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Grüne Lübeck
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Historischer Gewölbekeller: BIRL fordert Planungsstopp

Lübeck: Archiv - 04.01.2021, 09.57 Uhr: Die mögliche Zerstörung von Teilen eines Gewölbekellers aus dem 13. Jahrhundert beim Neubau des Buddenbrookhauses beschäftigt Lübeck auch im neuen Jahr. Jetzt hat auch die Bürgerinitiative Rettet Lübeck (BIRL) e.V. zum Problemfall Gewölbekeller Mengstraße 6/ Buddenbrook-Literaturhaus Stellung bezogen. Die BIRL entstand 1975 als Denkmalschutz-Initiative, als im "Europäischen Jahr des Denkmalschutzes" 14 historische Altstadthäuser abgebrochen wurden und ist seit Seit 1976 ein Verein.

Die Stellungnahme im Wortlaut:

Stellungnahme der Bürgerinitiative Rettet Lübeck BIRL e.V.:
Planungsstopp für Buddenbrook-Erweiterung

Das Problem: Zur Lübecker Haus-Landschaft, die dem UNESCO-Welterbe-Label untersteht, gehören gewölbte mittelalterliche Keller. Der einst sehr umfangreiche Bestand ist durch Krieg und Abbrüche auf wenige Beispiele reduziert. Dazu gehören auch die Keller unter den Häusern Mengstraße 4 und 6. Hinter den zu erhaltenden Fassaden soll unter Einbeziehung der denkmalgeschützten Gewölbekeller ein Neubau für das neu konzipierte "Buddenbrook-Literaturmuseum" entstehen.

Der Keller Mengstraße 6 ist einer der größten Kellerräume Lübecks (vgl. Kartierung): Zur Straße querliegend zweischiffig und drei Joche breit, hofseits querliegend zweischiffig und vier Joche breit, beide Keller um 1260 erbaut. Der verbindende Mittelteil mit korbbogigen Gratgewölben nach 1700. – Die Bausubstanz ist vergleichsweise gut, der Raumeindruck durch Einbauten aus jüngerer Zeit sehr gestört. – Der Keller soll ins "Konzept des Narrativs Familie Mann" einbezogen werden.

Bild ergänzt Text

Für die im Neubauteil von Mengstraße 6 hofseitig vorgesehene Haupttreppe müssten mehrere der zu erhaltenden Gewölbefelder ausgebrochen werden. Die Museumsplaner halten dies für ihr "Konzept" unverzichtbar. Die Denkmalpflege folgt ihrem gesetzlichen Auftrag und beharrt auf Erhalt des geschützten Bestands. Als "Oberer Denkmalpfleger" beendet Bürgermeister Jan Lindenau die Diskussion, indem er entgegen dem Votum der Denkmalpflege die Buddenbrook-Planung befürwortet.

Zum Denkmalwert: Der gefährdete Kellerteil ist wie der straßenseitige "Kaufkeller" mit seinen auf einheitlicher Scheitelhöhe sich kreuzenden spitzbogigen Tonnengewölben typisch für Lübecker Keller aus Jahren um 1260. Die Gewölbe sind massiv "auf Kopf" gemauert. Vermutlich wurden die gewölbten Räume von den Betreibern auch als "Tresor" gehalten. Bricht man diese Gewölbe ab (mitsamt der originalen gotischen Querwand zum barocken Mittelraum, wie von der Planung vorgesehen), sind auch alle hier erfahrbaren Aussagen zur Handels-, Architektur- und Sozialgeschichte für immer verstummt. Mit dem Abbruch verschwände auch die Aussage der gesamten Kelleranlage in ihren Bezügen und Proportionen. Ein kurzlebiges Narrativ von Literatur-Kuratoren kann diesen Verlust niemals kompensieren. Hinzu kommt, dass die wenigen noch verbliebenen Gewölbekeller heute zu den "Alleinstellungsmerkmalen" Lübecks im Sinne der UNESCO-Welterbe-Nominierung zählen.

Eine heutigen Ansprüchen genügende Nutzbarkeit von mittelalterlichen Lübecker Gewölbekellern ist nur sehr eingeschränkt möglich. Moderne Zentral-Dauerbeheizung stört das Klima-Gleichgewicht in feuchten Räumen und schädigt schon mittelfristig das Mauerwerk durch auskristallisierende Salze. Die Beispiele angeblich "gelungener" Keller-Sanierungen haben langfristig keinen Bestand: Der "Ratsbierkeller" ist wegen Totalschadens geschlossen, Ruinen sind auch die Keller unter dem Heiligen-Geist-Hospital, die seit vielen Jahren einer 25-Grad Dauerbeheizung ausgesetzt sind, und der Gewölbekeller Schüsselbuden 2, jahrzehntelang Standort einer hochgeheizten Relais-Zentrale der Telefon-Post. Auch für den seit einigen Jahren von der Ernestinenschule als Schul-Mensa-Keller genutzten Crane-Konventkeller ist eine ähnliche Entwicklung zu erwarten.

Zusammenfassung der Kritik: Es ist fachlich nicht einsehbar, weshalb ein Kuratoren-Konzept, das einer erfundenen "Erzählung" folgt, ein höherrangiges Rechtsgut darstellen soll als das Denkmalschutzgesetz. Die Forderung muss also lauten: Alle Planung hat vom integralen Erhalt des Gewölbekellers auszugehen. Grundsätzlich sind Lübecks historische Gewölbekeller weder für museale noch für kommerzielle Dauernutzungen geeignet. Deshalb ist die Ablehnung der übergriffigen Buddenbrooks-Planung durch die Denkmalbehörde mit allen Mitteln zu unterstützen.

Die Sprecher der BIRL
Maren Dünchem
Manfred Finke (verantw.)
Detlev Holst
Ulrike Schäfer
Detlev Stolzenberg
Roland Vorkamp

Lübeck am 16.12.2020 (")

Der Umbau soll im Buddenbrookhaus eine Treppe ermöglichen. Foto: JW/Archiv

Der Umbau soll im Buddenbrookhaus eine Treppe ermöglichen. Foto: JW/Archiv


Text-Nummer: 142543   Autor: BIRL e.V.   vom 04.01.2021 um 09.57 Uhr

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