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Gedanken zu Palmarum

Lübeck: Archiv - 27.03.2021, 09.13 Uhr: In einer Woche feiern wir Ostern. Der Sonntag vor Ostern heißt in der Kirche „Palmarum“. Der Name kommt von dem Bericht über Jesus, der an diesem Sonntag im Gottesdienst vorgelesen wird. Pastorin i.R. Ellen Naß erinnert in ihren Gedanken zum Wochenende an diesen Tag.

Es wird dort berichtet, wie Jesus zum Passahfest nach Jerusalem kommt. Passah ist ein jüdisches Fest, es wird gefeiert zur Erinnerung an die Rettung aus der Sklaverei in Ägypten. Man schlachtet ein Lamm und feiert gemeinsam. Außerdem darf nichts gegessen werden, was Backtriebmittel (Sauerteig, Hefe, Backpulver und ähnliches) enthält. Es ist ein großes Fest, Jesus wollte es mit seinen Jüngern feiern.

Zu diesem Zeitpunkt war er schon bekannt. Viele wussten, dass er Menschen von unheilbaren Krankheiten geheilt, ja sogar Tote auferweckt hatte. Sie hatten seine Reden und seine Erzählungen gehört, sie hatten erlebt, dass er die Welt der „kleinen Leute“ kannte, dass er sie in ihren Nöten und Sorgen unterstützte.

Deshalb bereiteten sie ihm einen triumphalen Empfang. Es ist umstritten, ob sie sich von Jesus auch einen Aufstand gegen und einen Sieg über die Römer erhofften. Jedenfalls begrüßten sie ihn begeistert. Sie legten ihre Mäntel – Umhänge – auf den Boden als roten Teppich sozusagen, sie rissen Palmwedel von den Palmbäumen und legten sie vor ihm auf den Weg. Daher hat der Sonntag diesen Namen, Palmarum. Es war eine einzige große Begeisterung, vielleicht wie nach einer gewonnen Fußballweltmeisterschaft bei uns.

Es ist für die meisten von uns schön, Teil einer so großen und begeisterten Menge zu sein, selbst einer kleinen Gruppe, die gemeinsam von einer Sache erfüllt ist. Deshalb war es so traurig, dass die Gottesdienste so lange ausfielen, Teil einer Gemeinde in einer Kirche zu sein ist etwas ganz anderes, als allein im Sessel oder vor dem Computer zu sitzen.

Doch man muss gut überlegen, ob und wann man Teil solch einer jubelnden Masse sein will, und wenn, welcher. Im Moment gehen ja auch wieder Menschen auf die Straße, feiern und rufen – aber da möchte ich nicht dabei sein.

Denn schon kurz nach diesem frenetischen Jubel wendet sich das Blatt. Die gleiche Menge schreit genauso laut: „Kreuzige ihn, lass Barrabas frei“. So schnell kann sich die Meinung ändern, so schnell kann Beliebtheit umkippen in das genaue Gegenteil. Auch das erleben wir ja im Moment, dass Menschen, die vor ein paar Monaten angesehen waren, sich als Menschen mit tönernen Füßen herausgestellt haben und an Wertschätzung verloren haben.

Das war allerdings bei Jesus nicht der Fall. Jesus ist einfach seinen Weg gegangen. Da gehörte beides dazu: die Verehrung als Sohn Davids, als Nachfolger des Königs von Judäa – und sein Tod am Kreuz, selbst von seinen engsten Vertrauten verlassen. Palmarum, der triumphale Einzug in Jerusalem, war der Anfang seines Leidensweges.

Diesen geraden Weg Jesu sollen wir mitgehen, daran erinnert uns die Woche vor Ostern, die Karwoche. Wir sollen ihm nicht frenetisch zujubeln und nicht, wenn er uns enttäuscht – und auch das erleben Christen ja immer wieder – schreien: „Kreuzige ihn“.

Wir sollen diesen geraden Weg mitgehen, annehmen, was Gott uns schickt, in guten wie in bösen Zeiten, in Freude wie in Leid. Jubeln dürfen wir auch, denn nicht nur Karfreitag, der Todestag Jesu, steht vor der Tür, sondern auch Ostern, das Fest der Auferstehung und der Hoffnung, annehmen müssen wir beides, denn beides gehört zum Leben dazu.

Palmarum kann uns Mut machen, nicht vorschnell zu jubeln oder vorschnell aufzugeben und zu verurteilen, sondern aus Gottes Hand anzunehmen, was Er uns schickt. Jesus wird bei uns sein, denn er ist selbst diesen Weg gegangen.

Pastorin i.R. Ellen Naß erläutert die Bedeutung von Palmarum.

Pastorin i.R. Ellen Naß erläutert die Bedeutung von Palmarum.


Text-Nummer: 144059   Autor: red.   vom 27.03.2021 um 09.13 Uhr

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