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St. Jakobi: Die Hüterin der Kirche im Ruhestand

Lübeck - Innenstadt: Sie ist eine waschechte Lübeckerin und Küsterin mit Leib und Seele: Gundel Purgold. Seit dem Jahr 2009 kümmerte sich sich um die St.-Jakobi-Kirche und weilt mit Beginn dieses Jahres im wohlverdienten Ruhestand. Unter normalen Bedingungen wäre sie im Musikgottesdienst am 2. Weihnachtstag verabschiedet worden. Doch: „Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Wir holen die Verabschiedung definitiv nach“, sagt Jakobi-Pastor Lutz Jedeck.

Die aktive 66-Jährige lernte einst Bankkauffrau und kurz darauf ihren Mann kennen. Die Hochzeit folgte 1978, sie gebar zwei Kinder und ist heute stolze Omi von zwei Enkelkindern. „Wir lebten damals auf einem Dorf bei Ahrensbök, mein war Landwirt“. Nach 31 Jahren trennte sich das Paar und Gundel Purgold zog es zurück in ihre Heimatstadt Lübeck. „Bald schon las ich die Anzeige, dass die Gemeinde St. Jakobi eine Küsterin sucht“. Sie bewarb sich, bekam den Job und „lebe und liebe seitdem diesen Beruf, der mich gefunden hat“. Sie fühle sich sehr wohl und aufgehoben in einem tollen Team und sehe sich selbst als „Hüterin der Kirche“.

Und was genau hat eine Küsterin in ihrem Alltag zu tun? „Zu meinen Aufgaben gehören das Sauberhalten der Kirche und des Außengeländes, sämtliche Veranstaltungen, Gottesdienste, Orgelvespern und Konzerte vor- und nachzubereiten, den Kirchenladen mit zu betreuen und aktuell den Besuchern ihren Platz zuzuweisen. Auch die monatliche Schaukastengestaltung gehöre zu ihren Tätigkeiten. Und das Reinigen und „Tollen“ der lübschen Halskrausen, die die Lübecker Pastoren in Gottesdiensten tragen und auf die Hansezeit zurückgehen. „Das mache ich als einzige in Lübeck und Umgebung“, sagt Gundel Purgold stolz. Die Halskrausen werden in einem nur dafür verwendeten Topf gewaschen und anschließend getollt, also Rüsche für Rüsche wieder aufgeplustert. „In normalen Zeiten sind es zwei bis sieben Halskrausen monatlich, im Moment deutlich weniger, da im Frühjahr erst gar keine Gottesdienste stattfanden und jetzt nur kurze. Dann werden die Krausen nicht so schnell schmutzig“, schmunzelt Purgold. Der St.-Jakobi-Gemeinde bleibt die Hüterin der Kirche aber noch weiter erhalten: „Ich werde an zwei Vormittagen arbeiten und meine Nachfolgerin Marina Niemeyer bei Urlaub und Krankheit vertreten.“

In schöner Erinnerung werden der Küsterin die vielen Konzerte und Veranstaltungen, die oft weit über Lübeck hinaus strahlten. „Dabei sein zu dürfen war für mich sehr erfüllend und bereichernd“. Tief beeindruckt habe sie jedes Jahr der Aufstieg am Silvesterabend auf den Jakobi-Turm: „Als um 24 Uhr die Glocken zum vollen Geläut einsetzten und eine Viertelstunde läuteten – ein unbeschreiblich tolles Gefühl, ihnen so nah zu sein“. Aber auch diese kleine Anekdote verewigte sich in Gundel Purgolds Gedächtnis: „In meinen Anfangsjahren zogen am Martinstag Kinder von Marienschule mit Laternen in die Kirche, vorneweg ritt St. Martin auf einem Pony. Das Pferd kam mit in die Kirche, es war natürlich aufgeregt in der fremden Umgebung, hob den Schweif und erleichterte sich im Mittelgang... Die Jahre darauf hatte ich immer einen Eimer parat stehen“. Ihr Fazit: „Küsterin zu sein ist ein sehr vielschichtiger Beruf.“

Gundel Purgold ist christlich aufgewachsen. „Glaube bedeutet für mich, an die Wurzel der Menschheit zu glauben. Hier beginnt alles und endet alles. Letztendlich kommt alles von Gott. Es gibt so viel mehr zwischen Himmel und Erde, was der Mensch überhaupt überblicken kann“. Ihre Hobbys sind Spiritualität und Gesundheit, nebenbei baut sich die baldige Unruhe-Ständlerin ein Gesundheits-Business auf. Zur aktuellen Corona-Lage sagt die Küsterin: „Der gesamte Globus wird einmal kräftig durchgeschüttelt, es gibt viele Veränderungen überall. Ich hoffe, dass daraus Gutes erwächst“.

Gibt es ein Lieblings-Relikt in der St.-Jakobi-Kirche? „Ja, die Apostel an der Empore. Im Laufe der Zeit habe ich entschlüsselt, wer wer ist“. Und wie ist es, nun einmal selbst im Mittelpunkt eines Gottesdienstes zu stehen? „Aufregend wird es bestimmt.“

Gundel Purgold geht in den Ruhestand. Foto: Kirchenkreis

Gundel Purgold geht in den Ruhestand. Foto: Kirchenkreis


Text-Nummer: 142624   Autor: Kirchenkreis   vom 09.01.2021 um 15.21 Uhr

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