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Grüne: Bruno Hönel
Grüne: Bruno Hönel

Gedanken zum Trinitatis

Lübeck: Archiv - 29.05.2021, 09.09 Uhr: Im kirchlichen Kalender ist an diesem Wochenende "Trinitatis". Pastorin i.R. Ellen Naß erklärt in ihren Gedanken zum Wochenende die Bedeutung dieses heute fast unbekannten christlichen Festes.

Der Sonntag morgen heißt „Trinitatis“. Dann beginnt die lange Zeit ohne kirchliche Feste – in katholisch geprägten Bundesländern feiern sie allerdings am kommenden Donnerstag noch Fronleichnam – und alle Sonntage, die anschließend kommen, werden als „Sonntage nach Trinitatis“ gezählt. Das lässt darauf schließen, dass Trinitatis, als die Sonntage benannt wurden, wichtig war, ein großes Fest.

Trinitatis war das Fest der Dreieinigkeit. Nachdem die Geburt Jesu zu Weihnachten gefeiert worden war und Pfingsten die Ausgießung des Heiligen Geistes, war nun die Dreiheit Gottes vollständig, das wurde seit dem 12. Jahrhundert gefeiert. Heute kann kaum jemand etwas damit anfangen, deshalb ist dieses Fest untergegangen. Nur die Zählung der Sonntage danach ist in der Kirche geblieben.

Ein Gott und doch drei, das ist auch schwer zu verstehen. Ich muss zugeben, auch ich habe immer Schwierigkeiten gehabt, das wirklich zu verstehen, habe es bis heute nicht wirklich ergründet. In den ersten Jahrhunderten des Christentums hat man viel darüber diskutiert, sich gegenseitig den Glauben abgesprochen und gekämpft über Unterschiede, über die wir normalen Gemeindeglieder heute nur den Kopf schütteln können. Seit dem Konzil zu Nicäa 325 n. Chr. hat sich die Kirche darauf geeinigt, dass man die Berichte in der Bibel so verstehen sollte.

Für das theologische Examen musste man das alles lernen, aber ich muss zugeben, ich habe den Sinn von vielen dieser Diskussionen nicht verstanden. Mich haben mehr die Inhalte der Bibel interessiert, nicht so sehr die Frage, wie es denn um das Verhältnis von Gott, dem Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geist untereinander steht.

In einem waren sich aber die Christen immer einig: Wir glauben nur an EINEN Gott, nicht an drei. Der Islam wirft uns das manchmal vor, wir würden an mehr als einen Gott glauben und wären damit für sie nicht akzeptabel. Das ist verständlich, denn, wie gesagt, es ist ja auch kompliziert.

Andererseits ist fast alles in unserem Leben vielfältig, nicht so einfach und geradlinig, warum sollte Gott da anders sein. Ich bin immer sehr misstrauisch, wenn mir jemand erklärt: „Eigentlich ist es ganz einfach…..“, weil wenige Dinge im Leben selten einfach sind. Auch wir Menschen sind nicht immer gleich – als Mutter bin ich anders als als Ehefrau, als Berufstätige anders als im Urlaub. Wenn ich etwas neu lernen muss, bin ich anders, als wenn ich schon jahrelang damit zu tun hatte. Immer bin ich anders, aber immer bin ich ich.

So kann Gott uns ganz unterschiedlich erscheinen, als Vater, als Sohn, als Heiliger Geist. Manchmal erscheint uns Gott ganz weit weg, wir verstehen nicht, was Er tut, was das soll. Wir wissen, dass Er da ist, aber wir erfahren Ihn nicht. Manchmal sind wir uns sicher, dass Gott uns liebt, dass er uns in Jesus mit Liebe begegnet, erfahren durch das Neue Testament von diesem Jesus. Manchmal spüren wir Gott, tröstet uns Sein Geist, weist uns den Weg. Jedes mal erleben wir Gott, und jedes mal erleben wir Ihn anders.

Trinitatis kann uns daran erinnern, dass Gott uns unterschiedlich begegnet, dass er nicht starr ist, dass man ihn nicht festlegen kann. Ich denke, dass man es nicht so genau verstehen muss, wie das sein soll, mit einem Gott und drei verschiedenen Offenbarungsformen. Wichtig ist, dass wir merken, wenn Gott uns begegnet, dass es der EINE Gott ist, der uns begegnet, uns hilft, stärkt und tröstet.

Pastorin i.R. Ellen Naß erläutert die Bedeutung von Trinitatis.

Pastorin i.R. Ellen Naß erläutert die Bedeutung von Trinitatis.


Text-Nummer: 145191   Autor: red.   vom 29.05.2021 um 09.09 Uhr

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