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Lübecks Museen in der Pandemie: 59 Prozent weniger Besucher

Lübeck: Natürlich steht auch die Bilanz der Lübecker Museen des vergangenen Jahres ganz im Zeichen der Corona-Pandemie: Rund 92.000 Besuche konnte der Museumsverbund im vergangenen Jahr zählen; eine Zahl, die mit einem Minus von 59 Prozent im Vergleich zum Vorjahr natürlich auf den Lockdown im Frühjahr und ab November 2020, die folgenden Einschränkungen des Museumsbetriebes inklusive des Ausfalls der Museumsnacht, aber auch auf die umbaubedingte Schließung des Buddenbrookhauses zurückzuführen ist.

Erfreut zeigen sich Gabriela Schröder und Hans Wißkirchen, dass sowohl das St. Annen Museum als auch das Museum Holstentor im Zeitraum von Mai bis September so gut besucht waren, dass die Besucherzahlen beider Häuser ein nur geringes Minus im Vergleich zum Vorjahr erzielt hätten. Dies zeige, dass das „Prinzip Museum“ auch in der Krise funktioniere. Die Ausstellung „Nordic Design“ im St. Annen-Museum fand großen Anklang bei den Besucher:innen. Das Museum Holstentor sei dagegen vor allem in den Sommermonaten wie immer ein Touristenmagnet gewesen.

Außerdem wurden die Lernprozesse und Herausforderungen, die sich bei der Verlegung diverser Angebote ins Digitale ergaben, als positiv und richtungsweisend für die Zukunft empfunden. Neue Formate wie zum Beispiel Ausstellungsvideos, die Digital Story oder virtuelle Archive sollen künftig weiterhin als ergänzendes Angebot für den analogen Museumsbesuch bestehen bleiben und kontinuierlich erweitert werden. Erfreulich war zudem die Tatsache, dass die erste bislang rein digitale Ausstellung der Lübecker Museen MUSEEN, die „Jahresschau der Lübecker Künstlerinnen und Künstler 2020“ in der Kunsthalle St. Annen (Laufzeit: November bis voraussichtlich April 2021) sehr gut angenommen wurde.

Ausblick auf das Jahr 2021

Sobald die Pandemie-Lage es zulässt und Museen wieder öffnen dürfen, ist die erste Ausstellung in diesem Jahr im Museum Behnhaus Drägerhaus zu sehen. Unter dem Titel „Angst kommt vor dem Schrei“ verbindet die Künstlerin Ute Jürß Bild und Sprache in einer Audio-Installation. Zu sehen sind Zeichnungen, zu hören sind speziell für diese Arbeit von Feridun Zaimoglu entwickelte Gedichte, in denen kleine Szenen eher angedeutet als auserzählt werden: Subtil und suggestiv provozieren sie imaginierte Bilder.

Ein Thema so alt wie die Menschheit selbst hat sich der Leiter der Lübecker Völkerkundesammlung Dr. Lars Frühsorge für seine zweite Ausstellung in der Hansestadt ausgesucht: „Sex und Vorurteil“ lautet ihr Titel. Vom 26. März bis 29. August sollen in den Räumen des St. Annen-Museums erotische Kunstwerke aus Europa, Afrika und Asien zu sehen sein, die zu kulturvergleichenden Betrachtungen von Geschlechterrollen und Sexualität einladen. Fälle von Trans- und Intersexualität etwa, die vielen Deutschen noch neu und kontrovers erscheinen, haben in anderen Weltgegenden bereits seit Jahrhunderten ihren gesellschaftlichen Platz gefunden. Ebenso soll die Ausstellung manche Vorurteile und Klischees, die hier über das Liebesleben in anderen Weltgegenden vorherrschen, kritisch hinterfragen. Geplant ist außerdem ein weitgefächertes Begleitprogramm, das Raum für Fragen (und Antworten!) lässt. Hierbei kooperiert die Völkerkundesammlung u.a. mit dem Christopher Street Day, der Lübecker Aidshilfe und Lambda Nord e.V. Die Ausstellung verspricht schon jetzt ein Publikumsmagnet zu werden.

Am 27. März jährt sich der Geburtstag von Heinrich Mann zum 150. Mal. Das Buddenbrookhaus wird dieses Jubiläum in Form einer Festwoche vom 22. bis 28. März begehen: Geplant sind neben einer umfassenden Plakataktion eigens für diesen Anlass erstellte Videos, Podcasts und Social Media Beiträge. Am 27. März selbst haben Heinrich Mann-Fans unter dem Motto „Ein Geschenk für dich“ die Möglichkeit, persönlich zum Museumsshop „Buddenbrooks am Markt“ zu kommen und dem Schriftsteller zum Geburtstag zu gratulieren. Als Geschenk erhalten sie im Gegenzug eines der Werke Heinrich Manns – nur so lange der Vorrat reicht!

