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Geflügelpest: Bereits 17.000 tote Wildvögel

Schleswig-Holstein: Landwirtschaftsminister Jan Philipp Albrecht sieht in der aktuellen Geflügelpest-Epidemie eine immense Belastung für den Vogelbestand und die Geflügelwirtschaft im Land. Bislang sind in Schleswig-Holstein im Zusammenhang mit dem aktuellen Ausbruch rund 17.000 Wildvögel verendet.

„Wir haben den schwersten Ausbruch der Geflügelpest in Schleswig-Holstein zu verzeichnen. Seit fünf Monaten verenden täglich Tiere an dem Virus. Das ist eine immense Belastung für den Naturraum und eine große Herausforderung für alle Beteiligten, mit dieser Situation umzugehen. Die Bewältigung der Geflügelpest-Epidemie ist nur durch den unermüdlichen Einsatz aller Beteiligten in den verschiedensten Bereichen möglich“, sagte Albrecht in seiner Rede vor dem schleswig-holsteinischen Landtag.

Bei 533 Wildvögeln erfolgte der konkrete amtliche Nachweis. Damit ist Schleswig-Holstein das im bundesweiten Vergleich am stärksten und am flächendeckendsten betroffene Bundesland. Die Nachweise zeigen, dass rund 100 Vogelarten betroffen sind, teilweise in hoher Anzahl. So sind von den etwa 10.000 Knutt-Strandläufern, die im Wattenmeer überwintern, fast 3.000 gestorben. Dies ist Ausdruck eines hohen Infektionsdrucks in der Umwelt und stellen hierbei nur die Spitze des Eisbergs dar.

Hinzu kommen zehn Ausbrüche in Hausgeflügelhaltungen, in deren Folge rund 134.000 Stück Geflügel gemäß Geflügelpest-Verordnung getötet werden mussten. Zuletzt wurden im März innerhalb von sieben Tagen zwei Ausbrüche in großen gewerblichen Legehennenhaltungen sowie zwei Ausbrüche in Kleinhaltungen in insgesamt drei Kreisen festgestellt. In den zu diesen Fällen eingerichteten Restriktionszonen befinden sich rund 1,7 Millionen Stück Geflügel, die besonderen Überwachungsmaßnahmen unterliegen. Bundesweit ist die Zahl der Geflügelpestausbrüche in Hausgeflügelhaltungen in den letzten Wochen noch einmal stark angestiegen und liegt mittlerweile bei über 120 Ausbrüchen.

Durch eine gezielte Intensivierung des ganzjährig stattfindenden Monitorings in der Wildvogelpopulation wurde der Eintrag des Geflügelpestvirus im Land sehr früh erkannt und bildete den bundesweiten Auftakt der aktuellen Epidemie. Das Monitoring wird auf Landesflächen durch das LLUR und des LKN durchgeführt.

„Das aktuelle Geflügelpest-Geschehen ist noch nicht zu Ende. Während täglich neue Nachweise bei Wildvögeln in allen Landesteilen geführt werden, können auch weitere Ausbrüche in Hausgeflügelhaltungen nicht ausgeschlossen werden, wie die Situation in anderen Bundesländern zeigt“, sagte Albrecht. Das Friedrich-Loeffler-Institut bewerte das Risiko der Erregerausbreitung in der Wildvogelpopulation genauso wie das Risiko des Erregereintrags in Haltungen aktuell weiterhin als hoch. „Ohne die gute Koordination, das schnelle Agieren und den unermüdlichen Einsatz aller Beteiligten ist die Bewältigung der aktuellen Lage nicht möglich. Ihnen allen gilt mein außerordentlicher Dank“, sagte der Minister.

In der Geflügelpest-Verordnung sind für alle Geflügelhaltungen stets einzuhaltende Biosicherheitsmaßnahmen vorgeschrieben. Hierzu gehört unter anderem, dass Tiere nur an für Wildvögel unzugänglichen Stellen gefüttert werden dürfen. Zudem darf kein Oberflächenwasser für das Tränken der Tiere genutzt werden, zu dem Wildvögel Zugang haben. Futter, Einstreu und sonstige Gegenstände, mit denen das Geflügel in Berührung kommen kann, müssen für Wildvögel unzugänglich aufbewahrt werden. Bei erhöhten Tierverlusten im Bestand ist zudem eine veterinärmedizinische Untersuchung vorgeschrieben, um ein unklares Krankheitsgeschehen im Bestand abzuklären und das Vorliegen einer Infektion mit Geflügelpestviren auszuschließen.

Vor dem Hintergrund des aktuellen Geflügelpestgeschehens in Schleswig-Holstein hat das Landwirtschaftsministerium am 12. November 2020 zusätzlich zu den in der Geflügelpest-Verordnung vorgeschriebenen Regelungen eine Allgemeinverfügung zur Festlegung von sogenannten Biosicherheitsmaßnahmen in Geflügelhaltungen erlassen. Die Einhaltung dieser Hygienevorschriften ist für alle gewerblichen oder privaten Geflügelhalterinnen und -halter im Land verbindlich und gilt weiterhin. Zu den Biosicherheitsmaßnahmen gehört unter anderem, dass in den Ställen gesonderte Schutzkleidung inklusive getrenntem Schuhwerk getragen werden muss. Alle Geflügelhaltungen müssen vor den Eingängen zu den Stallungen mit Desinfektionsmatten oder -wannen zur Schuhdesinfektion ausgestattet werden. Vor Betreten des Stalls sind die Hände zu waschen und zu desinfizieren. Hunde und Katzen sind von den Stallungen fernzuhalten. Transportmittel wie Fahrzeuge und Behältnisse sind nach jeder Verwendung unmittelbar zu reinigen und zu desinfizieren. Dass die Biosicherheitsmaßnahmen eingehalten werden, ist sehr wichtig, da über den Menschen leicht über indirekten Kontakt zu Wildvögeln, etwa über deren Ausscheidungen an Schuhen oder anderen Gegenständen, ein Eintrag in den Stall erfolgen kann. Wird das Virus in Geflügelhaltungen eingetragen, müssen die nicht bereits verendeten Tiere nach den Vorschriften der Geflügelpest-Verordnung getötet werden.

Die Geflügelpest ist in ganz Schleswig-Holstein verbreitet. Foto: Archiv

Die Geflügelpest ist in ganz Schleswig-Holstein verbreitet. Foto: Archiv


Text-Nummer: 144009   Autor: MELUND   vom 24.03.2021 um 14.52 Uhr

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