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Konjunkturumfrage: Arbeitgeber zeichnen düsteres Bild

Schleswig-Holstein: Archiv - 08.02.2021, 11.09 Uhr: Von Mitte bis Ende Januar haben Nordmetall, der AGV Nord sowie die Arbeitgeberverbände Oldenburg und Ostfriesland ihre Mitgliedsunternehmen in Norddeutschland zum ersten Mal in 2021 und zum fünften Mal seit Beginn der Corona-Krise nach ihrer Geschäftslage und den Aussichten befragt. Obwohl die Kurzarbeit hilft Arbeitsplätze zu erhalten, bezeichnen in Schleswig-Holstein 40 Prozent als unbefriedigend oder schlecht.

"Die Krisen-Talsohle seit dem betrieblichen Lockdown im Frühjahr 2020 ist längst noch nicht durchschritten, unsere Unternehmen rechnen auch in Schleswig-Holstein nicht vor Mitte 2022 mit der Rückkehr zum Vorkrisenniveau", bilanziert der Nordmetall-Vizepräsident aus Lübeck, Robert Focke, die Lage in der norddeutschen Metall- und Elektroindustrie. "Besonders im Schiff- und Flugzeugbau droht angesichts weggebrochener Aufträge ein spürbarer Arbeitsplatzverlust, auch die Autohersteller und -Zulieferer stehen weiter unter schwerem Druck."

Noch helfe Kurzarbeit nahezu jedem zweiten M+E-Betrieb, Arbeitsplätze zu halten – und werde noch mindestens bis zum Herbst 2021 als Beschäftigungsbrücke benötigt, so Focke, der Geschäftsführer Nordischer Maschinenbau Rud. Baader GmbH und Co. KG ist.

"Schon jetzt sind die hohen Arbeitskosten für drei von vier Mitgliedsfirmen der größte Standortnachteil im internationalen Wettbewerb. Wenn die Tarifparteien einen weiteren Abbau von Arbeitsplätzen im Norden und in Schleswig-Holstein verhindern wollen, dürfen sie den Betrieben keine zusätzlichen Kosten aufbürden, sondern müssen ihnen mehr Flexibilität im Personaleinsatz und in der Arbeitszeitgestaltung ermöglichen", folgert der Nordmetall-Vizepräsident mit Blick auf die dritte Runde der Tarifverhandlungen für die norddeutsche M+E-Industrie, die an diesem Montag in Bremen stattfindet.

Im Einzelnen sei die Kapazitätsauslastung der Betriebe seit dem September nur leicht um knapp drei auf 78,6 Prozent gestiegen. Sie liege damit aber noch sechs Prozent unter dem Vor-Coronakrisen-Niveau und sogar rund elf Prozent unter den Werten, die im Frühjahr 2019 erreicht wurden. Immer noch 38 Prozent der Unternehmen bezeichnen ihre Geschäftslage als unbefriedigend oder schlecht, in Schleswig-Holstein sind es sogar 40 Prozent.

Auftragsmangel beklagen 44 Prozent aller Unternehmen im Norden (Schleswig-Holstein: 45 Prozent), vier weniger als im Oktober, aber 20 mehr als vor der Krise im Frühjahr 2019. Mittlere bis sehr starke Produktionseinschränkungen erleiden 55 Prozent aller Betriebe im Norden, mit einem Spitzenwert von 68 Prozent in Niedersachsen und 52 Prozent in Schleswig-Holstein. 41 Prozent aller Firmen sehen sich nicht in der Lage vorherzusagen, wann die Produktion wieder das Vor-Corona-Niveau erreicht, 39 Prozent erwarten dies im Laufe des Jahres, 20 erst im nächsten Jahr. 35 Prozent der Schleswig-Holsteinischen Unternehmen wagen keine Vorhersage, 20 Prozent rechnen erst 2022 mit einer Entspannung der Lage.

Weitere Umsatzrückgänge nach dem Einbruch im vergangenen Jahr befürchten 27 Prozent der Betriebe (in Schleswig-Holstein sogar 37 Prozent). 42 Prozent der norddeutschen M+E-Betriebe nutzen weiter Kurzarbeit, fünf Prozent weniger als im Oktober, aber sieben Prozent mehr als zum Beginn der Corona-Krise. Durchschnittlich werden in diesen Unternehmen noch weitere acht Monate mit Kurzarbeit erwartet, was in der Summe eineinhalb Jahre mit diesem Instrument ausmachen würde.

21 Prozent aller Firmen im Norden wollen in den nächsten drei Monaten ihre Mitarbeiterzahl verringern, in Niedersachsen sogar 35 Prozent, in Schleswig-Holstein 25 Prozent. Nur 13 Prozent aller Unternehmen planen Neueinstellungen bis zum Frühjahr, 21 im Laufe des Jahres.

76 Prozent aller Firmen beklagen weiterhin die hohen Arbeitskosten als den schädlichsten Wirtschaftsfaktor in Deutschland. Nur noch 51 Prozent betrachten nach dem Wechsel im US-Präsidentenamt und dem vollzogenen Brexit die internationale Politik als belastend. Die deutsche Politik ist gleichwohl Stein des Anstoßes, erklärt der AGV NORD-Vorsitzende Julian Bonato: "Die Bundesregierung muss in dieser schweren Krise aufhören, uns mit überflüssiger Homeoffice-Pflicht, einer teuren EU-Mindestlohninitiative oder einem unverhältnismäßigen Lieferkettengesetz weiter zu belasten. Nötig wären vielmehr praktikable Reise- und Quarantäne-Regelungen für Firmenmitarbeiter, damit auch in Corona-Zeiten Akquise und Montage stattfinden können."

174 Unternehmen mit rund 94.000 Beschäftigten aus den vier Verbänden nahmen an der Befragung in Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein (hier: 62 Unternehmen mit gut 24.0000 Mitarbeitern) und dem nordwestlichen Niedersachsen teil.

Die ausführliche Präsentation der Konjunkturumfrage: meinarbeitgeberverband.de

Die Tabellen mit den Detailergebnissen der einzelnen Bundesländer:
meinarbeitgeberverband.de/

Der Nordmetall-Vizepräsident aus Lübeck, Robert Focke, zieht eine düstere Bilanz.

Der Nordmetall-Vizepräsident aus Lübeck, Robert Focke, zieht eine düstere Bilanz.


Text-Nummer: 143161   Autor: Nordmetall/Red.   vom 08.02.2021 um 11.09 Uhr

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