Ein großes Jubiläum soll ab dem 16. Mai in der Kunsthalle St. Annen begangen werden, die das Multitalent Armin Mueller-Stahl zu seinem 90. Geburtstag mit einer Ausstellung würdigt. Der 1930 in Tilsit/Ostpreußen geborene Maler, Musiker und Schauspieler stellt mit der Vielschichtigkeit seiner künstlerischen Ausdrucksweisen eine Ausnahmeerscheinung in der Kunst des 21. Jahrhunderts dar. In der Ausstellung steht vor allem das Schaffen Mueller-Stahls im Bereich der bildenden Kunst im Fokus. Gleichzeitig soll anhand der Gegenüberstellung von Filmsequenzen und Szenenfotos deutlich gemacht werden, dass für Mueller-Stahl sein schauspielerisches und malerisches Schaffen stets eine Symbiose eingehen und sich seine unterschiedlichen künstlerischen Aktivitäten gegenseitig beeinflussen. Die Präsentation umfasst eine große mediale Bandbreite.

Vom großen Gewinn für das so genannte Gavnø-Retabel durch dessen umfassende Restaurierung kann man sich vom 5. Juni bis 3. Oktober im St. Annen-Museum überzeugen und zugleich spannende Einblicke in den Arbeitsprozess der Restaurierung erhalten. Anhand dieses kostbaren spätmittelalterlichen Altaraufsatzes von Jacob van Utrecht erfahren die Besucher mehr über den Aufbau eines Altars und die Fertigungsprozesse sowie über seine jahrhundertealte Geschichte und die historischen Umstände seiner Entstehung. Diese Ausstellung führt außerdem in den großen Themenkomplex der Malerei zur Reformation und deutschen Renaissance ein und sensibilisiert die Gäste damit für die große Ausstellung zur Kunst des Hans Kemmer und Lucas Cranach im Herbst.

„60 Jahre Abkommen zwischen der BRD und der Türkei“ ist ein weiteres Jubiläum, das 2021 in den Lübecker Museen begangen wird. Ab dem 26. Juni widmet sich das Industriemuseum Geschichtswerkstatt Herrenwyk mit der Sonderausstellung „Gastarbeiter“ dem Thema Arbeitsmigration in Lübeck am Beispiel des Hochofenwerks. Unter anderem werden darin Aspekte wie die Zwangsarbeit am Hochofenwerk sowie Alltag und Lebensbedingungen der damals in der Hansestadt ansässigen Gastarbeiter aufgegriffen. Auch der Frage nach heutigen billigen Fremdarbeitern soll genügend Raum gegeben werden. Das Museum ist zur Vorbereitung der Ausstellung mit zahlreichen ehemaligen Gastarbeitern und deren Nachkommen im Gespräch, um konkrete Einzelschicksale beleuchten zu können. Die Ausstellung entsteht in Kooperation mit dem Haus der Kulturen und der Völkerkundesammlung Lübeck.

Im Günter Grass-Haus wird in diesem Jahr die Dauerausstellung erneuert. Ein Schwerpunkt dabei soll auf den Themen Umwelt und Nachhaltigkeit im Werk des Literaturnobelpreisträgers liegen. Dieses Thema wird voraussichtlich ab Juli im Obergeschoss des Museums gezeigt. Günter Grass war mit seinen Denkansätzen in Sachen Umweltschutz seiner Zeit weit voraus. Ab November wird dann die Dauerausstellung im Hauptraum im Erdgeschoss und im Treppenhaus neu gestaltet. Es sollen künftig mehr Originale zu sehen sein, da das Günter Grass-Haus in den letzten Jahren bedeutende Sammlungszuwächse zu verzeichnen hatte.

Das Museum für Natur und Umwelt strebt ab dem 29. August das Thema Fossilienfunde aus Pampau und die Artenvielfalt der Ur-Nordsee an. Geplant ist eine Ausstellung mit dem Titel „In einem Meer vor unserer Zeit“, in der neue Highlights und laufende Forschungsarbeiten des Grabungsteams in Pampau präsentiert werden sollen. Das Museum und das Grabungsteam sind diesbezüglich noch in den letzten Abklärungen, so dass die Realisierung der Ausstellung aktuell noch nicht bestätigt werden kann.

Um ein für die Hansestadt Lübeck bedeutsames Jubiläum geht es ab dem 1. September im Museum Behnhaus Drägerhaus: Das Museum in der Königstraße wird 100 Jahre alt! Denn am 1. September 1921 öffnete das im Februar durch den Lübecker Staat erworbene „Behnsche Haus“ erstmals seine Pforten als Museum. Der damalige Museumsdirektor Carl Georg Heise präsentierte hier Lübecker Kunst des 19. und frühen 20. Jahrhunderts und legte damit den Grundstein für seine in den 1920er Jahren folgende Sammlungs- und Ausstellungsarbeit. Daran soll die Jubiläumsausstellung „100 Jahre Nordische Woche, 100 Jahre Behnhaus als Museum“ anknüpfen und von Alfred Mahlaus Plakat zur Nordischen Woche über Hauptwerke des 19. Jahrhunderts (Gröger, Overbeck, Kuehl) sowie von Heise geförderte Künstler des 20. Jahrhunderts (deutsche Expressionisten und Neue Sachlichkeit) bis zu Kunsthandwerk und Fotografie einen weiten Bogen der Moderne schlagen.

