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Der Eiserne Vorhang hatte in Lübeck ein Loch

Lübeck: Die DDR ist schon seit über 30 Jahren Geschichte. Es gibt aber immer noch neue Erkenntnisse. So hat das Grenzmuseum in Schlutup jetzt Dokumente erhalten, die ein "Loch" in den Grenzanlagen zeigen. Hier konnten DDR-Agenten unbemerkt zwischen Ost und West wechseln.

Nach der Teilung war es noch leicht für Agenten zwischen Ost und West zu wechseln. Die ersten Sperranlagen waren leicht zu überwinden. Genutzt wurden wenig bewohnte Bereiche wie der Harz. "Dann ist der DDR aufgefallen, dass Lübeck die einzige Großstadt direkt an der Grenze war", berichtet Ingrid Schatz von der Grenzdokumentationsstätte in Lübeck-Schlutup.

Das kleine Museum hat jetzt Dokumente erhalten, wie die Agenten die Grenze überqueren konnten. Es gab genaue Lagepläne. Und auch klare Anweisungen. Die Grenztruppen durften zu bestimmten Zeit einen Bereich nicht überwachen. Entdeckten sie trotzdem zufällig einen Agenten, mussten sie ihn festnehmen, damit die Tarnung nicht auffiel.

Neue Erkenntnisse gibt es auch von einem anderen Loch im Eisernen Vorhang: Einem Tunnel in Wesloer Forst, der Ost und West verbunden hat.

Die Grenzdokumentationsstätte Lübeck-Schlutup lädt am Samstag, 8. Mai 2021, um 11 und um 14 Uhr zu Wanderungen zum ehemaligen Agenten-Durchlass ein. Die Teilnahme kostet drei Euro. Eine Anmeldung ist erforderlich unter Tel. 0451/6933990 oder unter info@grenze-luebeck.de

Im Originalton hören Sie ein Gespräch von Harald Denckmann mit Ingrid Schatz zum Agenten-Übergang in Lübeck.

Jetzt gibt es Beweise: Die Grenze hatte bei Lübeck ein Loch, das Agenten den Übertritt ermöglichte. Symbolbild: JW

Jetzt gibt es Beweise: Die Grenze hatte bei Lübeck ein Loch, das Agenten den Übertritt ermöglichte. Symbolbild: JW


Hier hören Sie den Originalton:

Text-Nummer: 144715   Autor: red.   vom 04.05.2021 um 12.02 Uhr

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Kommentare zu diesem Text:

Insider

schrieb am 04.05.2021 um 16.18 Uhr:
Ich bin sehr Überrascht dadrüber, dass die Dokumentationsstelle erst jetzt Kenntnis über diese Duchlässe erhalten hat. In einem Waldstück an der Palinger Heide war ein Betonklotz mit einer Öffnung und einer Leiter die nach unten führte. War man unten angekommen, ging Betonröhren Waggerecht in Richtung Westen. Angekommen stand man in einem Waldstück nahe an einer Siedlung in Eichholz. So spektakulär war das nun nicht.

Dissident

schrieb am 05.05.2021 um 11.47 Uhr:
Der geneigte Betrachter wird erstaunt sein. Der "Eiserne Vorhang" war, solange dies (auch politisch) "gewollt" war, löchrig wie der berühmte Schweizer Käse.
Noch erstaunliocher scheint dem Nicht-Involvierten jedoch der Umstand zu sein, dass es in bestimmten Abschnitten gar keine Grenzsicherungen gab. Schlicht und ergreifend, weil sie dort auf Grund der Boden- bzw. Geländebeschaffenheiten baulich gar nicht errichtbar waren.
Wenn Fluchtwillige dies damals gewusst hätten ...

Dissident

schrieb am 05.05.2021 um 12.12 Uhr:
Ich möchte zu einer anderen wahren und belegbaren Begebenheit berichten.

(...) IM „Anna“ (IM = inoffizieller Mitarbeiter) war bis 1985 Sekretärin des damaligen Bundeswirtschaftsministers Bangemann (FDP).
1985 musste (...) ihre Arbeit in Bonn beenden. Auf einer Rückreise aus der DDR über die sogenannte Südroute ließ sie in einem Taxi in Rom (Italien) aus Unachtsamkeit ihre Handtasche mit den falschen Pässen liegen bzw. wurde die Handtasche ihr entwendet.
Sie setzte somit eiligst in die DDR zurück ab. Aus Angst vor den bundesdeutschen Behörden, die ihr jetzt möglicherweise bereits auf den Fersen waren.

Nach eigenen Schilderungen wurde sie über die OGS (operative Grenzschleuse) „Nordwest“ in Schlutup am Sonnabend den 3. August 1985 in die DDR zurückgeschleust. Treffpunkt mit dem Grenz-IM (ein eingeweihter Grenzschleuser aus Lübeck mit speziellen Ortskenntnissen) war der Lübecker Dom. Danach ging es mit dem BUS nach Schlutup an die Trave zum Schlutuper Wiek, dessen östliche Hälfte bereits zur DDR gehörte. Von dort aus wurde das Wiek mit einem Ruderboot (im Rücken der Grenzübergangsstelle Schlutup!) überquert. Am DDR-Ufer erfolgte die Übergabe an die HV A/AG Grenze (Stasi-Abteilung mit dem Tarnnamen "Schnewittchen). Der weitere Schleusungsweg führte durch die Sperranlagen bis zu einer Grenzerkaserne der 2.GK I.GB GR-6 in Selmsdorf) wo sie von ihrem FO (Führungsoffizier) erwartet wurde, der sie weiter nach Berlin brachte. Nach einem kurzen Zwischenaufenthalt im damaligen Stasi-Objekt Forsthaus Palinger Heide.
Während der Schleusung wurden die regulären Angehörigen der Grenztruppen abgezogen und durch Spezialkräfte der HV A/AG Grenze, eben dieser Stasi-Einheit "Schneewittchen", ersetzt. (Hauptverwaltung A)
Der Ort des Wiederbetretens des DDR-Gebietes befand sich damals in der Nähe des Grenzbeobachtungsturmes "Rotes Haus". Gelegen in der Nähe des Ufers unterhalb des heutigen Gewerbegebietes "An der Trave" in Selmsdorf. Dort war damals eine "Schleusungsklappe" im Grenzzaun eingelassen.