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Höhepunkte aus 200 Jahren Lübecker Archäologie

Lübeck: Archiv - 30.01.2021, 14.02 Uhr: „Anfänge und Höhepunkte der Lübecker Archäologie in den letzten 200 Jahren“: So lautete der erste einer Reihe von Vorträgen des Geschichtsvereins im Netz. Anlass ist das 200-jährige Bestehen des Vereins. Referentin war Doris Mührenberg vom Bereich Archäologie und Denkmalpflege der Hansestadt.

Der Vortrag ist unter www.vlga.de nachzuhören. Einige hundert Interessenten haben dies in den vergangenen Tagen bereits getan. Allgemeines Urteil, auch in den Kommentaren: Es lohnt sich, diesem Teil der Stadtgeschichte nachzusinnen.

Das Referat von Frau Mührenberg, mit zahlreichen Abbildungen unterlegt, beginnt 1840 mit der Erforschung des Großsteingrabes in Waldhusen durch Oberförster Hermann Haug. Die Fundstücke sind leider 1942 mit dem Museum am Dom vernichtet worden. Ein weiteres Hünengrab erforschte Haug 1847 in Blankensee.

Ebenfalls in der Mitte des 19. Jahrhunderts begannen die Forschungen auf dem Gelände von Alt-Lübeck am Zusammenfluss von Schwartau und Trave. Man legte das Fundament einer Kirche frei, in deren Umgebung bestattet wurde. Grabbeigaben waren sogar aus Gold. Als spektakuläre Funde ausblieben, erlahmte das Interesse an Alt-Lübeck. 1906 und 1908 grub Wilhelm Ohnesorge weiter, erforschte eine Toranlage und den Aufbau der Wälle. Auch nach dem Krieg gab es hier Aktivitäten.

Durch die Kriegsschäden konnte nach 1945 auch auf dem Stadthügel geforscht werden. Dr. Werner Neugebauer war die treibende Kraft. Er konnte nicht in Ruhe arbeiten, weil der Wiederaufbau voranschreiten musste. Wichtige Fundorte waren die Kloaken. Neugebauer grub zum Beispiel auf dem Gelände der jetzigen Stadtbibliothek. Diese Grabung erhielt die Bezeichnung HL 1.

HL 2 waren Grabungen auf dem Schrangen. Übrigens: Inzwischen ist die Archäologie bei HL 277. Auf dem oberen Teil des Schrangen befand sich der Fleischmarkt, weiter unten die Fronerei, wo Verurteilte einsaßen, womöglich auf die Hinrichtung warteten. Vielleicht betrieb der Scharfrichter eine öffentliche Toilette, die reiche Funde bot. Prachtstück ist ein Gürtel aus Seide vom 14. Jahrhundert.

Bei der Sanierung der Gebäude Große Petersgrube für die Musikhochschule erbrachten die Archäologen den Beweis für frühe Baulandgewinnung. Nicht nur hier, sondern überall an den Rändern des Hügels wurden feuchte Gebiete trocken gelegt. Lübeck wuchs durch diese Maßnahmen um 45 Prozent!

Anno 1201 begann die dänische Zeit. König Waldemar besuchte Lübeck 1203, ließ 1217 eine Stadtmauer errichten. Weitere Grabungen, zum Beispiel beim Heiligen Geist Hospital, belegten, dass die Stadt früh eine Wasserkunst besaß, eine öffentliche Wasserversorgung.

In den 1980er Jahren begannen die Arbeiten unterhalb der Türme von St. Marien, zwischen Alf- und Fischstraße. Auf einem oberen Stück befand sich ein Parkplatz, auf dem sich die Erde öffnete und einen Wagen verschluckte. Zehn nebeneinander liegende Grundstücke wurden Forschungsgegenstand.

Noch mehr Erkenntnisse brachte die Grabung HL 70 etwas weiter Richtung Untertrave. Hier wurden die Reste von 40 Grundstücken gefunden. Mit Hilfe der Dendrochronologie ließ sich nachweisen, dass manche Holzteile aus einer Siedlung vor der Stadtgründung des Jahres 1143 stammten.

Rund 9.000 Fundstücksnummern wurden vergeben, wobei unter einer Nummer manchmal mehrere ähnliche Stücke zusammengefasst sind. Die Schätze konnten für einige Jahre im Archäologischen Museum im Beichthaus des Burgklosters gezeigt werden; bis 2011. Dann erhielten die Gebäude eine andere Nutzung. Die Schätze der Lübecker Archäologie lagern seither in Gebäuden am Meesenring.

Wie Dr. Jan Lokers, Leiter des Stadtarchivs und Vorsitzender des Geschichtsvereins, bei der Begrüßung ankündigte, wird der Vereins sein Vortragsprogramm im Jubiläumsjahr fortsetzen, solange nötig weiter im Netz.

Seit 200 Jahren finden in Lübeck Grabungen statt.  Foto: JW/Archiv

Seit 200 Jahren finden in Lübeck Grabungen statt. Foto: JW/Archiv


Text-Nummer: 142999   Autor: TD   vom 30.01.2021 um 14.02 Uhr

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