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Hanse- Unternehmerinnen: Mit Mut die Chancen ergreifen

Lübeck: Archiv - 23.02.2021, 22.44 Uhr: Trotz Einschränkungen, die der Pandemie geschuldet waren, hat am Dienstagabend die traditionelle Jahresveranstaltung der Hanse-Unternehmerinnen stattgefunden. Mit Hilfe des Hansemuseums und der MuK wurde die Veranstaltung weitgehend virtuell gestaltet.

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Ellen Ehrich, Vorsitzende der Hanse-Unternehmerinnen, begrüßte die virtuellen Gäste.

Ein großer interessierter Zuhörerinnen und Zuhörerkreis war per Video zugeschaltet, als die Vorsitzende Ellen Ehrich alle der Veranstaltung zugeschalteten Teilnehmer pünktlich um 18.30 Uhr begrüßte. Sie führte dann auch gleich in das Thema ein, das man sich für die diesjährige Veranstaltung vorgenommen hatte. Der außergewöhnliche Lebensweg der Lübeckerin Dorothea Schlözer sollte erörtert werden und eine hochkarätig besetzte Diskussionsrunde wollte ausloten, inwieweit ihr emanzipatorisch anmutender Lebensweg als bahnbrechend für die Durchsetzung der Gleichberechtigung angesehen werden konnte.

Die Hanse-Unternehmerinnen sind eine Frauenvereinigung, die sich an den Grundsätzen des ehrbaren Lübecker Kaufmanns orientiert, wie Ellen Ehrich immer wieder gern betont. Einen Schirmherrn hat man sich dann aber doch für die Veranstaltung gegönnt. Stadtpräsident Klaus Puschaddel sprach einleitende Worte, in denen er hervorhob, wie segensreich ein Kompetenznetzwerk wie die Hanse-Unternehmerinnen seinerzeit für Dorothea Schlözer gewesen wäre, wenn es derartiges zu ihren Lebzeiten bereits gegeben hätte.

Dr. Anne Bentkamp, Autorin über einen biographisch angelegten Schlözer-Roman, griff diese Gedanken in ihrem Impulsvortrag gern auf und berichtete von der Wette, die Vater Schlözer mit einem Kollegen bereits vor der Geburt von Dorothea eingegangen war. Zu seinem Pech wurde der erwartete Sohn eine Tochter, nämlich Dorothea. Die Wette, das gelehrigste Kind zu besitzen wurde aber aufrechterhalten und so wurde Dorothea dermaßen mit Wissen vollgestopft, dass sie schon im zarten Kindesalter als Genie in der Öffentlichkeit präsentiert wurde. Im Alter von siebzehn kam dann bereits die Promotion. Der Vater hatte bewiesen, dass sein Kind das Schlaueste ist und verlor dann das Interesse am Genie seiner Tochter. Schnell wurde eine Ehe arrangiert und Dorothea wurde Salon-Dame.

Jeder Diskussionsteilnehmerin war klar, dass dieses Geschehen alles andere als ein emanzipatorischer Akt und schon gar kein mutiges Eintreten für die Gleichberechtigung der Geschlechter war. Vater Schlözer hat seinem Kollegen demonstriert, dass Frauen keineswegs dümmer waren als Männer, und das war für die damalige Zeit schon einmal ein wichtiger Ansatz. Schließlich vertraten auch große Geister seinerzeit die 'wissenschaftliche Erkenntnis', dass Frauen schon von Natur aus Männern unterlegen waren. Außerdem war die mangelnde Teilhabe von Frauen an der gesellschaftlichen Entwicklung natürlich auch 'göttlicher Wille'. Zur Abschaffung dieses Irrsinns beizutragen war da schon ein wichtiges Zeichen.

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IHK-Präses Friederike C. Kühn im Gespräch mit Moderatorin Susanne Schäfer.

Die anschließende Diskussionsrunde mit Friederike Kühn (IHK), Anja Siegel (Schlözer Schule) , Birgitt Ohlerich (VDU HH-SH), Muriel Helbig (TH-Lübeck) und Felica Sternfeld (Europäisches Hansemuseum) kam dann auch schnell auf aktuelle Gleichstellungsfragen zu sprechen. Nachholbedarf an Frauen, die mehr Mut zu Führungspositionen entwickeln, besteht nach Ansicht der Runde immer noch. Man sollte seinen "Mut zusammennehmen" und auch als Frau gründen und sein Schicksal mit einer eigenen Unternehmung in die Hand nehmen. Friederike Kühn konstatierte, dass dieser Weg zu wenig gewiesen und vorgelebt wird. Mentoring Programme von Frauen für Frauen könnten da helfen.

Hier hören Sie Friederike Kühn im Original-Ton:

Muriel Helbig wies unerwartete Wege. Sie hatte die Familie im Blick und wünschte sich mehr Männer, die auch Elternzeit voll wahrnehmen. Es geht um den Ausbruch aus festgefahrenen Rollen betonte sie mehrfach. Beruf und Familie gleichberechtigt zu organisieren war dann auch ein Konsens, auf den sich die Runde weitgehend verständigen konnte. Firmen und Organisationen dahin zu bringen, dass sie diesen fortschrittlichen Weg auch mitgehen und Arbeitsmodelle anbieten, die diesem Ideal entsprechen ist ein noch zu bewältigendes Problem. Präsidentin Ellen Ehrich sah aber in ihrem erweiterten Familienkreis bereits vielversprechende Ansätze eines solchen Umdenkens.

Im Original-Ton unterhalb des Bildes hören Sie Ellen Ehrich, Dr. Anne Bentkamp und Schirmherr Klaus Puschaddel.

Dr. Anne Bentkamp berichtete als Einführung zur Diskussion über Dorothea Schlözer. Screenshots, O-Töne: Harald Denckmann

Dr. Anne Bentkamp berichtete als Einführung zur Diskussion über Dorothea Schlözer. Screenshots, O-Töne: Harald Denckmann


Hier hören Sie den Originalton:

Text-Nummer: 143447   Autor: Harald Denckmann   vom 23.02.2021 um 22.44 Uhr

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