-Nummer: 142456   Autor: red.   vom 26.12.2020 um 11.34 Uhr

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