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Gewalt gegen Polizeibeamte: Studie vorgestellt

Lübeck: Archiv - 01.03.2021, 13.40 Uhr: Seit Jahren ist die Zahl der im Einsatz verletzten Polizeibeamten in Lübeck überdurchschnittlich hoch. Die Polizei hat die Widerstandshandlungen jetzt wissenschaftlich untersuchen lassen. Einen eindeutigen Grund gibt es nicht. In Lübeck sei aber durch die soziale Struktur, Urbanität und Straßenkriminalität mit mehr verbalen und tätlichen Angriffen zu rechnen.

In Schleswig-Holstein zeigt sich bezogen auf die Anzahl an Fällen, Betroffenen und Verletzten in den offiziellen Statistiken bereits über lange Zeit hinweg eine erhöhte Belastung für die Hansestadt Lübeck. Von 2015 bis 2018 zeigte sich für Schleswig-Holstein ein Wiederanstieg von Gewalt gegen Polizeibeamtinnen und -beamte von 1.084 auf 1.290 registrierte Fälle. Auch die jährliche Zahl der von Gewalt Betroffenen stieg in diesem Zeitraum von 2.014 auf 2.658 erheblich an. Für die Zahl der Verletzten zeigte sich eine leichte Zunahme von 355 auf 396. Die Zahlen für 2019 waren erfreulicherweise mit 1254 registrierten Fällen, 2613 von Gewalt Betroffenen und 386 Verletzten wieder leicht rückläufig. Für 2020 hat sich allerdings mit 1280 Fällen, 2872 von Gewalt Betroffenen und 438 Verletzten wieder ein deutlicher Anstieg ergeben. Vor diesem Hintergrund wurde durch die Polizeidirektion Lübeck und das Landespolizeiamt ein Forschungsprojekt angeschoben, das durch die kriminologische Forschungsstelle des Landeskriminalamtes Schleswig-Holstein in den Jahren 2018 und 2019 durchgeführt wurde.

Die Untersuchung zeigte, dass dem "Urbanitätsgrad" und dem allgemeinen Ausmaß an Straßenkriminalität in einer Region eine wesentliche Rolle für das Zustandekommen von Gewalt gegen Polizeibeamte zukommt. Je höher die Straßenkriminalität und je urbaner eine Region, desto mehr Gewalt gegen Polizeibeamte wird verzeichnet. Aber auch weitere Merkmale der Bevölkerung und der Kommunen wie zum Beispiel der Anteil an Suchtkranken, die Verschuldung der kommunalen Kernhaushalte, der Anteil an Empfängern von Sozialleistungen und die Arbeitslosenquote von Männern gehen mit einem erhöhten Aufkommen von Gewalt gegen Polizistinnen und Polizisten einher.

Laut dem Modell ist für Lübeck aufgrund der kommunalen und bevölkerungsbezogenen Merkmale rechnerisch das höchste Aufkommen von Gewalt gegen PVB im Bundesland zu erwarten.

Als eine weitere Teilursache konnten Unterschiede in den Anzeigewahrscheinlichkeiten der Polizeibeamten zwischen den Regionen identifiziert werden. So zeigte sich, dass die Beamten in Lübeck bei Widerstandsdelikten in etwa dieselbe Anzeigewahrscheinlichkeit aufweisen, wie in den schleswig-holsteinischen Landkreisen. In den anderen drei kreisfreien Städten - Flensburg, Neumünster und Kiel - hingegen fallen die gemessenen Anzeigewahrscheinlichkeiten geringer aus.

Das Vorgehen der Lübecker Beamten im Einsatz weist keine Unterschiede zu anderen Bereichen in Schleswig-Holstein aus.

"Als Erklärung für die Höherbelastung Lübecks kann daher ein komplexes Zusammenspiel aus spezifischen kommunalen und sozio-strukturellen Merkmalen sowie einer organisationsbezogenen Sensibilisierung und daher erhöhten Anzeigewahrscheinlichkeit angenommen werden", erklärte der Kriminalpsychologe Dr. Lars Riesner zusammenfassend.

Landespolizeidirektor Michael Wilksen: "Ein wesentlicher und wichtiger Praxisgewinn dieser wissenschaftlichen Studie ist die Entwicklung weiterer konkreter Instrumente für die Polizeibeamtinnen und Polizeibeamten in Schleswig-Holstein. So geht es vor allem um den Umgang mit Bürgerinnen und Bürgern in konflikthaften Einsatzsituationen, wie auch um die Durchführung von standardisierten Einsatznachbereitungen, denn nach einem Einsatz ist vor einem Einsatz."

Auf der Internetseite der Landespolizei Schleswig-Holstein ist ab sofort eine Managementfassung des Abschlussberichtes "Ursachenanalyse zu Gewalt gegen Polizeivollzugsbeamtinnen und -beamte in der Hansestadt Lübeck" abrufbar: www.schleswig-holstein.de

Die Polizei hat untersuchen lassen, warum in Lübeck Polizeibeamte häufiger beleidigt und angegriffen werden. Foto: Oliver Klink

Die Polizei hat untersuchen lassen, warum in Lübeck Polizeibeamte häufiger beleidigt und angegriffen werden. Foto: Oliver Klink


Text-Nummer: 143552   Autor: LPA/VG   vom 01.03.2021 um 13.40 Uhr

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