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HL historisch: Todesschüsse im Landgericht

Lübeck: Archiv - 06.03.2021, 11.02 Uhr: Sie hallten nicht nur durch Schwurgerichtssaal 157 des Lübecker Landgerichts. Sie erregten internationale Aufmerksamkeit. Vor 40 Jahren, am 6. März 1981, erschoss Marianne Bachmeier den mutmaßlichen Mörder ihrer Tochter Anna, den Triebtäter Klaus Grabowski vor Gericht.

Zehn Monate zuvor, Anfang Mai 1980, war die Leiche ihrer siebenjährigen Tochter Anna in einem Erdloch am Kanal gefunden worden. Im März 1981 stand Grabowski vor Gericht. Zwei Tage war gegen ihn verhandelt worden. Aufmerksame Zuhörerin: Marianne Bachmeier. Am dritten Verhandlungstag zog sie eine Pistole des Typs Beretta und feuerte mehrere Schüsse auf Grabowski, der ihr den Rücken zuwandte. Er brach tot zusammen.

1982/83 stand Marianne Bachmeier selber vor Gericht. Der Fall hatte ungeheures Medienecho ausgelöst. Sogar Fernsehteams aus dem Ausland waren nach Lübeck gekommen, hatten schon vorher Bürger in der Stadt interviewt. Die Meinung in der Bevölkerung war durchaus geteilt. Manche zeigten Verständnis für die Mutter, andere verurteilten die Tat als Akt von Selbstjustiz.

Insgesamt 28 Verhandlungstage waren bis zum Urteilsspruch nötig. Auch aus dem Gerichtssaal wurde intensiv berichtet. Ein Beispiel: dpa, die Deutsche Presse-Agentur, hatte zwei Kollegen im Saal. Vor dem Gerichtsgebäude stand ein Wagen mit Funktelefon. Etwa alle zwei Stunden wurde ein neuer Text an die dpa-Zentrale in Hamburg durchgegeben. Das war damals die modernste Methode.

Das Gericht verurteilte Marianne Bachmeier am 2. November 1982 wegen Totschlags und unerlaubten Waffenbesitzes zu sechs Jahren Freiheitsstrafe. Ob die Tat Totschlag oder Mord war, wurde seither immer wieder von Juristen diskutiert und unterschiedlich bewertet.

Marianne Bachmeier wurde nach drei Jahren vorzeitig aus der Haft entlassen. Für sie begann ein unruhiges Leben. Sie ging mit einem Mann, den sie inzwischen geheiratet hatte, nach Lagos in Nigeria. Nach der Scheidung suchte sie in der Schweiz, dann in mehreren Orten auf dem italienischen Festland nach einer neuen Heimat. Sie meinte sie schließlich in Palermo auf Sizilien gefunden zu aben. Über ihr Leben erzählte sie in einem Roman „Palermo, amore mio“.

Auf Sizilien erfuhr sie, dass sie an einer besonders heimtückischen Art von Krebs erkrankt war und nicht mehr lange zu leben hatte. Sie kehrte nach Lübeck zurück. Hier starb sie am 17. September 1996 und wurde neben ihrer Tochter Anna auf dem Burgtorfriedhof begraben. Das Grab ist inzwischen eingeebnet worden.

Über ihr Leben, ihre Tat wurden zwei Kinofilme gedreht. Beide erschienen 1984. Hark Bohm (Nordsee ist Mordsee; Moritz, lieber Moritz) nannte seinen Streifen „Der Fall Bachmeier – Keine Zeit für Tränen“. Marie Colbin spielte die Hauptrolle. Der zweite Film stammt von Regisseur Burkhard Driest mit Gudrun Landgrebe in der Hauptrolle. Der Titel kurz und knapp: „Annas Mutter“. Damals wusste jeder in Deutschland, wer mit Annas Mutter gemeint war.

Marianne Bachmeier auf Weg in die Haftanstalt. Foto: rtn / Archiv

Marianne Bachmeier auf Weg in die Haftanstalt. Foto: rtn / Archiv


Text-Nummer: 143652   Autor: TD   vom 06.03.2021 um 11.02 Uhr

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