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GAL: Suchtkranken helfen statt vertreiben

Lübeck: Die Wählervereinigung GAL sieht die zunehmend restriktive Vertreibungspolitik Lübecks gegen Suchterkrankte mit Sorge. Diese kriminalisiere Betroffene und biete keine nachhaltigen Lösungen für das Problem an.

Die GAL stuft es zudem als kontraproduktiv für die Glaubwürdigkeit der städtischen Corona-Maßnahmen ein, die Corona-Pandemie bei einer Inzidenz von rund 14 mit sinkender Tendenz für die Begründung und Legitimation eines unbefristeten Alkoholkonsumverbots an öffentlichen Plätzen und damit für die Legitimierung einer kontraproduktiven Vertreibungspolitik Suchtkranker aus dem öffentlichen Raum zu benutzen.

Juleka Schulte-Ostermann, Vorstandsmitglied der GAL Lübeck und Dipl.-Kriminologin: „Wir verkennen als GAL nicht, dass es Suchterkrankte gibt, die Hilfe benötigen. Wir verkennen auch nicht, dass es für Anwohnende, Geschäftsleute und Touristen schwer auszuhalten und kein angenehmer Anblick ist, die Auswirkungen von Suchterkrankung unmittelbar zu sehen und zu erleben Aber: Vertreibung und Kriminalisierung löst das Problem suchterkrankter Menschen und deren Suchtmittelkonsum im öffentlichen Raum Lübecks nicht.“

Lucie Messerschmidt, ebenfalls Vorstandsmitglied der GAL führt aus: „Erst wurde der Szene-Treffpunkt Krähenteich geschlossen, nun erfolgt das Verbot des Alkoholkonsums auf dem Klingenberg, demnächst folgt vermutlich ein Alkoholverbot an weiteren Plätzen der Lübecker Alt- und Innenstadt, z.B. auf den Schrangen, da sich die Szene durch das Alkoholkonsumverbot auf dem Klingenberg zunehmend dorthin verlagert. Ich frage mich: Wo sind die Hilfsangebote für die Suchterkrankten, die eine solche offene Drogenszene nachhaltig verhindern könnten?“

Die Corona-Pandemie erfordere zeitweise immer wieder, dass die Stadt strenge Regeln erlasse, wenn Verhalten von Menschen die Infektionszahlen in die Höhe zu treiben drohen, ergänzt Antje Jansen, Bürgerschaftsmitglied der GAL Lübeck. Jansen erklärt: „Die Suchterkrankten im öffentlichen Raum zählen nach derzeitiger Datenlage nicht zu den treibenden Quellen der Pandemie und stellen auch kein Risiko für Corona-Hotspots dar. Es ist an der Zeit, endlich die bisher unzureichenden Hilfen, möglicherweise auch nur bisher unzureichend umgesetzten Hilfen für Suchterkrankte in Lübeck zu installieren beziehungsweise zu realisieren, um so die ineffektive Vertreibung sowie Kriminalisierung dieser Menschen und ein Benutzen der Pandemie für Restriktionen gegen Suchterkrankte zu beenden.“

Die GAL lehnt eine Vertreibung von Suchtkranken durch Alkoholverbote ab.

Die GAL lehnt eine Vertreibung von Suchtkranken durch Alkoholverbote ab.


Text-Nummer: 145477   Autor: GAL   vom 11.06.2021 um 11.40 Uhr

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Kommentare zu diesem Text:

Andreas

schrieb am 11.06.2021 um 12.03 Uhr:
Was die GAL dazu denkt, deckt sich nicht mit meiner Ansicht zu dem Thema. Beschönigende Begriffe wie Szene-Treffpunkt werden den dort stattfindenden Konsum- und Handelsbeziehungen und den Verschmutzungen nicht gerecht. Kritik ohne wirkliche Lösung für ein Dauerproblem dieser Kuschelgesellschaft.

Bernburgerin

schrieb am 11.06.2021 um 12.10 Uhr:
Die 'Suchtkranken' werden kriminalisiert?
Wer Drogen kauft IST kriminell!
Typisches grünes verharmlosen von Straftaten.
Das die Stadt Lübeck im Umgang mit den Junkies endlich
die Samthandschuhe auszieht, ist längst überfällig,
und im Interesse der anständigen Bürger!

