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Pröpstin Kallies: Wie geht es Dir, Lübeck?

Lübeck: Es wird Ostern, die Ferien starten – das zweite Jahr der Pandemie beginnt. Lübecks Pröpstin Petra Kallies schreibt der schönen Hansestadt in unserer Reihe "Gedanken zum Wochenende", was sie in den letzten 13 Monaten wahrgenommen hat und fragt dabei auch: "Wie geht es Dir, Lübeck?"

Manche Hochzeitpaare verschieben ihren großen Tag ein zweites Mal. Menschen mit Familie im Ausland haben ihre Lieben seit 2019 nicht mehr gesehen.

Jugendliche, die raus ins Leben wollen, haben es besonders schwer. Herzklopfen: ja. Erste Küsse: nein. Wird das eine Generation, die die digitale Kommunikation lieben oder hassen wird?

Menschen sind gestorben, an Corona oder zur Zeit von Corona; viele ohne die Begleitung durch ihre Angehörigen. Das Pflegepersonal wächst immer wieder über seine Grenzen hinaus, ist liebevoll und achtsam. Aber das ersetzt nicht die Nähe vertrauter Menschen. Manche sind tieftraurig, weil sie nicht so Abschied nehmen konnten, wie es für sie richtig gewesen wäre.

Seit 13 Monaten sehen wir uns zumeist aus der Ferne. Wir halten Abstand, um andere und uns selbst vor Ansteckung zu schützen. Unser Kopf sagt „Ist schon okay so“, unser Herz ruft immer lauter „Ich mag nicht mehr! Ich will nicht mehr!“

Und immer öfter auch „Ich kann nicht mehr!“ Kinder, die zum Beginn der Pandemie geboren wurden, können längst laufen. So lange schon… Kultur fehlt uns. Von Monat zu Monat mehr. Livemusik, Theater, Kino. Um die Kulturschaffenden sorge ich mich – um die auf der Bühne, und um die hinter der Bühne. Normalerweise sind sie es, die uns aus dem Alltagstrott herausholen. Wir staunen über ihre Begabungen und ihre Ideen. Ihr fehlt uns!

Ich habe einen riesigen Respekt vor der enormen Leistung der Pflegenden in Heimen, Kliniken und Pflegediensten. Dass an dieser Stelle so hart um die gebotenen Lohnsteigerungen gerungen wird, ist beschämend. Ich wünsche mir, dass wir, Du Lübeck und ich, uns mit Nachdruck hinter die Pflegenden stellen; Applaus und ein persönliches Dankeschön sind wichtig – ersetzen aber nicht eine sachgerechte Entlohnung.

Ich denke an die Lehrerin, die mir erzählt, wie die Grundschulkinder das Selbsttesten lernen. An die Erzieherin, die immer wieder ein persönliches Risiko eingeht, wenn sie ein unglückliches Kind tröstet. Aber sie weiß genau: Menschen brauchen körperliche Nähe, wenn sie Angst haben.

Ich denke an die alte Dame, die sagt: „Immer, wenn es Krisenzeiten gab, sind wir in die Kirche gegangen. Wir haben zusammen gesungen und gebetet, einander in den Arm genommen. Dieser Trost fehlt mir. Aber ich freue mich so sehr, dass meine Nachbarn an mich denken, für mich einkaufen und mir auch mit dem Impftermin geholfen haben.“

Uns fehlt die Gemeinschaft. Der Mensch ist ein Herdentier. Pastorinnen und Pastoren machen „Seelsorge-Spaziergänge“. Das funktioniert gut: sich verabreden, mit Abstand und Maske zusammen unterwegs sein und reden. Über Gott und die Welt. Über Freude und oft über Seelenleid. Das tut gut, und manche sagen: diese Form behalte ich bei, auch nach Corona. Live-Chats in Digitalen Gottesdiensten, Online-Foren, Anrufe, Zoom-Treffen. Auch das alles hilft uns weiter.

Ich bin dankbar, dass mein Glaube an Gott mir Halt gibt, wenn sich der Corona-Frust breitmachen will. Glaube, Hoffnung und Liebe übersteigen alles; am meisten die Liebe. Das glaube ich ganz fest.

Was mir am allermeisten fehlt, ist das Lachen. Gemeinsam. Aus vollem Herzen über einen Witz, liebevoll über ein kleines Missgeschick, dankbar über gemeinsame Erinnerungen. Es heißt, beim Lachen würden weniger Muskeln gebraucht als beim Strenggucken. Lachen setzt Glückshormone frei (oder war es andersrum?). Lachen macht das Herz leichter. Meine guten Wünsche enthalten neben „Gesundheit“ zurzeit immer „Fröhlichkeit“.

Liebes Lübeck,

deshalb wünsche ich Dir ganz viel Ostersegen, Gesundheit und Fröhlichkeit, Geduld, Hoffnung und Liebe.

Herzlichst, Deine Pröpstin Petra Kallies

Wie geht es Dir, Lübeck? Lübecks Pröpstin Petra Kallies hat ihre Gedanken kurz vor dem Osterfest aufgeschrieben. Foto: Guido Kollmeier

Wie geht es Dir, Lübeck? Lübecks Pröpstin Petra Kallies hat ihre Gedanken kurz vor dem Osterfest aufgeschrieben. Foto: Guido Kollmeier


Text-Nummer: 144198   Autor: red.   vom 04.04.2021 um 08.52 Uhr

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