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HL musikalisch: Jubiläum bei den Abendmusiken

Lübeck: Archiv - 23.01.2021, 12.29 Uhr: Die „Lübecker Abendmusiken“ in St. Marien gelten als älteste Konzertreihe der Welt. Wann das erste Konzert stattfand, ist nicht genau bekannt. Das Datum scheint inzwischen rekonstruierbar. Denn anno 1646, vor 375 Jahren, stellte der Erfinder der Reihe, Marienorganist Franz Tunder, einen Antrag auf Gehaltszulage. Begründung: Erheblicher Mehraufwand durch die Abendmusiken.

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Dietrich Buxtehude baute auf Höhe der Orgel Emporen für Sänger.

Franz Tunder amtierte von 1640 bis 1667 an St. Marien. In seinem ersten Amtsjahr dürfte er noch nicht mit bahnbrechenden Neuigkeiten an die Öffentlichkeit getreten sein. Wahrscheinlich gab es 1641 zum ersten Mal eine Abendmusik. Sonst wäre die Spanne bis zum Antrag 1646 zu kurz, und damit wären die Abendmusiken 380 Jahre alt.

Natürlich haben sich die Abendmusiken in St. Marien im Laufe der Jahrhunderte verändert. Aber es waren insbesondere in den frühen Zeiten keine kirchlichen, sprich gottesdienstlichen Veranstaltungen, sondern freie oder weltliche Konzerte. Sie transportierten freilich meistens christliche Inhalte.

Es gab auch Unterbrechungen. Das leuchtet ein, wenn man zum Beispiel Bilder der seit 1942 als Ruine brach liegenden Marienkirche sieht. Da war es nichts mehr mit feierlichem Musizieren. Auch die Orgeln waren zerstört. Bedauerlich ist, dass es aus alten Zeiten kaum Noten gibt. Lediglich Textbücher sind vorhanden, die quasi als Eintrittskarte verkauft wurden.

Aber jahrhundertelang wurde in Konzerten keine „alte“ Musik aufgeführt. Es waren immer neue, zeitgenössische Werke, die der Marienorganist oder wer immer verantwortlich war, selber zu schreiben hatte. Das war bis ins 18. Jahrhundert allgemein üblich. Man denke an Mozart oder Beethoven, die von ihren eigenen neuen, oft sehr modernen Werken leben mussten.

Franz Tunders Nachfolger, zugleich sein Schwiegersohn, wurde der berühmte Dietrich Buxtehude. Er bekleidete das Amt rund 40 Jahre. In seiner Amtszeit erhielten die Abendmusiken ihre überlieferte Form. Sie waren oft fünfteilig, wurden an fünf Terminen aufgeführt. Aus seiner Zeit stammten die Emporen für Musiker auf Höhe der großen Orgel, wodurch ein Raumklang entstand.

Häufig wurde an Tagen musiziert, an denen der Rat wichtige geschäftliche Verhandlungen geführt hatte. Nach der Arbeit sollten insbesondere die Verhandlungspartner von auswärts festlich musikalisch unterhalten werden. Im Jahr 1705 wohnte kein Geringerer als Johann Sebastian Bach den Abendmusiken im Dezember bei, wahrscheinlich sogar als Mitwirkender.

Lübecker Orgelfreunden sind die Abendmusiken von Ernst-Erich Stender in guter Erinnerung. Er versah das Amt des Marienorganisten von Januar 1973 bis Ende 2009, also 36 Jahre. Er legte die Abendmusiken in den Sommer, lud immer donnerstags bei Kerzenschein auch die Urlauber und Feriengäste der Lübecker Bucht ein.

Der heutige Marienorganist Johannes Unger brachte Flexibilität in die Reihe. Das betrifft sowohl die Termine als auch die Inhalte. Angeboten werden sie aber immer noch. Wie seit – wagen wir also die Behauptung – 380 Jahren.

Seit vermutlich 380 Jahren gibt es die Abendmusiken in St. Marien. Fotos: JW

Seit vermutlich 380 Jahren gibt es die Abendmusiken in St. Marien. Fotos: JW


Text-Nummer: 142884   Autor: TD   vom 23.01.2021 um 12.29 Uhr

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