Diese Seite verwendet Cookies für die Funktionalität und für anonymisierte Statistiken.
Stimmen Sie auch der Verwendung von Cookies durch Drittanbieter auf dieser Website für die Schaltung von personalsierter Werbung zu? Weitere Informationen
Sie können Ihre Zustimmung jederzeit auf der Seite Impressum / Datenschutz widerrufen.
Dort finden Sie auch weitere Informationen zu Cookies.

Handel und Gastronomie haben viele Fragen an Luca

Lübeck: Einen nicht so ganz leichten Stand hatte Luca-Mitarbeiterin Daniela Schluckebier am Mittwochabend bei einer Internetrunde, die von Olivia Kempke vom Lübeck Management einberufen wurde. Viele Einzelhändler und Gastronomen aus der ganzen Region haben sich in den vergangenen Tagen an das Lübeck Management gewandt, um Hilfe bei der Umsetzung der Einrichtung des Luca-Systems zu bekommen.

Wie richte ich Luca im Kino am zweckmäßigsten ein? Wie ist es bei einer Kette mit mehreren Filialen? Wie kann ich das Einchecken unter Beachtung von Platzkarte, Mindestabstand, europäischer Impfbescheinigung und Raumkapazität so erledigen, dass der Gast eingecheckt ist, bevor die Veranstaltung zu Ende ist? Die Fragen waren zum Teil so speziell, dass konkrete Hilfestellung von Daniela Schluckebier gar nicht gegeben werden konnte. Immerhin hat sie sich alles akribisch notiert und wird die Luca-Macher jetzt mit den Lübecker Anregungen konfrontieren.

Eine Innovation kommt dabei direkt aus der Hansestadt von der hochgradig pragmatisch denkenden Olivia Kempke und betrifft den Luca-Schlüsselanhänger. Den soll man ja schön bedeckt halten, vor allem nicht in eine Kamera oder etwa versehentlich ins Internet stellen, denn alle persönlichen Daten sind schließlich im QR-Code gespeichert. Olivia Kempke brauchte keine fünf Minuten um das 'Lübecker Hütchen' zu erfinden, eine kleine Hülle, in die der Schlüsselanhänger einfach hineingeschoben und damit verdeckt wird. Prototypen hatte sie sofort in Auftrag gegeben und hielt sie der erstaunten Luca-Mitarbeiterin gleich unter die Nase. Rauschender Beifall im Chat-Raum für die lösungsorientierte Olivia Kempke. "Hier kann man gleich noch das Firmenlogo unterbringen", ergänzte die Fachfrau.

Keine Frage, die Luca-App ist ein sehr sinnvolles Mittel zur schnellen Kontaktnachverfolgung durch das Gesundheitsamt, und darauf kommt es zurzeit vor allem an. In der Diskussion wurden aber Mängel deutlich, um die sich die Luca-Macher dringend kümmern müssen. Einige Mängel haben sie zu vertreten, andere entstehen durch unsachgemäßen Einsatz der Nutzer. Einige gute Ansätze sind nicht konsequent zu Ende gedacht. Das wurde im Gespräch mit Luca deutlich.

An dieser Stelle können nur die wichtigsten Aspekte einmal kurz angerissen werden. Beginnen wir mit dem Luca Schlüsselanhänger. Den bekommen im Moment viele Lübecker vom Bürgermeister und vom Lübeck Management gestellt. Der Handel berichtet, dass viele Nutzer den Anhänger auspacken und das Begleitschreiben nicht lesen. Der Schlüsselanhänger muss telefonisch oder im Internet auf die jeweilige Person registriert werden, sonst ist er nur ein seelenloses Stück Plastik und das Einchecken beim Handel kann nicht funktionieren. Der Kunde, der selbst Schuld hat, ist dann natürlich erbost, dass nichts klappt und der Einzelhändler bekommt den Segen ab.

Viele Einzelhändler und Gastronomen wissen auch noch nicht, wie sie den Schlüsselanhänger abscannen sollen. Wenn der Kunde dann mit korrekt registriertem Schlüsselanhänger kommt, kann er nicht eingescannt werden. Da hilft dann nur noch analoge Kontakterfassung mit Papier und Bleistift. Wenn der Händler dann ganz toll ist, kann er die Daten noch einmal in eine Luca-Maske abtippen, damit sie für das Gesundheitsamt elektronisch verfügbar sind. Müßig zu erwähnen, dass den meisten dafür die Zeit und die Mitarbeiter fehlen. Normale Handys und Tablets können zum Abscannen fit gemacht werden, dazu wurden in der Runde etliche Tricks ausgetauscht. Auch das könnten die Anbieter anwenderfreundlicher für Handel und Gewerbe gestalten.

Wer mit dem Schlüsselanhänger kommt muss natürlich auch ausgecheckt werden. Im Moment ist es so, dass man nach dem ersten Einchecken ständig dort angemeldet bleibt, obwohl man sich seitdem möglicherweise durch die ganze Stadt bewegt hat. Verständnislosigkeit in der Runde. "Wenn man sich im zweiten Geschäft einloggt, muss doch der Aufenthalt im ersten automatisch beendet werden, das erfordert doch schon die Logik", wurde aus der Runde sachkundig angemahnt. Daniela Schluckebier notierte auch das.

Beim automatischen Auschecken gibt es ohnehin noch Probleme. Das soll beim i-Phone funktionieren, bei Android Geräten aber nicht. Eine Nachfrage von HL-Live.de bei Luca zu dieser Frage blieb ohne Ergebnis. Da viele Nutzer vergessen, sich aus zu checken und das insbesondere bei Nutzung des Schlüsselanhängers schwierig ist, entsteht Daten-Müll, der wieder zu zusätzlichem Aufwand beim Gesundheitsamt führt. Man sollte das Problem des zuverlässigen Auscheckens von Entwicklerseite also dringend angehen.