Tobias Möller

schrieb am 11.06.2021 um 12.20 Uhr:
Oh je.

Vielleicht sollte man erstmal zwischen einer durch einen unglücklichen Zufall einfagenen Krankheit und dem bewussten Drogenkonsum unterscheiden.

Erstes geschieht unfreiwillig, zweites wird aktiv und bewusst praktiziert. Bei letzterem also von einer Erkrankung und beschönigend verharmlosend von "Suchtkranken" zu sprechen ist schon der erste Fehler. Diese Leute wollen keine Hilfe, weil sich ihr Leben nur noch darum dreht, wo sie Alkohol und Drogen herbekommen.

Es handelt sich um Drogenkriminelle, die niemand irgendwo haben will. Und wo sich so eine Szene nicht mehr sicher fühlt, löst sie sich langfristig gesehen auch auf.

Das mit Verständnis und Betüdelung absolut nichts erreicht wurde, sah man eindrucksvoll am Krähenteich. Dort wurde es ja immer schlimmer.

Also ist die Abkehr von erwiesenermaßen unbrauchbaren Angeboten hin zu funktionerenden Maßnahmen der einzig richtige Weg.

Lübeck muss einfach mehr gegen Drogenkriminelle machen, anstatt diese zu umsorgen und Wohlfühloasen für sie zu schaffen.

Horsti

schrieb am 11.06.2021 um 12.21 Uhr:
Liebe GAL!
Es gibt keine nachhaltige Lösung gegen Suchtkrankheit. Ein Teil der Betroffrnen ist für die Hilfsangebote der Beratungsstellen und der Therapieeinrichtungen schlicht nicht erreichbar. Möglicherweise ist die individuelle Schmerzgrenze noch nicht erreicht. Das Angebot in Lübeck ist ausreichend und soll durch die Diakonie im Auftrag der Stadt erweitert werden. Fixerräume lösen die Drogenproblematik sicherlich auch nicht. Trotzdem halte ich es für richtig, öffentliche Räume nicht den Junkies und Trinkern zu überlassen.

Berater

schrieb am 11.06.2021 um 12.57 Uhr:
Es ist schon erschreckend, wie sehr Süchtige hier kriminalisiert werden. Dabei ist ein Teil des Problems, dass es dabei, im Gegensatz zu Tabak und Alkohol, um illegale Suchtstoffe geht. Die gesellschaftliche Kosten von Alkoholsucht ist um einiges höher wie bei den illegalen Drogen.
Auch wenn nur die wenigsten zum Konsum gezwungen werden, zählen auch Faktoren, wie sozialer Druck, Lebenssituation etc. mit. Konsum von illegalen Drogen geht durch alle Gesellschaftsschichten, nur dass in gewissen Schichten das Bankkonto vor Verelendung schützt.
Es bleibt auch keiner wirklich freiwillig süchtig. Der Weg daraus ist schwer und häufig ohne Hilfe kaum zu schaffen. Wenn der Tag davon bestimmt ist, wie ich an den nächsten Schuss komme, bleibt kaum noch Energie, sich Beratung und Hilfe zu suchen. Es bringt nichts, die Menschen einfach nur zu vertreiben, das sorgt nur für mehr Elend und dass Menschen irgendwo einsam krepieren und dass im eigentlich reichen Deutschland

Mischa

schrieb am 11.06.2021 um 14.14 Uhr:
Da ist er wieder, der hässliche Deutsche.

Am besten alle Drogenkonsumenten in Lager stecken!
Stacheldraht drumrum!
Für die schwer Suchtkranken gibt es ne Zugfahrt nach Hadamar, Grafeneck oder Sonnenstein. Einfache Fahrt, natürlich. Sind eh nur "Ballastexistenzen"...

Ich kann nur die Daumen drücken, dass Ihr nie in eine Sucht rutscht. Das geht manchmal sehr schnell. Rippenbruch, Tramadol über ein paar Wochen und schon ist man drin. Wenn dann der Arzt kein Rezept mehr ausstellt, steht ihr auch am Bahnhof und kauft.

@Berater: Danke! Noch ist doch nicht alles verloren.

T.P.

schrieb am 11.06.2021 um 14.48 Uhr:
Die GAL macht es sich zu einfach, sicherlich brauchen „Suchtkranke“ einen Anlaufpunkt.
Dieser sollte aber nicht an öffentlichen Plätzen in der Innen - bzw. Altstadt sein. Ich kann den Frust der Ladenbesitzer, Anwohner etc. durchaus nachvollziehen.

