Diese Seite verwendet Cookies für die Funktionalität und für anonymisierte Statistiken.
Stimmen Sie auch der Verwendung von Cookies durch Drittanbieter auf dieser Website für die Schaltung von personalsierter Werbung zu? Weitere Informationen
Sie können Ihre Zustimmung jederzeit auf der Seite Impressum / Datenschutz widerrufen.
Dort finden Sie auch weitere Informationen zu Cookies.

Ausschuss für Gleichstellung tagte zum Equal Pay Day

Lübeck: Die Märzsitzung des außerparlamentarischen Gleichstellungsausschusses fand in einer geöffneten Online-Sitzung statt - das heißt, außer den 15 gewählten Mitgliedern konnten sich auch noch Interessenten aus den angeschlossenen Verbänden anmelden. Besonderer Gast war die frisch gewählte Kultursenatorin der Hansestadt Lübeck, Monika Frank, die über ihren "Amtseinstieg in Krisenzeiten" berichtete.

Zwar sei der Einblick ins städtische Leben und auch in manche Bereiche der Verwaltung durch den Lockdown erschwert; doch konnte Frau Frank vor dem Hintergrund ihrer Erfahrungen aus Bremen, in welchem sie auch für das Frauendezernat des Landes zuständig war, bereits einige Beobachtungen bewerten – auch gleichstellungspolitisch. So sei zum Beispiel die eher geringe Lübecker Kinderbetreuungsquote problematisch einzuschätzen. Nach einer Frage- und Diskussionsrunde bot die Senatorin an, weiterhin im Gespräch mit dem außerparlamentarischen Gleichstellungsausschuss zu bleiben.

Die Sitzung war nicht ohne Absicht auf den 10. März gelegt worden: Im Jahr 2021 lag der Equal Pay Day (EDP) relativ früh: also der Tag, ab dem Frauen, der geschlechtsspezifischen Lohnlücke wegen, im Vergleich mit Männern überhaupt erst anfangen zu verdienen. Die Runde war sich in ihrer Befürchtung einig, dass in den kommenden Jahren dieses Datum – aufgrund überproportionaler Belastung und Benachteiligung von Frauen in der Corona-Krise – noch weiter nach hinten rutschen wird.

Denn es sind vor allem Frauen, die die Kita- und Schulschließungen auffingen, indem sie ihre Erwerbstätigkeit reduzieren. Es sind überwiegend Frauen, die durch die Verlagerung schulischer Anforderungen in die Familien in eine völlige Überlastungssituation im Home-Office gerieten. Es sind Frauen, die aufgrund ihrer Überrepräsentation in sogenannten Minijobs ohne jede soziale Absicherung in die Arbeitslosigkeit entlassen werden. Es sind Frauen, die in den sozialen Berufen zwar öffentlich belobigt, aber weiterhin ausnehmend schlecht bezahlt und obendrein einem erhöhten Gesundheitsrisiko ausgesetzt sind. Es sind die vielen in der Pflege arbeitenden Frauen, die durch die jüngste Volte der kirchlichen Arbeitgeber eines fairen Tarifvertrags beraubt wurden – zwei Wochen vor dem EPD.

Außerdem werden die in der Corona-Krise erhöhten familiären und gesellschaftlichen Spannungen vor allem an den Frauen ausgelassen: durch häusliche Gewalt, erschwerte Trennungen oder auch steigenden Hass und Belästigungen im Internet. Dazu der Lübecker außerparlamentarische Gleichstellungsausschuss: "In dieser Situation müssen Frauen viel stärker berücksichtigt und gefördert werden, als es zurzeit geschieht. Monetäre Aufwertung und mehr Mitbestimmung für die Pflegeberufe; Gender Budgeting – finanzielle Geschlechtergerechtigkeit in den öffentlichen Haushalten; Abschaffung aller strukturellen Benachteiligungen, durch die der Gender Pay Gap in Deutschland höher ist als in vielen anderen Ländern; effektiver Schutz gegen Gewalt: Das wären jetzt die gebotenen Maßnahmen." Aber um dies durchzusetzen, braucht es Parität in der Politik.

Der außerparlamentarische Gleichstellungsausschuss ist im Juni 2019 aus dem Bündnis "Gleichstellung.JETZT." hervorgegangen: als Reaktion darauf, dass seit der Kommunalwahl 2018 der Frauenanteil in der Lübecker Bürgerschaft auf ein historisches Tief gesunken war und Gleichstellungsfragen nicht in einem eigenen Gremium, sondern im männerdominierten Hauptausschuss "mitverhandelt" werden sollten. Wer nichts verpassen möchte, sendet eine Mail an info@gleichstellung.jetzt.

Die Initiative hat sich gebildet, weil die Bürgerschaft keinen eigenen Ausschuss für Gleichstellung schaffen wollte. Foto: Archiv

Die Initiative hat sich gebildet, weil die Bürgerschaft keinen eigenen Ausschuss für Gleichstellung schaffen wollte. Foto: Archiv


Text-Nummer: 143962   Autor: Gleichs. J.   vom 22.03.2021 um 10.24 Uhr

Text teilen: auf facebook +++ auf Twitter +++ über WhatsApp

Text ausdrucken. +++  Text ohne Bilder ausdrucken.