Zum Abschluss aber noch einmal eine gute Nachricht. Wenn man ein nicht zu altes Handy besitzt, sich Luca herunterlädt, Geofencing und Datenzugriff zulässt, seine Standortbestimmung am Handy aktiviert hat, sein Handy aufgeladen hat, auf manuell einchecken geht, den QR-Code scannt und am Ende des Besuches daran denkt, sich wieder manuell auszuchecken - dann funktioniert Luca prima und ist in Fragen der Nachverfolgung zurzeit die schnellste und komfortabelste Lösung für das Gesundheitsamt.

Olivia Kempke, Geschäftsführerin des Lübeck Management, hat eine Hülle für den Schlüsselanhänger vorgestellt. Screenshot, O-Ton: Harald Denckmann

Olivia Kempke, Geschäftsführerin des Lübeck Management, hat eine Hülle für den Schlüsselanhänger vorgestellt. Screenshot, O-Ton: Harald Denckmann


Hier hören Sie den Originalton:

Text-Nummer: 144618   Autor: Harald Denckmann   vom 29.04.2021 um 11.31 Uhr

Text teilen: auf facebook +++ auf Twitter +++ über WhatsApp

Text ausdrucken. +++  Text ohne Bilder ausdrucken.

Text kommentieren.


Kommentare zu diesem Text:

A. Schmidt

schrieb am 29.04.2021 um 12.15 Uhr:
"Keine Frage, die Luca-App ist ein sehr sinnvolles Mittel zur schnellen Kontaktnachverfolgung durch das Gesundheitsamt, und darauf kommt es zurzeit vor allem an."

Doch, das ist eine Frage, und zwar auf vielen Ebenen:
- Das Konzept ist leicht manipulierbar.
- Die Fragen zeigen, dass es konzeptuell einige Fragen gibt.
- Die zentrale Speicherung ist ein Sicherheitsrisiko.
- Die Daten der Anhänger können Tagelang mit einem allgemeinen Schlüssel ausgelesen werden.
- Das Gesundheitsamt muss hinterhertelefonieren, damit ist niemand entlastet.
- Die meisten Kontakte sind für das Gesundheitsamt irrelevant (bspw. wenn ein Zoo für die gesamte Fläche nur einen Code generiert, passiert gerade ebenso bei Camping-Plätzen oder großen Kaufhäusern).
- u.v.m.

Sie löst das Heilsversprechen nicht ein, daher hat der CCC auch die Einstellung die mittlerweile über 20 Mio Euro teure Förderung für Luca aus öffentlichen Geldern gefordert https://www.ccc.de/de/updates/2021/ luca-app-ccc-fordert-bundesnotbremse

M aus Lübeck

schrieb am 29.04.2021 um 14.14 Uhr:
Gerade dazu passend heute in der Zeit ein Artikel. "Wenig Nutzen, dilettantische Sicherheitslücken: Führende IT-Sicherheitsforscher raten von der Luca-App ab"
Fazit
die Länder und Gemeinden sollten sich auf die Corona Warn App zurück besinnen. Die hält wenigstens alle Anforderungen stand.

Mathias S.

schrieb am 29.04.2021 um 14.39 Uhr:
Wer mehr über die wirklichen Probleme der Luca App wissen möchte, dem lege ich die Ausgabe 389 vom Logbuch Netzpolitik ans Herz. https://logbuch-netzpolitik.de/ lnp389-spassbremse-in-zeiten-der-not

Die App ist eine Vollkatastrophe - sie entlastet nicht das Gesundheitsamt - eher das Gegenteil. Die Daten die anfallen sind Datenmüll.

Vielleicht kann HL-live hier etwas kritisch recherchieren.

Dissident

schrieb am 29.04.2021 um 15.36 Uhr:
wir brauchen "Luca" nicht!
Wir lassen uns nicht (zwangs-)testen, demütigen, entmündigen, registrieren und hinterher spionieren. Wir kaufen eben weiterhin im Internet ein.
Und wir kochen zu Hause und im Garten und treffen uns dort mit unserer Familie und unseren Freunden.
Die Nischen-Gesellschaft, so wie in der früheren ex-DDR, sie ist wieder zurück.
Wer hätte das gedacht, 31 Jahre nach dem Mauerfall?!

andre klar

schrieb am 29.04.2021 um 17.05 Uhr:
Was FachFrau Kempke da schreibt, stimmt so nicht
"denn alle persönlichen Daten sind schließlich im QR-Code gespeichert"

Das sind sie garantiert nicht, kann ja jeder selbst mal mit ner kostenlosen QR-App auslesen. Auf dem Luca Anhänger sind keine direkten Benutzerdaten und die Daten im QR-Code sind zudem noch verschlüsselt und können nur vom Gesundheitsamt gelesen werden.

M. Wulff

schrieb am 30.04.2021 um 14.30 Uhr:
@ Andre Klar:

Es stimmt schon, dass der QR-Code des Schlüsselanhängers nicht meine persönlichen Daten, auch nicht verschlüsselt, enthält. Aber dieser spezielle QR-Code wird bei der Registrierung mit meinen persönlichen Daten verknüpft. Wenn ich nun so dusselig bin und den Schlüsselanhänger in eine Kamera halte oder gar ins Internet stelle, kann (fast) jeder den Code kopieren, ausdrucken, woanders aufkleben und dann sich unter meiner Kennung einchecken - die eventuellen Folgen brauche ich ja wohl nicht beschreiben.