Mein Vorschlag für einen geeigneten Treffpunkt wäre die Teerhofinsel; gut zu erreichen, ausreichend Platz und weder Geschäfte noch Anwohner.
Da können sich die kleinen Racker schön austoben.

Zum Thema kriminalisieren; ich dachte immer Drogenkonsum ist kein Kavaliersdelikt ;-).

Ein schönes, sonniges Wochenende allerseits!

richtig

schrieb am 11.06.2021 um 14.54 Uhr:
schwer auszuhalten dieses ansehen zu müssen ist leider eine Bechönigung.Besonders am klingberg möchte man sich sich mal zum verweilen und/oder verzehren hinsetzen,besonders wenn man älter ist und vielleicht vor oder nach einem Arztbesuch.Ob Alkohol-oder Suchtkrank spielt keine Rolle,auch diese Personen haben Rücksicht zu nehmen.
Weiterhin,Alkoholverbote zu erlassen bedarf keiner Corona-vorgabe.In vielen Städten ist es Realität und darum sollte Lübeck es auch umsetzen!

Altstadt Normalo

schrieb am 11.06.2021 um 15.00 Uhr:
Die GAL sollte sich mal einen Überblick über die vielfältigen Angebote für Suchtkranke verschaffen, bevor sie hier behaupten, es gäbe keine. Lübeck hat ein dichtes Netz an Angeboten! Was machen denn die Streetworker, Obdachlosenhilfe/heime und diverse Anlaufstellen sonst den ganzen Tag? Die Anzahl der mit / für Suchtkranke arbeitenden Menschen in HL ist sicher dreistellig. Letztlich hat nunmal der Rest der Bevölkerung auch Rechte, und die hören gewiss nicht dort auf, wo sich (...) breit machen.

Michael Knabe

schrieb am 11.06.2021 um 15.11 Uhr:
Hauptsache ihr könnt alle Suchtkranken in eine Schublade stecken. Hoffentlich kommt ihr niemals in so eine Situation. Und wenn doch, dann wünsche ich euch Menschen wie ihr es seid.

tramadol

schrieb am 11.06.2021 um 16.14 Uhr:
@mischa
ich kenne menschen,die nach schweren op,s - herzbypass,lange tramadol genommen haben und nicht sbhängig wurden.
dein selbstmitleid geht mir gegen den strich.
und vergleiche mit Hadamar,verbieten sich von selbst.Passt hier keiner suf!???
erinnert mich an neue bundesbürger die ihre DDR mit dem 3.Reich verglichen,nur weil die sich keinen Golf kaufen konnten

Sunny

schrieb am 11.06.2021 um 16.17 Uhr:
Dankeschön Mischa, ich sehe es genauso. Man sollte dabei auch bedenken, das die Sucht einer Person auch immer sehr viel Leid für die Angehörigen bedeudet.
Niemand der sowas nicht erlebt hat weiß was es bedeutet wenn man jemanden sieht wie er an dem Dreck zu Grunde geht mit allen Fazetten und man selber ist einfach machtlos.
Außerdem sollte sich jeder mal an die eigene Nase fassen : Zigaretten, Feierabendbier / Wein, Zucker, Fastfood oder wie gesagt Tillidin nach einem schweren Unfall ist dann auf einmal gar nicht so schlimm?
Ich bin schockiert wie wenig Empathie einige Menschen an den Tag legen...

Klaus Kalb

schrieb am 11.06.2021 um 16.20 Uhr:
Bei einem Spaziergang durch die Innenstadt möchte ich auch auf dem Klingenberg auf einer Bank sitzen.
Erwarten Sie von mir kein Verständnis das sich dort nur Süchtige
breitmachen dürfen.

