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Skater sind sauer: Macht die Bahn auf!

Lübeck - Innenstadt: Ende März wurde die Skatebahn an der Kanalstraße von der Stadt wieder gesperrt. Dort würden Abstände, Maskenpflicht und die maximale Personenzahl nicht eingehalten, so die Stadt. Die Rollsportler haben sich jetzt in einem offenen Brief an Bürgermeister Jan Lindenau gewandt.

Wir veröffentlichen das Schreiben in Auszügen:

(")Sehr geehrter Herr Lindenau,

Wir wünschten uns wir müssten dieses Schreiben nicht aufsetzen. Bereits in der Vergangenheit haben Sie uns ganz klar gezeigt, dass Ihnen die sportlichen und sozialen Belange der Jugendlichen in Lübeck nicht viel bedeuten. Wir haben bereits vor einigen Wochen auf die Missstände aufmerksam gemacht. Wir haben Ihnen ein Hygienekonzept vorgelegt, was allem Anschein nach bis heute nicht gelesen wurde.

In diesem Schreiben vom 05.03.2021 legten wir Ihnen und der Stadt Lübeck ein Hygienekonzept vor welches wir Ihnen hier noch einmal in den Anhang legen. Ich empfinde es als ein Schlag in unser aller Gesicht. Denn wir wiesen Sie mehrfach darauf hin das die Umsetzung eines Hygienekonzeptes keinesfalls von den Sportlern und Nutzern getragen werden kann. Dies hat mehrere Gründe. Zum einen würde eine Kontrolle unserseits voraussetzen, dass über die komplette Öffnungszeit eine Person abgestellt werden muss, die zählt und reguliert. Wer soll das unentgeltlich machen? Es gibt durchaus Erwachsene Sportler, welche aber durch ihren Beruf zeitlich sehr eingeschränkt sind.

Auszug aus dem Hygienekonzept der Nutzer des Skateparks Kanalstraße:

Wir als Sportler und Sportlerinnen achten auf die Einhaltung der von Ihnen eingeführten Regeln. Wir werden uns selbstverständlich gegenseitig erziehen um die genannten Regeln zu befolgen und umzusetzen. Allerdings übernehmen wir als Gemeinschaft keine Haftung. Eine Prüfung muss Ihrerseits erfolgen.

Sie teilten in Ihrer Pressemitteilung mit, dass die Jugendlichen Nutzer der Anlage sich trotz Absprache nicht an die Teilnehmerzahlen halten würden. Diese Absprache hat es jedoch nie gegeben.

Mit solchen Aussagen wird eine Außenwirkung erzielt, die Ihnen vielleicht sehr gelegen kommt, da Sie die komplette Verantwortung auf eine Gruppe von Kindern und Jugendlichen abwälzen. Ich denke ein jeder sieht selbst mit geschlossenen Augen, dass es unmöglich ist eine Gruppe von Kindern und Jugendlichen in dieser schweren Zeit sich selber zu überlassen.

Ihre Pressemitteilung wurde direkt von den lokalen Medien übernommen und verbreitet. Dies hat den Effekt, dass das Bild, der Nutzer noch weiter ins negative Licht gerückt wurde. Nur noch einmal zur Erinnerung – Wir sind auf Sie zugegangen, wir haben ein Hygienekonzept erstellt und wollten dies gemeinsam mit Ihnen umsetzen.

Wir haben vorgeschlagen die Regulierung vom Ordnungsamt vornehmen zulassen. Denn diese Ordnungskräfte kümmern sich ja auch um den Rest der Altstadtinsel. Laut Aussage einer der Mitarbeiter des Ordnungsamtes seien diese nicht zuständig für die Regulierung und Einhaltung. Warum wurde der Skatepark denn schon mehrfach von eben diesen Mitarbeitern geräumt? Anscheinend ist es ja doch ihr Zuständigkeitsbereich auf die Einhaltung zu achten.

Wir haben vorgeschlagen die Regulierung von dritten vornehmen zulassen. Sozialarbeiter des IB und Burgtor haben sich bereit erklärt dies zu tun, sofern sie einen Auftrag Ihrerseits bekommen. Dies ist ebenfalls bis heute nicht eingetreten.

Stattdessen ereignen sich spektakuläre Szenen von Seiten des Ordnungsamtes. Es werden falsche Informationen gestreut. Es kursieren diverse Meinungen auf Seiten der Polizei, Ordnungsamt und Stadt. Die Stadt verkündet der Skatepark hätte regulär geöffnet, die Polizei sagt die Öffnung sei zeitlich limitiert und das Ordnungsamt ist der Auffassung der Park sei nie eröffnet worden. Aber von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen wird gefordert, die Regelungen zu verstehen, sich an „Absprachen“ zu halten und sich damit abzufinden?

