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Christen und Narren

Lübeck: Archiv - 13.02.2021, 09.03 Uhr: Eigentlich wird in diesen Tagen Karneval gefeiert. In Norddeutschland ist dieser Brauch nur schwach ausgeprägt. Pastorin i.R. Ellen Naß geht in diesen Tagen einem Brief von Apostel Paulus nach, der sich selbst als Narr bezeichnete.

Gerade ist wieder Karnevalszeit. Außer den üblichen Fernsehsendungen bemerkt man in diesem Jahr dank Corona fast nicht davon. Aber nächste Woche ist Aschermittwoch; in anderen Jahren wären in vielen Städten die Straßen voll von feiernden, verkleideten Menschen. Die Karnevalsumzüge würden stattfinden, unsere Kinder hätten Faschingsfeiern in der Schule oder in Vereinen.

Ich bin eine gebürtige Norddeutsche. Wie die meisten Norddeutschen kann ich mit Karneval oder Fasching nicht viel anfangen. Ich versuche, die Beiträge im Fernsehen zu vermeiden. Aber trotzdem bekommt man natürlich mit, dass wir die 5. Jahreszeit haben. Jetzt stelle ich in diesem Jahr fest, dass es irgendwie doch fehlt, das Treiben der Jecken und Narren, irgendwo in Deutschland und in der Welt.

Sich zu verkleiden und Unfug zu treiben ist eine jahrtausendealte Tradition. Menschen haben es schon immer gemacht. „Kinder und Narren sagen die Wahrheit“, so lautet ein altes Sprichwort. Auch bei unserem Karneval geht es ja nicht nur darum, Alkohol zu trinken, es werden auch politische und gesellschaftliche Themen angesprochen.

Obwohl Karneval so beliebt ist, so viele Menschen Zeit, Geld und Energie darauf verwenden, als Narren mitzufeiern, ist es eine Beleidigung, wenn ich jemanden als „Narren/ Närrin“ bezeichne. Im täglichen Leben wollen wir keine Narren sein.

Deshalb halte ich es für bemerkenswert, dass der Apostel Paulus in seinen Briefen sich selbst als „Narr“ bezeichnet, Er sagt sogar, alle Christen wären Narren um Christi willen.

Natürlich gibt es bei Christen viele Dinge und Handlungen, die Außenstehende für dumm halten. Dazu zählt, dass wir Kirchensteuern zahlen, zusätzlich noch spenden, uns engagieren, Zeit im Gottesdienst oder auf einer kirchlichen Veranstaltung statt beim Sport verbringen. Dazu zählt vielleicht auch, dass wir Gott vertrauen, auch wenn es uns nicht gut geht.

Dabei war der Narr teilweise – auch zur Zeit des Paulus – eine angesehene Persönlichkeit. Ich denke, dass Paulus hier mit dem Wort kokettiert, eigentlich stolz darauf ist, was er ist, was wir sind. Hofnarren waren die einzigen, die Herrschern die Wahrheit sagen durften, wenn auch in der Komik versteckt – sie wurden dadurch zu klugen und unabhängigen Beratern. In Karnevalsumzügen kommen ja auch viele Meinungen zum Vorschein, auf die sonst nicht unbedingt gehört wird. Einige satirische Sendungen verkünden Wahrheiten, die man sonst nicht gerne hört.

Solche Narren meint Paulus, wenn er schreibt, dass er sich zum Narren macht um Christi willen, dass wir alle Narren Christi sind. Denn was auf den ersten Blick unvernünftig zu sein scheint, das ist oft sinnvoller als anderes.

Wenn ich spende, mich um andere kümmere, dann geht es allen besser. Im Gottesdienst komme ich zur Ruhe – und zu Einsichten und Erkenntnissen, die ich sonst nicht gehabt hätte. Ich vermisse sie im Augenblick sehr. Wenn ich Gott vertraue, obwohl es mir nicht gut geht, obwohl ich leide, dann bin ich wenigstens nicht allein, ich weiß, dass da jemand ist, der mich trägt und mir hilft – und oft genug schickt Er mir auch Menschen, die mich tragen und die mir helfen.

Ich glaube nicht, dass ich mich mit Karnevalsfeiern anfreunden kann, jedenfalls nicht so, dass ich selber begeistert mitfeiere. Aber Närrin Christi zu sein, das tut gut und ist gut. Fasching kann uns daran erinnern, dass wir Narren und Närrinnen Christi sind, nicht mehr und nicht weniger, aber in der Weisheit Gottes.

Pastorin i.R. Ellen Naß veröffentlicht ihre Gedanken zum Wochenende im Wechsel mit Pastor i.R. Heinz Rußmann.

Pastorin i.R. Ellen Naß veröffentlicht ihre Gedanken zum Wochenende im Wechsel mit Pastor i.R. Heinz Rußmann.


Text-Nummer: 143252   Autor: red.   vom 13.02.2021 um 09.03 Uhr

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