Horsti

schrieb am 11.06.2021 um 16.42 Uhr:
@Mischa
Wenn wir jetzt hier schon schwarz-weiß denken und polarisieren wollen (Ihr Beitrag ist unter aller Sau!): Ja, manchmal wäre es gar nicht so schlecht, Süchtige zu ihrem Glück zu zwingen! In einer Haftanstalt (in der sie aufgrund der Beschaffungskriminalität häufig landen) werden Junkies wenigstens mangels Nachschub clean. Und wenn die Birne wieder funktioniert haben therapeutische Maßnahmen wenigstens eine Chance auf Erfolg. Ich bin beruflich seit über 20 Jahren in regelmäßigem Kontakt mit Suchtkranken, die z. T. zum dreißigsten Mal zum Entzug die Klinik aufsuchen, nur um Tage später wieder besoffen und stoned aufzuschlagen. Ich halte definitiv nichts davon, Süchtige als arme Opfer zu vertätscheln. Jeder ist für sein Handeln selbst verantwortlich! Und Jeder, der aufrichtig aus der Sucht weg will, kann in Deutschland auch die Unterstützung bekommen, die er braucht. Auffällig ist das typische Verhalten, die Verantwortung/Schuld immer auf Andere zu schieben, als auch der unbedingte Egoismus, sich den nächsten Rausch zu verschaffen. Ich nehme an, daß Sie wissen, wovon ich rede.

Pomm

schrieb am 11.06.2021 um 17.11 Uhr:
@Tramadol (welch blödsinniger Name...): Tramadol ist ein Schmerzmittel mit nachgewiesen hohem Suchtfaktor. Einfach mal informieren, bevor hier verharmlost wird.

Sunny

schrieb am 11.06.2021 um 18.16 Uhr:
Und die Leute die hier schimpfen das die sucht - kranken - Menschen überall stören sollen mir bitte erklären was ihrer Meinung nach mit den Menschen passieren soll?

Malik

schrieb am 11.06.2021 um 19.28 Uhr:
Leicht schweift der vorgefertigt abwertende Blick auf all die Suchtkranken in der Öffentlichkeit und dabei vergisst, sich selbst im Spiegel zu betrachten. Angesichts der Tatsache, dass der tägliche Schluck aus dem Weinglas ja nur Genuss bedeutet. Aber wehe es kommt der Tag, an dem man möglicherweise sitzt, neben all den Verbrechern, im Stuhlkreis der Erkenntnis...

Bernd Feddern

schrieb am 11.06.2021 um 21.32 Uhr:
Moin Lübeck!
Gesagt hatte ich, dass ich nicht mehr zu Sucht-Themen in Lübeck Stellung nehmen werde.
Mache ich auch nicht!
Ich bin nur entsetzt über so viel zementierte Vorurteile und absolute Unkenntnis betreffs Suchtkrankheiten und dem Umgang damit.

Schönes Wochenende!

Ganghaus Gangsta

schrieb am 14.06.2021 um 05.17 Uhr:
@ T P: jemand hat Sie falsch informiert: Drogenkonsum ist nicht nur kein Kavaliersdelikt – er ist überhaupt kein Delikt. Denn das Einnehmen von BTM, Alkohol, Nikotin etc. ist in Deutschland keine Straftat und keine Ordnungswidrigkeit. Anders gesagt: jeder darf im Privatbereich seinem Körper Substanzen nach Belieben zufügen und sich damit sogar selbst schädigen.

Strafbar hingegen sind Besitz, Erwerb und Weitergabe – die beiden Letztgenannten entweder im Ganzen oder (wie bei Alkohol und Tabak) teilweise. Was noch legal ist und was illegal, wird nur durch Gesetze und Verordnungen definiert. Viele Medikamente, die noch vor 30 Jahren ganz normal in der Apotheke zu haben waren, sind heute verboten. Das nur als ein Beispiel der vielen.

Sie sehen, alles nicht so einfach.

Dennoch begrüße ich die Entscheidung, an bestimmten öffentlichen Plätzen, darunter Klingenberg, den Konsum einzuschränken. Sich jederzeit öffentlich zu betrinken ist kein Menschenrecht. Gerade am sonnendurchfluteten Klingenberg mit der glitzernden Wasserkunst, in der Kinder spielen, brauchen wir keine alkoholisierten Menschen auf den Bänken. Der Alkohol ist übrigens das größte Problem, Konsumenten anderer Drogen fallen in den meisten Fällen nicht so auf.

In den meisten freien Ländern ist der öffentliche Alkoholkonsum seit langem stark eingeschränkt. Ob in London, Warschau oder in Los Angeles – einfach ne pulle auf der Straße köpfen kann zu dem teuersten Schluck des Lebens werden.