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HL historisch: Heinrich und Thomas – ungleiche Brüder

Lübeck: Vor 150 Jahren, am 27. März 1871, wurde einer der bekanntesten Söhne Lübecks geboren: Heinrich Mann, der ältere Bruder Thomas Manns. Die Mitarbeiter des Buddenbrookhauses beziehungsweise der Lübecker Museen, haben ein großes Programm vorbereitet; bis hin zu Buch-Verschenkaktion am 27. März – solange der Vorrat reicht.

Ein solches Jubiläum wirft fast automatisch die Frage nach dem Verhältnis der Brüder auf. Thomas Mann war der erfolgreichere, zweifellos. Mancher Literaturfreund hält allerdings Heinrich für den bedeutenderen Schriftsteller. Das scheint jedoch ein Gedanke, den man Lübeck nicht äußern darf.

Ein Beispiel: Vor Jahrzehnten kam im Verlag der Buchhandlung Weiland ein Bildband heraus. Im Einleitungstext wagte der Autor zu äußern, dass Heinrich Mann womöglich der genialere der Dichterbrüder sei. Der Seniorchef strich den Satz und schrieb an den Rand des Manuskripts: Unsinn!

Heinrich und Thomas Mann verband vieles, auch eine Bruderliebe, die allerdings Momente des Bruderhasses kannte. Gemeinsam waren sie in jungen Jahren nach Italien gereist. Heinrichs Werke wurden jedoch schon in den 1920er Jahren vom Ruhm seines Bruders überstrahlt. Politisch drifteten sie völlig auseinander.

Thomas, der Schöngeist, sprach sich für einen starken Staat aus, der dem Künstlertum Freiheit garantierte. Heinrich erwärmte sich früh für eine Republik, stand den Sozialdemokraten nahe. Aber auch ihr Lebensstil hätte unterschiedlicher kaum sein können. Thomas hatte 1905 in München Katia Pringsheim geheiratet. Heinrich ehelichte 1914 die Prager Schauspielerin Marie Kanova. 1930 wurde die Ehe geschieden.

Bereits seit 1929 kannte Heinrich seine zweite Ehefrau Nelly Kröger, deren Lebenswandel beim Bruder auf wenig Begeisterung stieß. Heinrich schrieb, wie es der Geist ihm eingab. Thomas hatte einen festgefügten Stundenplan, bei dem selbst der Spaziergang mit dem Hund seine feste Stunde hatte. Der Plan wurde eingehalten, selbst wenn der Vierbeiner wegen schlechten Wetters keine Lust hatte.

Auch persönliche Neigungen hielt Thomas in strikter Disziplin zurück. Heinrich kümmerte sich wenig um bürgerliche Moralbegriffe. Die Brüder trafen sich schließlich im amerikanische Exil wieder. Katia unternahm Versöhnungsversuche; nicht immer mit Erfolg. Katias Loyalität zu ihrem Ehemann ging so weit, dass sie einen Briefkopf „Frau Thomas Mann“ benutzte.

Nelly Mann geborene Kröger, die Alkoholprobleme hatte, nahm sich 1944 das Leben. Heinrich Mann wurde Ende 1949 zum Präsidenten der Deutschen Akademie der Künste in Ost-Berlin gewählt. Antreten konnte er das Amt nicht. Er starb am 11. März 1950 im kalifornischen Santa Monica. Schnell bekannt geworden war Heinrich Mann durch seinen satirischen Roman „Professor Unrat“, den Josef von Sternberg 1930 unter dem Titel „Der blaue Engel“ verfilmte. Die Hauptrollen spielten Marlene Dietrich und Emil Jannings. In Lübeck wurde der Film sehr zurückhaltend aufgenommen. Schließlich schilderte er ein sehr anrüchiges Kapitel in der so ehrbaren Stadt.

Zu den bedeutenden Werken Heinrich Manns zählen der inzwischen zur Schullektüre gehörende Roman „Der Untertan“ oder die beiden Bände, die das Leben des französischen Königs Henri Quatre beschreiben.

Das Programm rund um den 150. Geburtstag von Heinrich Mann finden Sie hier.

Eine Plakette in der Breiten Straße erinnert an den Geburtsort von Heinrich Mann. Foto: VG/Archiv

Eine Plakette in der Breiten Straße erinnert an den Geburtsort von Heinrich Mann. Foto: VG/Archiv


Text-Nummer: 144061   Autor: TD   vom 27.03.2021 um 11.13 Uhr

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