Dieser Thematik schließt sich auch das Buddenbrookhaus an, das im Rahmen seiner Interimsausstellung „Buddenbrooks im Behnhaus“ mit „Lübeck `21. Thomas Manns neuer Norden“ zeitgleich das Sonderthema seines aktuellen Interimsquartiers aufgreift. In der Schau sollen ausgehend von Thomas Manns Schlüsselrede über Goethe und Tolstoi zur Nordischen Woche am 4. September 1921 verschiedene Dimensionen des „Nordischen“ in Leben und Werk des Autors aufgezeigt werden – darunter die Bedeutung Lübecks als Thomas Manns ganz „eigener Norden“, die Bedeutung des Konzepts des Nordens für seine literarischen Werke, aber auch völkisch-rassistische Komponenten im Begriff des „Nordischen“, gegen die Thomas Mann schon bald Stellung bezog.

Als absolutes Highlight im Ausstellungsjahr 2021 der Lübecker Museen gilt schon jetzt „Lucas Cranach d.Ä. und Hans Kemmer – Meistermaler der Reformation“, die vom 24. Oktober bis 6. Februar 2022 im St. Annen-Museum zu sehen sein wird. Anlässlich des 460. Todestages des Lübecker Malers Hans Kemmer, der seine Gesellenjahre in der Wittenberger Werkstatt von Lucas Cranach d. Ä. verbracht und dort wertvolle Impulse für sein weiteres Schaffen erfahren hat, werden die beiden Malerpersönlichkeiten einander gegenübergestellt. Die Schau wird rund 40 Gemälde und dazu ausgewählte Druckgrafiken versammeln, die zugleich zeigen, wie sich die Kunst nach der Reformation gewandelt hat und welche Menschen die Geschicke in Lübeck beeinflusst haben. Neben wertvollsten Originalen von Cranach werden damit erstmals alle greifbaren Werke Kemmers in einer Ausstellung versammelt, die zum Teil noch nie öffentlich zu sehen waren, darunter Exponate aus Schwerin, Gotha, Leipzig, Würzburg, Bamberg, Wien, Nyköping (Schweden) und Los Angeles.

Einen Perspektivwechsel wagt die Kunsthalle St. Annen ab 9. November, wenn sich die Deutsche Einheit zum 30. Mal jährt: In einem übergreifenden Kooperationsprojekt mit der Kunsthalle Rostock zeigt sie Kunst ab 1945, von der Zeit der innerdeutschen Teilung bis in die Gegenwart, aus den Sammlungen der Kunsthallen Lübeck und Rostock. Trotz der geografischen Nähe der beiden Hansestädte sind die Sammlungen in verschiedenen Gesellschaftssystemen entstanden. Wie wurde Kunst in Ost- und Westdeutschland vor und nach der Wende wahrgenommen? Ausgewählte Werke aus den Beständen beider Museen werden zusammengeführt und in einen spannungsreichen Dialog gebracht. Auch der Blick in die Gegenwart lohnt sich: Wie haben sich die Sammlungen nach der Wende entwickelt und wie ist das Verhältnis zwischen Ost und West heute? Die Ausstellung „Perspektivwechsel“ markiert gleichzeitig den Beginn einer langfristigen Zusammenarbeit zweier wichtiger Kunstinstitutionen im Norden Deutschlands und setzt sich zum Ziel, den kulturellen Zusammenschluss und Austausch im Ostseeraum zu stärken.

Ende des Jahres schließlich ist wieder eine Präsentation der Gemeinschaft der Lübecker Künstler geplant, die 2021 erstmals im Industriemuseum Geschichtswerkstatt Herrenwyk stattfindet. Dementsprechend lautet das Thema, das die Künstler in diesem Jahr bearbeiten und interpretieren sollen, „Industrie und Alltag“. Die Vorgabe für die Werke lautet, dass sie einen thematischen Bezug zum Museum oder einen regionalen Bezug zum Stadtteil aufweisen müssen. Die Ergebnisse werden im Industriemuseum bis voraussichtlich April 2022 zu sehen sein.

Das Holstentor verzeichnete in der kurzen Touristen-Saison im vergangenen Jahr besonders viele Besucher.

Das Holstentor verzeichnete in der kurzen Touristen-Saison im vergangenen Jahr besonders viele Besucher.


Text-Nummer: 143311   Autor: Museen   vom 16.02.2021 um 12.58 Uhr

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