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Suchtberatung: Alkoholkonsum nimmt in der Pandemie zu

Lübeck: Archiv - 18.05.2021, 17.55 Uhr: „Man sieht ja schon im Supermarkt, wieviel Alkohol jetzt während Corona gekauft wird“, sagt Sascha Kühne. „Die Clubs und Kneipen sind zu, da wird dann zu Hause getrunken - oft mehr, also gut ist.“ Der 47-Jährige kennt die Gefahr, die darin steckt. Früher hat er selbst gerne mit Freunden gefeiert, Alkohol gehörte ganz selbstverständlich dazu.

„Ich hatte zwei Jobs und nach einer anstrengenden Sechs-Tage-Woche war das meine Belohnung am Wochenende.“ Irgendwann trank Kühne immer mehr, kam nach dem Wochenende sogar betrunken zur Arbeit. Und schließlich gehörte der Alkohol auch unter der Woche dazu, wurde zum regelmäßigen Begleiter. Vor einem Jahr hatte Kühne dann einen Aha-Moment: „Ich blickte zufällig in einen Spiegel und dachte: Siehst du schlecht aus, so kann es doch nicht weitergehen.“

Sascha Kühne suchte sich Hilfe, zuerst beim Hausarzt, der ihm eine Therapie zur Entgiftung verschrieb. Danach wandte er sich an die Suchtberatungsstelle der Vorwerker Diakonie. Die Fachleute hier bieten verschiedene Formen der Unterstützung an. Dazu gehören beispielsweise die Suchtberatung von Betroffenen und Angehörigen, die Begleitung einer Therapie oder die Nachsorge nach einem Klinikaufenthalt – wie bei Sascha Kühne. Er ist inzwischen „trocken“, nutzt aber weiterhin die Motivationsgruppe.

Aktuell verzeichnet die Beratungsstelle eine steigende Nachfrage zum Thema Alkoholkonsum. „Schon nach dem ersten Corona-Lockdown stieg der Bedarf signifikant an und wir denken, dass der tatsächliche Bedarf noch höher ist“, sagt Leiterin Svea Niemann. „Insbesondere melden sich Angehörige, die sich Sorgen machen.“ Home Office oder Kurzarbeit führen dazu, dass Menschen mehr Zeit zu Hause verbringen – und so vielleicht erstmals merken, dass der Partner oder die Partnerin insgeheim ein Problem mit dem Alkohol hat. „Dazu kommt, dass alleine in den eigenen vier Wänden auch mehr getrunken wird als sonst vielleicht im öffentlichen Rahmen“, so Suchtberaterin Dorothee Johannsen. Und Alkohol werde häufig auch zum Dämpfen von Stress, Sorgen und Zukunftsangst eingesetzt – Gefühle, die gerade die Corona-Pandemie bei vielen auslöst. „Insgesamt sehen wir, dass der kritische Konsum und die Zahl der Alkoholabhängigen aktuell zunimmt.“

Das Team der Suchtberatungsstelle rät, sich frühzeitig Hilfe zu suchen. „Wir bleiben auch bei Lockdown und Einschränkungen immer geöffnet.“ Die Suchtberatungsstelle der Vorwerker Diakonie ist telefonisch unter 0451/4002-58120 und per E-Mail an suchtberatung.luebeck@vorwerker-diakonie.de erreichbar. In einem ersten – auf Wunsch auch anonymen – Gespräch wird das persönliche Anliegen besprochen und ein nächster Schritt vereinbart.

Svea Niemann und Dorothee Johannsen (v.l.) von der Suchtberatungsstelle der Vorwerker Diakonie erhalten immer mehr Anfragen zum Thema Alkoholkonsum. Foto: Kristin Wendt

Svea Niemann und Dorothee Johannsen (v.l.) von der Suchtberatungsstelle der Vorwerker Diakonie erhalten immer mehr Anfragen zum Thema Alkoholkonsum. Foto: Kristin Wendt


Text-Nummer: 144990   Autor: Kristin Wendt/VD   vom 18.05.2021 um 17.55 Uhr

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