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Gewerkschaften fürchten um Zusammenhalt

Lübeck: Archiv - 26.01.2021, 18.31 Uhr: Alle waren sich bei einer Online-Konferenz verschiedener Lübecker Gewerkschaften einig, die Corona-Pandemie bedroht nicht nur unser aller Gesundheit, sie hat auch grundlegende gesellschaftliche Auswirkungen und geht auch an die Substanz, die unsere Gesellschaft zusammenhält.

Diese Wahrnehmung entwickelte sich in einem Gespräch von Fachleuten, die es wissen müssen. In der virtuellen Pressekonferenz zur aktuellen Lage trafen sich Juliane Hoffmann, DGB SH - Südost, Berith Jordan (ver.di HL-OH), Henning Groskreutz (IG Metall HL-Wismar) und Eckehard Sieg von der IG Bergbau-Chemie-Energie.

Wahrgenommen haben es alle, aber besonders Eckehard Sieg brachte es auf den Punkt. Die moderne Form des Arbeitens kann zu einem "großen Demokratieverlust in den Betrieben" führen. Kollegen können sich nicht mehr hinreichend miteinander austauschen, Stärke aus dem "Wir" herausziehen und darunter leidet letztlich die Möglichkeit, eine qualifizierte Mitbestimmung zu organisieren. Die erstrittene Mitbestimmung darf vor dem Hintergrund moderner Entwicklungen in der Arbeitswelt auf keinen Fall verlorengehen.

Hier hören Sie Eckehard Sieg im O-Ton:

Zu dieser Thematik fiel dann auch allen etwas ein. Betriebsräte vor Ort haben Schwierigkeiten gemeinschaftlich mit den dort tätigen Kolleginnen und Kollegen zu kommunizieren. Die gesamte gewerkschaftliche Vereins- und Basisarbeit ist letztlich davon betroffen und alle sind sich darüber im Klaren, dass es sehr große Anstrengungen nach der Krise bedürfen wird, an die bisherige Entwicklung wieder anzuknüpfen. Sachfragen können problemlos über den digitalen Kommunikationsweg geklärt werden, abstimmen kann man sich auch. Der zwischenmenschliche Kontakt fehlt aber - das ist allen schmerzlich bewusst.

In der Sache gab Berith Jordan einen kurzen Einblick in aktuelle Verhältnisse und Entwicklungen vor Ort. Das erläuterte sie am Beispiel des Lübecker Stadtverkehrs und der Lübecker Hafengesellschaft. Der Stadtverkehr ist bisher gut durch die Krise gekommen, vor allem mit Hilfe staatlicher Unterstützungen in der Anfangsphase der Pandemie. Jetzt, im Jahre 2021, stellt sich die Lage etwas schwieriger dar, man hofft aber zu tragbaren Lösungen zu kommen.

Hier hören Sie Berith Jordan im O-Ton:

Zum Lübecker Hafen, den sie scherzhaft als "unendliche Geschichte" bezeichnete, konnte sie ganz erfreuliches berichten. Der Hafen befindet sich in einem Sanierungsprozess, ist aber, nach ihren Angaben gerade auch im Vergleich mit anderen Häfen in Nord- und Ostsee "relativ gut durch die Pandemie gekommen." Der Eindruck vieler Hafenarbeiter, dass es an der Kai-Kante vergleichsweise brummt, kommt daher wohl nicht von ungefähr. Ein ungefährer Umschlagsrückgang von lediglich etwa zwei Prozent bezeichnete sie vor dem Hintergrund der Pandemie-Befürchtungen dann auch als "wirklich Klasse."

IG-Metall-Bevollmächtigter Henning Groskreutz richtete den Blick ein wenig in die Zukunft. Für die anstehenden Arbeitsverhandlungen forderte er vor allem "Beschäftigungssicherheit". Modelle müssen gefunden werden, um den Kollegen in den Betrieben die Weiterbeschäftigung auch weiterhin zu ermöglichen. "Zukunftstarifverträge" seien in weiteren Wirtschaftszweigen nötig, um in einer gemeinsamen Anstrengung von Geschäftsleitung und Arbeitnehmern die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe und damit den Erhalt der Arbeitsplätze langfristig zu sichern. Eine gewisse Skepsis der Arbeitgeber gegenüber diesem gewerkschaftlichen Ansinnen nimmt Henning Groskreutz dabei aber durchaus wahr.

Hier hören Sie Henning Groskreutz im O-Ton:

Stabilisierung der Einkommen ist sein dritter Zukunftspunkt, denn die Ökonomie kann nur dann wieder richtig Fahrt aufnehmen, wenn die Haushalte auch über ausreichend Mittel verfügen, sie überhaupt in Gange zu halten. Auf die kommenden Tarifgespräche darf man daher durchaus gespannt sein. Natürlich ist den Gewerkschaftern klar, dass man von Arbeitgeberseite mit Hinweis auf die Pandemie am liebsten gar nichts herausrücken will. Die Fachleute unter den Gewerkschaften wissen aber natürlich auch, dass man zwischen Branchen und Regionen auch in der Krise stark differenzieren muss. Dort zu insgesamt zufriedenstellenden aber auch verantwortbaren Abschlüssen zu kommen, wird ihre Aufgabe sein.

Henning Groskreutz, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Lübeck-Wismar, verweist auf den Konjunktureffekt durch steigende Einkommen. Screenshot, O-Töne: Harald Denckmann

Henning Groskreutz, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Lübeck-Wismar, verweist auf den Konjunktureffekt durch steigende Einkommen. Screenshot, O-Töne: Harald Denckmann


Hier hören Sie den Originalton:

Text-Nummer: 142938   Autor: Harald Denckmann   vom 26.01.2021 um 18.31 Uhr

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