Wenn Sie eine Einhaltung einer Absprache oder Regelungen fordern, sollten diese doch transparent an die Nutzer weitergegeben werden, damit diese wissen, woran sie sich zu halten haben. Von Seiten der Stadt kamen jedoch keine Informationen, außer in einem Instagram Kommentar unter einem Post der Seite „hl.skateboarding“ vom Account Jan Lindenaus. Informationsverbreitung über Kommentare bei Instagram ist keineswegs ein professioneller Umgang in dieser Lage und zeigte erneut, das Fehlverhalten der Stadt Lübeck und des Bürgermeisters.

Wir haben Informationszettel an die Umzäunung des Skateparks angebracht. Auf diesen Infoblättern standen Verhaltensregeln, Teile des Hygienekonzepts und die Aufforderung sich als Sportler daran zu halten. Diese wurden ausnahmslos von den Ordnungskräften des Ordnungsamts entfernt. Somit konnten auch wir als Nutzer nicht mehr die Information einer maximalen Personenanzahl verbreiten, es sei denn wir wären dauerhaft vor Ort gewesen.

Und gerade als wir dachten, dass die Hansestadt Lübeck und alle Beteiligten an den Missständen der Schließung nicht noch unprofessioneller Handeln können, betritt das Ordnungsamt die Skateanlage und räumt diese.

Es ist uns unverständlich wie Maßnahmen beinahe nur gegen die Skateanlage in der Kanalstraße getroffen werden. Die Innenstadt platzt aus allen Nähten. Öffentliche Plätze wie der neue Drehbrückenplatz, Sportplatz Falkenwiese und Sportplatz Buniamshof sind überlaufen mit Menschen die sich weder an die Maskenpflicht halten, noch an das bestehende Alkoholverbot. Laut Aussagen aus dem Rathaus sind Ihnen angeblich die Hände gebunden weil sie sich an die Richtlinien des Landes und des Bundes halten müssen. Aber dann erklären Sie mir bitte warum Skateparks in ganz Schleswig Holstein weiterhin geöffnet sein können?

Wir als Erwachsene haben die Möglichkeit auf Skateanlagen im Umland, wie zum Beispiel Kiel, Neustadt oder Pansdorf, auszuweichen. Dennoch müssen auch wir hierfür den öffentlichen Nahverkehr nutzen oder gemeinsam in einem Auto fahren, wobei das Ansteckungsrisiko deutlich höher ist, als bei einer Fahrradfahrt zu einer zentralen Skateanlage.

Unsere kleineren haben oft keine finanziellen Mittel jeden Tag den öffentlichen Nahverkehr zu nutzen, geschweige denn mit dem Auto irgendwo ihrem Sport nachzugehen. Sie sitzen vermehrt alleine oder in Gruppen zuhause. Wieso werden die Bedürfnisse dieser Kinder nicht wahrgenommen?

Sie haben schon mehrere Schreiben von Nutzern des Skateparks erhalten. Es haben sich bereits Sozialpädagogen, Studenten, Selbstständige, Schüler und Eltern zu diesem Thema geäußert, mit geringem Erfolg. Man wird mit politischen Floskeln ruhig gestellt, die Schuld und die Verantwortung wird auf kleine Gruppen abgewälzt und somit sich selber überlassen. Aber Hauptsache in der Stadt kann wieder fleißig konsumiert werden.

Wir als Interessengemeinschaft Skatepark Kanalstraße fordern einen schnellst möglichen Gesprächstermin, denn es gibt allem Anschein nach einen hohen Redebedarf. Um nicht weiter ignoriert zu werden, haben wir dieses Schreiben als Öffentlichen Brief verfasst und dieser wird unter anderem an lokale Medien übermittelt. Damit diese die Chance haben sich eine Objektive Meinung zu bilden. Wir möchten Sie hiermit noch einmal höflichst dazu auffordern Ihre Pressemitteilung zu revidieren, denn diese stimmt nicht mit der Wahrheit überein. Beteiligen Sie uns endlich an der Thematik rund um den Skatepark Lübeck um Regelungen und Absprachen in einem dialogischen Miteinander zu finden und weiteres Fehlverhalten in der momentan Lage auf allen Seiten zu vermeiden. Wir als Interessengemeinschaft hoffen das wir gemeinsam zu einer akzeptablen Lösung kommen und verbleiben mit freundlichsten Grüßen

Die Rollsportler*innen der Hansestadt Lübeck(")

Die Nutzer des Skateparks fordern Stadt auf, ein Gespräch über die Öffnung der Anlage zu führen. Foto: JW/Archiv

Die Nutzer des Skateparks fordern Stadt auf, ein Gespräch über die Öffnung der Anlage zu führen. Foto: JW/Archiv


Text-Nummer: 144498   Autor: PM/red.   vom 22.04.2021 um 16.02 Uhr

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