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Vorlesung zu Thomas Mann: Rätsel und Geheimnisse

Lübeck: „Thomas Manns 'Doktor Faustus' in Wort und Ton“ lautet die Überschrift einer fünfteiligen Ringvorlesung der Musikhochschule und der Universität. Im Live-Stream ist sie jedem Interessierten zugänglich. Am Dienstagabend war der zweite Teil zu erleben, von und mit Dr. Oliver Korte, seit 2006 Professor für Musiktheorie in Lübeck.

Das Thema der Vorlesung von Prof. Korte lautete: „Hetaera Esmeralda und die Kunst der musikalischen Kryptografie“. Schon beim Titel war klar, dass einiges vorausgesetzt wurde, dass volle Konzentration erforderlich sein würde.

Die Hetaera Esmeralda ist eine symbolhafte Figur aus Thomas Manns Roman, quasi der Schmetterling, der zu einem Mädchen im Bordell mutiert. Ein teuflischer Verführer geleitet den Musiker Adrian Leverkühn statt in ein Restaurant ins Freudenhaus. Die Verbindung mit dem Mädchen bringt dem Gast die Syphilis ein. Dadurch ist der Pakt mit dem Teufel geschlossen. Im Leben des Musikers Leverkühn folgen 24 große Schaffensjahr, danach der Verfall.

Kryptografie, das zweite Fremdwort aus dem Titel der Vorlesung, meint das Verstecken von Botschaften in einem Text, auch in einem Notentext. Prof. Korte zitierte viele Beispiele, bis hin zur Enigma-Maschine der Nazis, deren Geheimnis von den Alliierten geknackt wurde.

Rätselhaft blieben, zumindest für den Laien, manche der angeführten Beispiele von Verschlüsselungsmethoden. Spannend zu erfahren, dass sich schon bei Josquin Desprez (ca. 1450-1521) versteckte Botschaften finden lassen. Im Doktor Faustus werden aus dem Namen Hetaera Esmeralda jene Buchstaben herausgelöst, die auch Töne bezeichnen. So wird aus der Tonfolge „h-e-a-e-es“ ein Motiv, mit dem der fiktive Komponist experimentiert.

Der bekannteste Name, der aus Tönen besteht, ist Bach. Das B-A-C-H haben viele Komponisten weidlich ausgeschlachtet. Bach selbst, so Prof. Korte, verwendete es nur einmal in einem späten Werk, der „Kunst der Fuge“. Auch die Namen anderer Komponisten ließen sich in Musik umsetzen, z. B. der Familienname des Dänen Niels Wilhelm Gade oder der von John Cage.

Natürlich gab es in der 85 Minuten langen Vorlesung auch musikalische Beispiele. Jakob Linowitzki spielte am Flügel Kompositionen von J. S. Bach, Gade, Schumann. Kanaka Shimizu ergänzte an der Orgel der Hochschule. Das Quartetto Floriani erwies sich als exzellentes Streichquartett. Jan Köhler präsentierte zum Abschluss eine Komposition von Oliver Korte, ein Werk aus dem Jahre 2017 „für einen sprechenden Trommler“. Fürs Nacharbeiten bleibt genügend Stoff.

Die dritte Vorlesung der Reihe hält am Dienstag, 19. Januar Prof. Dr. Hans Wißkirchen. Sein Thema: „Deutsche Geschichte im Doktor Faustus“. Auch diese Vorlesung ist mitzuerleben, und zwar unter www.mhl-streaming.de.

Die Vorlesung von Prof. Dr. Oliver Korte ist online abrufbar. Foto: MHL

Die Vorlesung von Prof. Dr. Oliver Korte ist online abrufbar. Foto: MHL


Text-Nummer: 142708   Autor: TD   vom 13.01.2021 um 14.51 Uhr

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