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Theater Lübeck im Livestream: Weltgeschichte in Aufruhr

Lübeck: Aktueller kann Theater kaum sein. Fordernder allerdings auch nicht. Am Freitagabend hatte eine im Netz übertragene Produktion Premiere, „Vögel“ von Wajdi Mouawad. Am Sonnabend und am Sonntag gibt es Wiederholungen. Jeweils 20 Uhr. Allerdings muss man Zeit mitbringen. Die Produktion dauert knapp drei Stunden, in denen ein ganzes Welttheater geboten wird.

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Im Kern handelt es sich um eine Geschichte, wie sie sich seit Jahrhunderten immer wieder zugetragen hat. Am bekanntesten bei Shakespeare mit „Romeo und Julia“. Sind es dort zwei verfeindete Familien, so trägt der Autor den Konflikt hier in die Welt, spitzt die Liebesgeschichte auf die Auseinandersetzung zwischen Juden und Palästinensern zu. Israelis und Araber stoßen im „heiligen Land“ aufeinander.

Ein junger Jude namens Eitan und das amerikanische Mädchen Wahida mit arabischen Wurzeln verlieben sich, gehen nach Jerusalem, geraten in der Familie und der Gesellschaft zwischen die Fronten. Immer neue Seiten werden beleuchtet. Vielleicht ist in der jüdischen Familie die Welt gar nicht so heil und festgefügt, wie Vater David als Familienoberhaupt das meint.

Lübecks scheidender Schauspieldirektor Pit Holzwarth lässt noch einmal seine schier unerschöpfliche Phantasie walten, mutet dem großen Ensemble seiner Mitstreiter viel zu, verlangt auch den Zuschauern einiges ab. Meistens wird englisch gesprochen (übertitelt auf dunklem Hintergrund und dadurch gut zu lesen). Aber auch arabische, jiddische, hebräische, deutsche Dialoge sind zu hören.

Zeitgeschichte ist eingeflochten, auch in Rückblenden auf Kämpfe zwischen Israelis und Palästinensern. Oder Kämpfe im Libanon, in Syrien. Alles oder doch sehr vieles ist dabei. Die Spielebenen wechseln immer wieder. Nach Terroranschlägen wird der junge Eitan, großartig gespielt von Johannes Merz, ins Krankenhaus eingeliefert, kämpft um sein Leben.

Die Freundin Wahida, ähnlich intensiv gestaltet von Lamis Ammar, geht zurück nach Amerika, kommt wieder, fühlt sich tagelang bei Palästinensern wie zuhause. Familiäre Konflikte werden ausgetragen, immer wieder neu ventiliert. Gegen Ende, als der tot zusammengebrochene Vater David (Michael Fuchs) von einer Ärztin zum Organspender für andere erklärt wird, denkt man, das sei vielleicht die Quintessenz: Der Mensch endet als Ersatzteillager.

Aber bis in die Schlussminuten hinein gibt es neue Wendungen und Überraschungen. Bewundernswert die Leistungen der Darsteller in ihren verschiedenen Sprachen: Astrid Färber als Mutter, Robert Brandt als Großvater, Vasiliki Roussi als Großmutter und viele andere. Werner Brenner zeichnet für die Ausstattung verantwortlich, Achim Gieseler für die Musik. Karten für die Vorstellungen heute und morgen sind verfügbar über www.theaterluebeck.de.

Die aktuelle Produktion wird als Livestream im Internet gezeigt. Fotos: Thorsten Wulff

Die aktuelle Produktion wird als Livestream im Internet gezeigt. Fotos: Thorsten Wulff


Text-Nummer: 144399   Autor: TD   vom 17.04.2021 um 11.15 Uhr

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